IOC: Nichts gelernt aus London und Paris
Der diesjährige olympische Fackellauf ist möglicherweise der erste und letzte, der derart megalomanisch aufgezogen wurde. Kevan Gosper, IOC-Pressesprecher und Vizechef der IOC-Koordinationskommission für Beijing2008, spekulierte, dass künftig die Flamme direkt von Olympia ins Gastgeberland geschickt werden könnte.
Gosper verurteilte die Proteste in London und Paris, nannte die Demonstranten «professionelle Störer, die voller Verbitterung und Hass» seien. Das ist natürlich Dummfug. Natürlich gab es gut organisierte Gruppen, Exiltiberter beispielsweise, die auch allen Grund zur Verbitterung haben, oder die Vertreter der der reporter sans frontières, die ihre Aktionen bestens vorbereiteten. Aber Tausende «professionelle Störer» auf den Plan zu rufen, das kriegen wohl nur Diktaturen wie das Gastgeberland gebacken. Das IOC liess nach der Vergabe der Spiele an Beijing verlauten, dass ein Land mit einer starken Regierung den Spielen Vorteile bringe. Die Organisatoren sind also selbst schuld, wenn sie nun die Fackel durch Länder jagen, in denen die Bevölkerung nicht einfach alles konzertiert bejubelt, was ihnen an Spielen dargeboten wird.
Das IOC mag sein eigenes Gebaren offenbar genauso wenig hinterfragen wie die chinesische Regierung. In einem Punkt könnte das IOC aber von der Jintao-Clique was lernen: Die sucht nämlich nun dringend ein westliches PR-Büro, welches ihr Image aufpolieren soll.
Nachtrag: IOC-Vizepräsidentin Gunilla Lindberg hat im Gosper-Tenor nachgedoppelt: «Das in demokratischen Ländern herrschende Recht der Demonstrationsfreiheit wird von professionellen Demonstranten ausgenutzt.» Vielleicht sollten sich Gosper und Lindberg eine Emigration nach China überlegen, wenn ihnen Meinungsäusserungsfreiheit so zuwider ist…




















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