1. April 2007 7:45

Wegen Klimaerwärmung: Sechseläuten abgesagt

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Die Zünfte lassen völlig überraschend das diesjährige Sechseläuten platzen. Jürg C. Scherz, Präsident des Zentralkomitees der Zünfte Zürichs (ZZZ), teilte an der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mit, der Entscheid sei «schweren Herzens aber mit deutlichem Mehr» gefallen. Schuld ist die Klimaerwärmung. Sie hätten alle selbstverständlich alle auf eine nachhaltige Wirkung des letztwöchigen Kaltlufteinbruchs gehofft, doch «zwei Tage leichtes Chaos auf den Strassen lässt keine Winterstimmung aufkommen». Bei vier, fünf Schneefalltagen seit Dezember müssten sich die Zünfter eingestehen, dass der Winter endgültig vertrieben sei. Der Böögg habe deshalb notgedrungenerweise ausgedient. Es sei ausserdem angesichts von Feinstaub- und CO2-Belastungen fragwürdig geworden, am Ritual des Scheiterhaufens festzuhalten. Das verwendete Holz würde man heutzutage besser vergasen und so zur Energiegewinnung nutzen.

Werner Vogt, Kommunikationschef der künstlerischen Kommission der Zünfter und zuständig für den Kinderumzug doppelt nach: «Wir sind ein traditionsbewusster Verband, wollen uns aber nicht in blinder Nostalgie verlieren.» Es brauche deshalb ein neues Konzept. Klar sei, dass es im nächsten Jahr weitergehe, doch es sei eine Auszeit von einem Jahr nötig, um für das Fest eine angepasste Form zu finden. Es sei im Verband viel diskutiert worden und man sei offen für Neues, so sei auch ein Zusammengehen mit dem Caliente-Festival geprüft worden. Der Kinderumzug und der Zug der Zünfte würden erhalten, das sei man den Vereinsmitgliedern und der Zürcher Bevölkerung schuldig. Um das Kinderprogramm aufzuwerten, werde geprüft, das Limmatschwimmen künftig in den April vorzuverlegen. Auch die Beflaggung des Limmatquais werde selbstverständlich beibehalten. Jürg Scherz wünscht sich dort zusätzlich Palmen. Er ist überzeugt, dass sich nicht nur die Kamele seiner Zunft zur Kämbel daran erfreuen würden.

Enttäuscht ob der ZZZ-Entscheidung zeigte sich in einer ersten Stellungnahme Susann L. Pflüger, Präsidentin der Frauenzunft. Ihnen sei zugesichert worden, dieses Jahr dem offiziellen «Zug des Feuers» der Männer nur noch eine Viertelstunde vorausreiten zu müssen und bereits ab 2010 vollständig in den Zug integriert zu werden. Die geplante Ehrung der ehemaligen Kronenhalle-Wirtin, Hulda Zumsteg, finde aber am 16. selbstverständlich dennoch statt. Und falls der Zunftumzug doch nicht überlebt, bietet die Gesellschaft zu Grossmünster den männlichen Zünftern an, künftig an ihrem Mittelalter-Spectaculum teilzunehmen. Dieses findet alle drei Jahre auf dem Münsterhof statt, das nächste Mal im August 2008 – und zwar bei jeder Witterung, wie Susann Pflüger zusichert.

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