17. Oktober 2008 21:26

Feindbilderökonomie: Es gibt nur noch pädophile Terroristen

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Die Welt scheint momentan ungewöhnlich verworren und nur noch schwer zu verstehen. Dass erst die Teilverstaatlichung der Bankenwelt den Kapitalismus so richtig zum Erblühen bringt, steht jedenfalls noch nicht in den Lehrbüchern.

Umso trostvoller, dass anderweitig Komplexität reduziert wird. Die staatlichen Allüberwacher brauchen fortan nur noch ein einziges Feindbild zu bemühen: Pädophile Terroristen. Die «Times» berichtet, dass islamische Terroristen ihre Angriffspläne am liebsten auf Pädophilen-Websites verstecken. Mittels Steganografie – dem Anreichern von Bilddaten mit fürs Auge unsichtbaren aber mittels Software auslesbaren Botschaften – werden geheime Informationen auf Kinderporno-Sites untergebracht. So jedenfalls die Annahme der Kriminologen, nachdem bei mehreren Personen, gegen die Razzien wegen Teilnahme an terroristischen Gruppierungen liefen, Tausende oder gar Zehntausende solcher Bilder gefunden wurden.

Der Bericht zeigt durch tiefgründige Analyse, dass sich die Täterprofile von Terroristen und Pädophilen frappant ähneln:

Another area investigators will want to explore is the similarity between the personalities of paedophiles and terrorists. “If they are going out, a lot of time is spent by going to the mosque or going off to internet cafés,” the source said.

Die entdeckte Verbindung wird von der Politik mit Interesse wahrgenommen. Beide Parteivertreter, welche die Times zitiert, Labour-Vertreter Andrew Dismore und die Tory-Frau Pauline Neville-Jones, sprechen den Erkenntnissen von Scotland Yard grosse Bedeutung zu. Schliesslich sind sie beide verlässliche Terroristen-Jäger. Dismore stimmte brav für den Irak-Krieg und die Labourschen Überwachungsgesetze, die in Grossbritannien unter dem Namen «anti-terrorism laws» eingeführt wurden – aber selbstredend gegen eine parlamentarische Untersuchung des Irakkrieges. Und Neville-Jones war Verwaltungsrätin beim staatseigenen Rüstungskonzern, QinetiQ, der am Irakkrieg verdiente.

Und die politischen Schlussfolgerungen? Nun, fürs Erste steht im Bericht nur dies:

Experts say that the advancement in encryption technology is outpacing the authorities’ abilities to monitor suspected terrorists and paedophiles.

Die Lösung dürfte die sein, die Grossbritannien seit geraumer Zeit mit Verve verfolgt: Wenn Überwachung nicht reicht, braucht’s mehr Überwachung. Aber das steht wohl erst morgen in der Zeitung. Schliesslich wollen derlei Botschaften mit Bedacht vermittelt werden. Dank der neuen Feindbildökonomie dürfte es etwas einfacher geworden sein.

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