Darwin-Ausstellung im Naturhistorischen Museum Bern – verpasste Chance
Pünktlich zu Darwins Geburtstag am 12. Februar wurde sie eröffnet, die Ausstellung «Es war einmal ein Fink». Was mit einem witzigen Plakat als Sonderausstellung angekündigt wird, entpuppt sich vor Ort im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern als kleine Schaukastensammlung im zweiten Stock.
In einer ersten Vitrine wird das Prinzip der Mutation anhand einer Genmanipulation an der Fruchtfliege, dem erstmaligen Auftreten von blauen Augen beim Menschen vor rund 6000 Jahren und ungewöhnlichen Fellfarben aufgrund von hohen oder tiefen Melaninanteilen erläutert. Der nächste Kasten ist dem Thema Variation gewidmet und zeigt, wie beim Mäusebussard und der Hummel-Ragwurz-Orchidee innerhalb derselben Art gewisse Merkmale sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Daneben wird auf das Prinzip der Selektion eingegangen und am Beispiel des Hornkäfers gezeigt, wie sexuelle Selektion der Anpassungsfähigkeit an die Umwelt entgegenwirken kann und wie der Mensch beim Hund durch Zucht auf dessen Evolution Einfluss nahm. Die drei Kästen sind zwar logisch angeordnet und sollen aufzeigen, wie Mutationen zu Variationen in einer Bevölkerung führen und diese wiederum eine Grundlage der Selektion sind. Doch die Besucher werden nicht wirklich geführt, es wird kaum versucht, eine schlüssige Geschichte zu erzählen. So bleibt beispielsweise unerwähnt, dass es immer einen umweltbedingten Selektionsdruck braucht, der unter anderem dadurch entsteht, dass Tiere wie Pflanzen mehr Nachkommen erzeugen, als die Umwelt aufnehmen kann.
Nach den drei Vitrinen – sie werden auf der anderen Seite des Korridors begleitet von kleinen Schaukästen mit kaum kommentierten ausgestopften Finken und anderen Vogelarten – erwartet den Zuschauer ein Kurzfilm, der das Entstehen einer neuen Art illustrieren soll. Ein Erzähler in einer Werkstatt – der Sinn der gewählten Kulisse erschloss sich mir nicht – berichtet von zwei Migrationsbewegungen von Buchfinken vom europäischen Festland auf die Kanarischen Inseln. Er erläutert, dass aufgrund des grossen Zeitabstandes zwischen den beiden Ansiedlungen und der leicht unterschiedlichen Entwicklungen, welche die beiden Populationen durchgemacht hatten, sich zwei Arten gebildet hatten, die sich trotz des erneut gemeinsamen Lebensraums nicht mehr untereinander kreuzten. Es scheint, also ob sich die Macher nicht recht entscheiden konnten, ob der Film lehrhaft oder witzig sein sollte. Eins aber ist sicher: Die meisten Zuschauer liefen nach wenigen Sekunden desinteressiert weiter – trotz (oder wegen?) der die ganze Ausstellung durchdringenden Lautstärke.
Nach der Leinwand geht’s bereits wieder Richtung Ausgang. Auf der Rückseite der Vitrinenwand erwarten den Zuschauer weitere Schaukästen, eine mit einer Ammonitensammlung und einer Zeittafel, an der mehrere Besucher rätselten, wie sie denn zu lesen war. Im benachbarten Kasten geht’s um die Menschwerdung. Und spätestens hier wird’s leider richtiggehend ärgerlich. Nach dem Prinzip der Kladistik sind ausgestorbene und heutige Primatenlinien aufgeführt, ganz rechts symbolisieren die Schädel des Menschen und der grossen Menschenaffen die aktuellen Gattungen. Die sind allerdings nur auf lateinisch beschriftet, wer also nicht weiss, dass Pan Schimpansen und Pongo Orangutans sind, kommt mit der Darstellung wohl kaum klar. Das sind völlig unnötige Hürden bei einer Ausstellung, die sich nicht an ein Fachpublikum richtet.

Die Entwicklung der Primatenarten (Ausschnitt): Kaum Erläuterungen und ausschliesslich lateinische Beschriftungen (Handyfoto)
Vielleicht muss, wer eine Ausstellung sehen will, die Darwin gerecht wird, nach London gehen. Ali Arbia jedenfalls empfiehlt in seinem Blogbeitrag die Ausstellung «Darwin: Big idea, big exhibition» des dortigen Naturhistorischen Museums.


















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