20. Februar 2008 21:30

economiesuisse-Zahlen zur Unternehmenssteuerreform: Bewusste Lüge oder nur keine Ahnung von Unternehmensdemografie?

501 mal angeschaut Bisher kein Kommentar Beitrag drucken Beitrag drucken als Mail verschicken als Mail verschicken

Ein Teilnehmer der Diskussion zur Unternehmenssteuerreform auf ignoranz.ch verwies heute auf eine dummdreiste Behauptung der economiesuisse, welche auf dem KMU-Portal des Bundes wiedergegeben ist:

economiesuisse rechnet damit, dass mehr als 500’000 Menschen von der Reform profitieren werden. Der Dachverband untermauert seine Vorhersage mit folgenden Überlegungen: Es gibt 267’000 KMU mit durchschnittlich zwei Aktionären, deren Firmenanteil mehr als 10% beträgt.

Ein kurzer Blick in die Statistiken des Bundes verrät, dass mehr als die Hälfte aller Unternehmungen in der Schweiz Einzelunternehmen und Personengesellschaften sind (2004 waren es 58%, neuere Zahlen liegen leider nicht vor.)

Von den rund 300’000 KMU (2005 waren es 297’694) sind also gerade mal um die 125’000 Kapitalgesellschaften oder Genossenschaften1. Die economie-Suisse-Zahl der potentiell Begünstigten hat sich also bereits mit der ersten Korrektur auf weniger als die Hälfte reduziert.

Doch nun zu den Beteiligungsverhältnissen: Leider scheint der Bund keine Statistik zur Anzahl Inhaber von Kapitalgesellschaften zur Verfügung zu stellen. Ein zuverlässiges Indiz, dass die Anzahl Mitinhaber mit einem Anteil von mindestens 10% im Schnitt klar unter zwei liegt, dürften die Gesellschaften mit beschränkter Haftung sein. Schaut man die Neueintragungen im Handelsregister an, ist auffällig, wie oft ein Gesellschafter nur gerade 1000 Franken einbringt. Mitinhaber werden von den eigentlichen Gründern vor allem deshalb ins Boot geholt, weil das Gesetz mindestens zwei Gründer voraussetzt. Bei den allermeisten der rund 50’000 GmbH in der Schweiz könnte also wohl nur eine Person vom Steuerrabatt profitieren.

Der springende Punkt ist aber der nächste: Nur wer einen namhaften Gewinn erzielt, lässt sich diesen sinnigerweise als Dividende auszahlen. Damit schrumpft die Zahl der Nutzniesser in den Bereich der volkswirtschaftlichen Belanglosigkeit. Eine Untersuchung derjenigen Aktiengesellschaften, die mehr als 50’000 Franken Gewinn erzielen, ergab einen Nutzerkreis von gerade mal 8400 Personen. Nun lässt sich selbstverständlich debattieren, ob in der Untersuchung die Gewinnschwelle zu hoch angesetzt wurde. Doch auch wenn der Kreis der Nutzniesser mit gutem Gewissen aufs drei- vierfache der 8400 Personen ausgedehnt werden kann, eine realistische Profiteurenzahl ist Grössenordnungen kleiner als was die economiesuisse uns weis machen will.

Skandalös ist, dass die Beamten, welche das KMU-Portal unterhalten, den economie-Wisch so unreflektiert abdruckten. Vielleicht sollten sie sich mal in dieSchulungsunterlagen des Bundesamtes für Statistik vertiefen…

P.S. Bei einer so kleiner Zahl an Nutzniessern könnte man natürlich versucht sein zu meinen, dass die Vorlage kaum Schaden anrichte. Für einige – z.B. Michael Ringier, Otto Beisheim, Thomas Schmidheiny, Gigi Oeri oder Klaus Jacobs – liegen die potentiellen Einsparungen aber im zwei- oder dreistelligen Millionenbereich – Jahr für Jahr. Meines Wissens hat von diesen Damen und Herren noch niemand verbindliche Versprechen abgegeben, mit dem privat eingesparten Geld Lehrstellen und Arbeitsplätze zu schaffen…

1 Gewinnausschüttungen von Genossenschaften sollen ebenfalls nur noch teilbesteuert werden, wenn jemand mindestens eine 10%-Beteiligung hat.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...


Misch dich mit einem Kommentar in die Diskussion ein!

Schreibe einen Kommentar oder schicke einen Trackback von deiner Seite. Du kannst auch die Kommentare per RSS verfolgen.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

Du kannst diese Codeschnipsel
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong> - und dann noch die üblichen Wordpress-Schnipsel zur Formatierung deines Kommentars verwenden.

Wenn du dich bei Gravatar registriert hast, wird neben deinem Kommentar ein kleines Bild von dir erscheinen.