1. August 2008 11:18

Einbunkern und auf den Atomkrieg warten – wenn Lobbyisten den 1. August feiern

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«Käme es wirklich zu einem Atomkrieg, dann wären die Überlebenden die US-Administration, ausgewählte Israeli, einige Insektenarten und die gesamte Schweizer Bevölkerung. Zeit für eine Würdigung eines echten Nationalheiligtums.»

So klingt es, wenn sich die «Arbeitsgemeinschaft Schutz + Sicherheit» zum schweizerischen Nationalfeiertag zu Wort meldet (PDF), ein Verbund von sechs «Zivilschutztechnik»-Anbietern, welcher sich vom PR-Büro Stoehlker beraten lässt. Die Firmenvertreter haben Angst, grosse Angst. Nicht vor einem Atomkrieg, Terrorismus oder einer AKW-Havarie, nein, gegen all dies sind sie ja dank ihrer Bunker geschützt, wie sie in ihrem Communiqué betonen. Angst haben davor, dass die Schutzraumpflicht fällt und so ihr staatlich garantierter Absatzmarkt zusammenbricht. Und das Szenario ist nicht unrealistisch: Vor zwei Jahren hatte der Nationalrat eine entsprechende parlamentarische Initiative gestützt, im Ständerat kommt die Vorlage in absehbarer Zeit auf die Traktandenliste.

Die Arbeitsgemeinschaft preist deshalb den persönlichen Schutzraum wohl überlegt auch für den zivilen Gebrauch an:

«In Friedenszeiten ist er vielfältig nutzbar als Lagerraum für selbstgemachte Konfitüre, brandsicheres Archiv, Musikraum für pubertierende Rockstars und Weinkeller für wertvolle Flaschen.»

Natürlich wollen auch Konfitüren und Weinflaschen durch Panzertüren und ABC-Filter geschützt sein. Doch die vielleicht wichtigste Anwendung lassen die Lobbyisten in ihrer Mitteilung unerwähnt: In den Bunkern herrscht das richtige Mikroklima, um das helvetische Reduit-Denken am Leben zu erhalten. An der freien Luft hingegen verflüchtigt es sich unkontrolliert.

Lieber Frédéric Venetz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft, das Bunkerklima behagt Ihen sichtlich. Dennoch, und auch wenn’s heute regnet: Trauen Sie sich mal nach draussen. Sie werden angenehm überrascht sein. Allerseits einen frohen 1. August.

(Via Stoehlker-Mitarbeiter welti.ch)

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