Von Bauchgefühlen, Kaffeesatzlesen und nackten Zahlen
Seit gestern sind sie endlich verfügbar, die Panaschierzahlen zu den Nationalratswahlen (xls-Datei). Auch wenn’s für die Entscheidungsfindung längst zu spät ist, lässt sich wenigstens noch in Ansätzen verifizieren, ob aufgestellte Thesen zu den Potentialen von Chantal Galladé und Verena Diener mit nackten Zahlen untermauert werden können. (Etwas, wofür ich bereits vor dem grossen Show-Downplädiert hatte).
Die Hauptschlussfolgerung der Analyse: Die Vermutung, dass Chantal Galladé im bürgerlichen Lager und in der politischen Mitte kaum Potential hat, lässt sich aufgrund des Panaschierverhaltens nicht erhärten. Chantal Galladé erhielt ausser von den Grünliberalen durchwegs mehr Panaschierstimmen als Verena Diener, auch bei den Mitte- und bürgerlichen Parteien:

Basis für die Grafik: Panaschierstimmen von den Hauptlisten der Parteien. Die Nebenlisten verändern das Bild nicht.
Natürlich, auch diese Zahlen haben beschränkte Aussagekraft bezüglich des Wahlverhaltens bei den Ständeratswahlen. Und die Ausgangslage für Chantal Galladé als Listenerste war nicht dieselbe wie für Verena Diener, die sich an den Schluss ihrer Liste setzen liess und ankündigte, dass sie ein Nationalratsmandat nicht annehmen würde. (Gemäss NZZ am Sonntag hat Verena diese Aussage inzwischen zurückgezogen.) Dennoch: Die Zahlen widersprechen der Behauptung, dass nur eine der beiden Kandidatinnen für Mitte-rechts ansprechbar ist.
Drei Schlussfolgerungen gilt es meiner Meinung nach zu ziehen:
- Bauchgefühle taugen wenig als Prognoseinstrument.
- Bei einer derartigen Ausgangslage sind die Spielregeln für eine Ausmarchung unter KandidatInnen unbedingt vorher festzulegen.
- Das Statistische Amt des Kantons Zürich sollte sich mal z.B. in St Gallen umsehen. Dort war die Verwaltung in der Lage, die Panaschierstimmen bereits am Wahlsonntag online zu stellen.


















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