Unpopulär aber nötig – ein «Nein» zur Komplementärmedizin-Vorlage
Die Anliegen der Initianten der Komplementärmedizin-Vorlage klingen nachvollziehbar: Sanfte Heilmethoden sollen durch die Aufnahme in den kassenpflichtigen Leistungskatalog aufgewertet werden, die Wahlfreiheit bezüglich Behandlungsmethoden soll für Patienten erhöht werden und die Erforschung der Komplementärmedizin soll intensiviert werden.
Gemäss Umfragen befürwortet eine Mehrheit der Bevölkerung die Wiederaufnahme der Komplementärmedizin in die obligatorische Krankengrundversicherung. Und das dürfte mit ein Grund sein, wieso kaum einer genauer hinschaut, man will es sich von links bis rechts nicht mit dem Volk verderben.
Es gibt aber gute Gründe, eben doch genauer hinzusehen. In einer kleinen Serie werden auf diesem Blog deshalb die Initiative, das Umfeld der Initianten, die einzelnen Angebote, mögliche Kostenfolgen und dergleichen ausgeleuchtet.
Beginnen wir mit einem Blick auf die Anbieter: Die Initianten betonen, dass sie daran interessiert sind, dass nur seriöse Leistungserbringer in den Genuss von Krankenkassenvergütungen kommen. Doch unabhängig davon, wie man die fünf Leistungsarten bewertet, die von 1999 bis 2006 in die Grundversicherung Aufnahme gefunden hatten: Das Umfeld der Initianten lässt nicht darauf schliessen, dass sie an einer Flurbereinigung arbeiten. Eine kleine Stichprobe zeigt dies deutlich: Ausgehend vom Anbieterverzeichnis von complemedis, einem Anbieter chinesischer Heilmittel, der hohe Qualitätsansprüche geltend macht, wurde nach grösseren Ausbildern und Praxen im Kanton Zürich mit Online-Informationen gesucht. Hier zwei Kostproben, die nicht als konkrete Einzelfälle interessieren sondern als Stellvertreter dienen sollen:
Creatingspace ist nach eigener Darstellung eine anerkannte Schule für traditionelle chinesische Medizin (TCM). Zum hauseigenen Angebot gehören aber auch Astrologie und Numerologie – Quacksalbereien, die natürlich auch künftig kaum Chancen haben, in den Genuss von Krankenkassenvergütungen zu kommen. Aber es zeigt, dass angeboten wird, wonach der Markt schreit, nicht, was als Teil des Gesundheitswesens angesehen kann.

Website creatingspace.ch (Ausschnitt): TCM, Astrologie, Numerologie – alles da
Die Praxis Seegarten präsentiert sich nüchterner, viele Angebote sind eher technologisch – einige würden sagen, «schulmedizinisch» – ausgerichtet. Nur haben auch sie grossmehrheitlich nichts mit der Leistungspalette zu tun, die durch die Grundversicherung abgedeckt sein soll. Allerlei Anti-Aging und Wellness-Behandlungen werden feilgeboten, darunter auch die Chelat-Therapie, die klar als gefährliche Quacksalberei gebrandmarkt wurde. Auch hier wird das Angebot mit TCM abgerundet.

Website praxis-seegarten.ch (Ausschnitt): Anti-Aging, TCM und Quacksalberei bunt gemischt
Vordergründig könnten die beiden Anbieter nicht unterschiedlicher ausgerichtet sein: Ersterer richtet sich an ein eher esoterik-, zweiterer eher an ein technikgläubiges Publikum: Dreierlei eint sie aber: Ihr Angebot hat nur zu einem kleinen Teil mit medizinischer Grundversorgung zu tun, zu den angebotenen Leistungen gehören explizit auch nutzlose oder gefährliche «Therapien» und – last but not least – sie werden ausdrücklich von einem der grössten Mitspieler im Komplementärmedizinmarkt empfohlen.
Auch zehn Jahre nach der provisorischen Aufnahme einiger komplementärmedizinischer Disziplinen in den Leistungskatalog gilt in der Branche offenbar anything goes. Das zeigt, dass weder sie noch die Initianten ihre Hausaufgabe gemacht haben.
Damit sei die Diskussion lanciert. Im Wochenrhythmus geht’s weiter. Nächsten Donnerstag geht’s weiter mit der Vorstellung der ersten Behandlungsform, die nach Vorstellung der Initianten wieder in den Leistungskatalog aufgenommen werden soll, der Neuraltherapie. Nachtrag: Dafür fehlte mir leider die Zeit. Folgeartikel erschienen leider weitaus spärlicher.


















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