Blaues Kreuz liberaler als die FDP
Die Regierungen der schweizerischen Grosstädte scheinen alle nur noch eines auf ihrer Traktandenliste stehen zu haben: Botellóns* bzw. deren Verhinderung. Zweifellos, Kollateralschäden sind abzusehen: Abfallberge, gefährliche Blaufahrerei, die von der Euro bekannte Duftnote von Grossanlässen am Morgen danach – und erkleckliche Kosten für die Allgemeinheit.
Dennoch, ist die operative Hektik wirklich nötig? Im Grunde ist der Aufruf zum Botellón erfrischend ehrlich: Versprochen wird Fasnacht oder Sechseläuten ohne die ganze Maskerade. Es geht den Teilnehmenden um Geselligkeit unter Gleichgesinnten, ungehemmten Alkoholkonsum und unverbindlichen Sex. Auf die Verpackung, die andere Veranstaltungen bieten, wird verzichtet. Die Begleiterscheinungen sind aber wohl so unvergleichbar nicht.
Interessant ist, wie die offizielle Politik darauf reagiert. Die (rotgrünen) Stadtexekutiven streichen wie erwähnt passende Verbotsparagrafen in ihren Gesetzessammlungen an. Und nun trudeln die ersten Stellungnahmen von Organisationen ein. Interessant die Gegenüberstellung der NZZ zur Entwicklung in Zürich: FDP sagt nein, Blaues Kreuz ja.
Noch einmal für alle, die meinen sich verlesen zu haben: Die Partei mit der Fussnote «Die Liberalen» im Logo unterstützt Esther Maurers Verbotsbemühungen. Und das Blaue Kreuz, die Suchtpräventionsorganisation, welche sich auf «die heilende Kraft des Evangeliums» beruft, akzeptiert den Anlass als «Teil einer Gesellschaftsordnung, die friedliche Versammlungen unter freiem Himmel ermöglicht.»
Ich glaube, ich brauche nun einen Laphroaig.
P.S. Nicht dass es von Belang wäre, aber nein, ich werde nicht hingehen. Es reizt mich kein Bisschen (gehöre wohl auch nicht wirklich zur Zielgruppe). Aber irgendwie ist das ein eher mageres Argument, um 5000 anderen einen gescheiteren Samstagabend aufzuzwingen.
* Wie teutonisiert man dies im Plural: 1:1-Übertragung aus dem Spanischen, also ‘Botellones’ oder doch – meine Wahl – Fremdwort in Originalschreibweise gefolgt vom deutschen Standardplural -s, so dass es weder deutsch noch spanisch korrekt aussieht?


















[...] so liebevoll aufgebaute Empörung? Kein religiös-sozialistischer Aufschrei von Esther Maurer, keinVerbotsantrag der FDP, keine einzige CVP-Anfrage im [...]