8. Dezember 2008 11:54

Maurer wird stolpern – und Blocher auf die Schnauze fallen

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Die Gratiszeitung «News» aus dem Hause tamedia verkündet heute, Ueli Maurer sei zu 70% gewählt. Sie geht davon aus, dass Maurer «rund 110 von 116 Stimmen» der SVP- und FDP-Fraktionen erhält. Kommen noch «ein Viertel bis ein Drittel» der CVP-Stimmen dazu, ist Maurer laut der redaktionellen Zahlenspielerei gewählt. Das Hauptblatt der TA-Gruppe übernimmt die Aussagen brav und bastelt daraus einen eigenen Artikel.

Die Rechnerei hat allerdings einen wesentlichen Schönheitsfehler: Sie basiert auf falschen Zahlen. SVP und FDP haben zusammen nur 112 Sitze in der Vereinigten Bundesversammlung. Bei der FDP ist so gut wie sicher, dass mindestens ein halbes Dutzend Fraktionsmitglieder Maurer die Stimme verweigern wird, auch wenn Fraktionspräsidentin Gabi Huber eine «völlig unbedeutende, einstellige Zahl» an Enthaltungen vermeldet hatte, als sie von der Anhörung Ueli Maurers und der anschliessenden Parolenfassung berichtete. Was sie dabei verschwieg: Maurer-Kritiker wie Kurt Fluri und Christa Markwalder fehlten offenbar bei der Abstimmung. Die BDP dürfte Maurer kaum wählen, sein Eindreschen auf Eveline Widmer-Schlumpf ist mit Sicherheit noch nicht vergessen. Bleibt also die CVP. Diese hat selbstredend weiterhin einen katholisch-konservativen Flügel, der 2003 schon die Abwahl von Ruth Metzler ermöglicht hatte. Doch das Gros der Fraktion wird auf einen anderen Namen setzen wollen. Maurer fehlen also entscheidende Stimmen zum absoluten Mehr.

Maurer fehlt eine Stimme

Maurer fehlen einige entscheidende Stimmen zum absoluten Mehr

Die SVP hat aber noch ein ganz anderes Problem: Blocher ist offiziell immer noch ihre Nummer eins auf dem Ticket. Wählen ihn allzu viele aus der eigenen Fraktion, macht Maurer im ersten Wahlgang dermassen wenig Stimmen, dass die Vertreter einer inhaltlichen Konkordanz erst recht für den zweiten Wahlgang einen anderen SVP-Kandidaten ins Spiel bringen können. Setzen aber möglichst viele SVP-Fraktionsmitglieder gleich zu Beginn auf Maurer1, macht Blocher möglicherweise noch weniger Stimmen als der Grüne Luc Recordon, der vor allem auf Westschweizer Stimmen aus anderen Parteien hoffen kann.

Für Blocher wäre dies eine bittere aber verdiente Niederlage. Die Partei kann ihm dies eigentlich nur ersparen, wenn sie ihn noch vorzeitig aus dem Rennen nimmt. Doch selbst das könnte ihr zum Verhängnis werden, behauptet sie doch nach wie vor, Blocher sei ihr bester Mann. Und es erhöht das Risiko, dass das Parlament sich dann erst recht befugt fühlt, selbst ein SVP-Zweierticket zu basteln.

1 Diejenigen Mitglieder der SVP-Fraktion, die heimlich selbst gewählt werden möchten, werden natürlich Blocher ihre Stimme geben. Das bringt sie nicht in Bedrängnis, kratzt aber am Image von Maurer.

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