26. November 2006 9:45

Als hätte die Aufklärung nie stattgefunden – zum vorgeschlagenen Lehrplan ‘Religion und Kultur’

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Der Kantonsrat machte am 26. September 2005 Druck: Die Motion, welche einen obligatorischen Unterricht über Geschichten und Bräuche der am meisten verbreiteten Religionen forderte, wurde für dringlich erklärt. Grund für die Hektik war in erster Linie die eingereichte Initiative zum Erhalt der biblischen Geschichte. Den Motionärinnen schien es unsinnig, an einem religionsübergreifenden Lehrplan zu werken, ohne zu wissen, ob in Folge eines möglichen Volksentscheides nur mehr christliche Heilslehre vermittelt werden dürfte.

Nun hat der Bildungsrat seinen Lehrplanvorschlag (PDF) präsentiert, welcher als indirekter Gegenvorschlag zur Bibelinitiative zu sehen ist. VertreterInnen der dominanten Religionen, die sich zu Rundtischgesprächen treffen, wurden in die Erarbeitung einbezogen – aber eben nur die. Was nun – wenig überraschenderweise – im Vorschlag völlig fehlt, ist eine Würdigung weltlicher Aspekte.

Man mag ja befürworten, dass eine solche Auslegeordnung von Glaubens- und Wertesystemen präsentiert wird. Und es lässt sich vielleicht auch rechtfertigen, dass dies schon (in stufengerechter Form) in den Primarschulunterricht integriert wird.

Es kann aber nicht sein, dass in unserer weitgehend säkularisierten Gesellschaft nun den Kindern der Eindruck gegeben wird, dass Religion zwingend zum Leben eines jeden Einzelnen gehört. Wenn ein solcher Lehrplan dazu verwendet werden soll, gegenseitige Rücksichtnahme und gegenseitiges Verständnis zu vermitteln, muss auch klar sein, dass es völlig normal ist, sich dem Religiösen zu entziehen und trotzdem ein anständiger Mensch zu sein, der z.B. moralisch handeln kann auch ohne Angst vor einem Fegefeuer oder aus reiner Gottesgefälligkeit.

Selbstverständlich kann ein Lehrer in einer solchen Stunde keine philosophischen Fragen angehen, aber so zu tun, als hätte unser Kulturraum nie eine Aufklärung durchgemacht, ist unerhört. Dieser Entwurf bedarf einer Überarbeitung – und dazu sind gefälligst Personen einzubeziehen, die befähigt sind, ein humanistisches Verständnis einzubringen. Ein runder Tisch, der ausschliesslich aus den Religionen besteht, die hier am lautstärksten um Aufmerksamkeit buhlen, ist dazu offenbar nicht in der Lage.

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