Beijing 2008 – crueler, meeker, swankier
Noch 179 Tage bis zum Beginn der Olympischen Spiele in Beijing. Und die Stadt putzt sich ganz schön raus. «Preserving the Charm of Beijing» heisst es dazu auf der offiziellen Website. Dass dafür nach Schätzungen 1.25 Millionen Menschen zwangsumgesiedelt wurden, schmälert den Charme natürlich kein Bisschen.
Diese Olympischen Spiele sollen die profitabelsten aller Zeiten werden, so Gerhard Heiberg, Marketing-Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). 65 Millionen Dollar bezahlen die 54 offiziellen Sponsoren je einzeln für ihre Teilnahme am «Olympic Partner Programme». Da soll es natürlich keine Zwischenfälle geben wie 1968 in Mexiko, als die beiden schwarzen US-Amerikanischen 200 Sprinter Tommie Smith und John Carlos auf dem Siegerpodest ihre Arme zu einem «Power to the People»-Gruss empor streckten und der zwischen ihnen platzierte Australier Peter Norman seine Sympathie mit dem Tragen eines «Olympic Project for Human Rights-Badges ausdrückte.
Im Jahr 2008 sollen die Athleten natürlich die Friede-Freude-Eierkuchen-Stmmung auf keinen Fall mit lästigen Hinweisen auf die alltägliche Repression unterdrücken. Es soll schliesslich nicht erneut vorkommen, dass das Time Magazine das Olympische Motto «faster, higher, stronger» zu «angrier, nastier, uglier» umbenennen muss, um seiner Empörung ob des Missbrauchs der sportlichen Plattform für politische Aussagen freien Lauf zu lassen.
Folgerichtig hat deshalb der Britische Olympische Verband (BOA) seinen Athleten verboten, heikle politische Fragestellungen zu kommentieren. Nachdem dieser Passus zu Kritik führte, versicherte der BOA-Sprecher, dass es keinesfalls darum ginge, die Meinungsäusserungsfreiheit einzuschränken (s. Guardian). Es gehe nur darum, dass beispielsweise niemand in einem «Free Tibet»-T-Shirt rumlaufe. Und man wolle den Athleten Medientraining geben und sich auf Modellantworten zu Menschenrechtsfragen einigen. Nein, die Meinungsäusserungsfreiheit wird dabei natürlich kein Bisschen tangiert.
Mein Vorschlag für das Time-Cover vom 1. September 2008: «Beijing 2008: crueler, meeker, swankier» (brutaler, unterwürfiger, grosskotziger).



















[...] für Beijing 2008 vorgeschlagene Slogan crueler, meeker, swankier scheint leider immer passender. Eigentlich habe ich mit solchen Prognosen verdammt ungern [...]