Zürich endlich grossräumiger denken!
Der Zürcher Stadtrat nimmt einen neuen Anlauf, einen Standort für das künftige Kongresshaus zu finden – und stolpert gleich zu Beginn: Der Kanton mag das universitätsnahe Grundstück, auf das die Stadtexekutive ihr Auge geworfen hat, nicht hergeben. Ein weiterer evaluierter Standort, das Kasernenareal, ist vor allem dadurch bekannt, dass er schon für alles mögliche vorgesehen war, bisher aber noch jede Neunutzung an der mangelnden Entscheidungsfreude des Kantons und den Herausforderungen des Denkmalschutzes scheiterte.
Dass die Standortsuche dermassen Schwierigkeiten bereitet, hat auch mit der irrigen Idee zu tun, alle Sehenswürdigkeiten Zürichs müssten zueinander in Gehdistanz liegen. Die Chance, mit einem städtebaulich relevanten Neubau ausserhalb des engen Gürtels zwischen Hauptbahnhof und Bellevue neue Akzente zu setzen, wurde bereits mit der Kunsthauserweiterung verpasst. Es wurde als einzige Variante eine Ausdehnung am Heimplatz geprüft. Die aufstrebenden Stadtquartiere sollen offenbar weiterhin nicht zum Kulturraum Zürich gehören.
Vor wenigen Tagen begründete Noch-Stapi Elmar Ledergerber diesen Entscheid bei einem Gastauftritt der Grünen damit, dass solche Projekte in den «urbanen Raum» gehörten – Neu-Oerlikon gehört in seiner Wahrnehmung offenbar nicht dazu. Auch die Kunsthausleitung kann sich kaum vorstellen, dass ihre Klientel, die vornehmlich aus dem Raum Zürichberg bis Seefeld zu stammen scheint, für Kunstausstellungen ins ach so abgelegene Neu-Oerlikon pilgern würde – so jedenfalls wurde im vergangenen Juni an einer Informationsveranstaltung der Stadt und des Kunsthauses meine Publikumsfrage zur Standortwahl beantwortet.
Und nun wiederholt sich dasselbe Spiel beim Kongresszentrum. Die Quartiere Wollishofen und Tiefenbrunnen, beide mit S-Bahn-Anschluss und kurzen und direkten Tramverbindungen in die Innenstadt, wurden bei der Standortevaluation ernsthaft als «zu abgelegen» bezeichnet. Vielleicht schauen sich die wunderprächtigen Stadtentwickler mal in den Städten um, mit denen sie Zürich doch so gerne vergleichen. Wer der Meinung ist, Zürich müsse in zig Disziplinen mit London, Barcelona oder Berlin mithalten können, soll bitte nicht Städteplanung wie in Lugano, Baden oder Biel betreiben.
Siehe dazu auch meinen Beitrag im P.S. vom September 2008


















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