Cédric Wermuth (Juso): Weniger rauchen, mehr lesen!
Die Juso wirbt für die Annahme der Hanf-Initiative, und das ist gut so. Die Initiative will den Besitz und den Konsum von Cannabis legalisieren, ebenso den Anbau der Hanfpflanze für den Eigenbedarf. Weiter soll ein limitierter Handel zugelassen und die Produktion geregelt werden. Die sinnlose Verfolgung von Hanfkonsumenten kann damit beendet werden. Dem Jugendschutz soll mittels Werbeverbot und (per Gesetz zu bestimmenden) weiteren Massnahmen Rechnung getragen werden.
In einem Interview mit 20 Minuten präsentiert JUSO-Präsident Cédric Wermuth deren Kampagne und liefert dabei völlig unnötigerweise den Gegnern Munition, indem er aufzeigt, wie schlecht informiert er ist: Zu den Risiken eines regelmässigen Cannabis-Konsums sagt er:
Ein kausaler Zusammenhang etwa zwischen Schizophrenie und Hanfkonsum konnte noch keine Studie nachweisen.
Cédric, das ist nicht nur ungrammatisch, das ist Unsinn. Dass Personen, die unter Schizophrenie leiden, überdurchschnittlich häufig starke Cannabiskonsumenten sind oder waren, ist schon seit Jahren bekannt. Weniger klar blieb lange, ob eine bestimmte Vorprägung sowohl die Schizophrenieanfälligkeit wie auch die Neigung zu starkem Cannabiskonsum erhöht oder ob die psychoaktiven Wirkstoffe der Hanfpflanze als ein eigentlicher Auslöser der Krankheit in Frage kommen.
Es ist intensiv geforscht worden in diesem Bereich – und da Cannabiskonsum in vielen Ländern weit verbreitet ist, gibt es zahlreiche Studien, die auf grossen Datenmengen basieren. Die Befunde lassen keine andere Interpretation mehr zu, als dass starker Cannabiskonsum das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, signifikant erhöht. Dies gilt insbesondere für Jugendliche (für junge Männer stärker als für junge Frauen) und für Personen, bei denen familiär eine Psychoseanfälligkeit vorhanden ist.
Die Initiative will die Hüterrolle des Staates zurückbinden und es jedem einzelnen und jeder einzelnen überlassen, ob und wie viel er oder sie konsumieren mag. Dieser Aufruf zu mehr Selbstverantwortung wird politisch erfreulich breit getragen. Selbstverantwortlich handeln kann aber nur, wer informiert ist. Medizinschen Unsinn zu erzählen, weil es der eigenen Kampagne dienlich scheint, ist unverantwortlich. Zum einen, weil die Aufklärung über die Risiken ein wichtiges Anliegen der Initiative ist, aber auch, weil solche Verharmlosungen die Initiative viel eher gefährden als ein redlicher Umgang mit Fakten.
Ein paar Links zum Thema (alles englischsprachige Quellen, sorry):
http://www.schizophrenia.com/prevention/streetdrugs.html
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16319402?dopt=Abstract
http://www.abc.net.au/rn/allinthemind/stories/2006/1605866.htm
http://lib.bioinfo.pl/pmid:18519827
http://lib.bioinfo.pl/pmid:18473254


















[...] (s. a. Blogeintrag und Diskussion zu Marihuana und Riskiogruppen) [...]