Zum 20. Todestag von Konrad Lorenz: Untersuchungsmaterial für Ethologen
Heute vor 20 Jahren verstarb Konrad Lorenz, einer der Gründerväter der vergleichenden Verhaltensforschung. Zusammen mit Nikolaas Tinbergen entwickelte er in den 1930er Jahren dieInstinkttheorie, die auf der Annahme basierte, das Verhalten von Tieren werde durch klar gegeneinander abgrenzbare Instinkte verursacht und gelenkt. Tinbergen entwickelte mit den Vier Grundfragen der Biologischen Forschung ein methodisches Gerüst, um Verhalten zu deuten: 1. Wie wird ein Verhalten beispielsweise chemisch oder physiologisch realisiert? 2. Wie verändert sich dieses Verhalten im Laufe des Lebens des Individuums? 3. Wie lässt sich das Verhalten mit demjenigen verwandter Arten vergleichen? 4. Wie wirkt sich das Verhalten auf die Überlebens- und Reproduktionschance aus?
Der Ansatz von Lorenz und Tinbergen setzte auf der von Darwin geprägten Evolutionslehre auf, stellte aber das Verhalten, nicht körperliche Merkmale in den Vordergrund. Für kooperatives Verhalten postulierte Lorenz einen inneren Drang zur Arterhaltung. Seine Annahme war, Individuen würden andere Individuen, die enger mit ihnen verwandt sind, häufiger verschonen als solche, die es weitläufiger sind. Hiernach müssten Löwen mit anderen Löwen bevorzugt kooperieren, dem nachranging aber mit anderen Katzen und schließlich mit andere Carnivoren (Beispiel aus dem Wikipedia-Eintrag).
Weder Lorenz als Person noch sein Beitrag zur Forschung haben den Zahn der Zeit unbeschadet überstanden. Seine nationalsozialistische Einstellung – er hatte in den 1940er Jahren von der «Verhausschweinung des Menschen» durch den Wegfall natürlicher Selektionsmechanismen gesprochen – holte ihn ein, nur schon deshalb, weil er auch noch in den 1970er Jahren zu ähnlichem Vokabular gegriffen hatte, um zivilisatorische Zerfallserscheinungen zu beklagen. Seine Schülerin Hanna-Maria Zippelius zeigte später auf, dass die Instinkttheorie methodische Schwächen aufwies und sich Verhaltensstudien von Lorenz und Tinbergen nicht reproduzieren liessen, möglicherweise gar, weil die beiden Autoren Daten selektiv veröffentlicht oder zurückbehalten hatten.
Die Idee der Arterhaltung schliesslich wurde in erster Linie durch Dawkins’ Theorie des selfish gene widerlegt. Scheinbar selbstloses Verhalten wird vielmehr alsreziproker Altruismus gedeutet, also einem allenfalls zeitverschobenen Geben und Nehmen. Trotz dieser Kontroversen verdient der Begründer der «Tierpsychologe», wie Lorenz die Disziplin selbst genannt hatte, im Darwin-Jahr eine Erwähnung.
Und auch den heutigen Ethologen bleiben noch offene Fragen, beispielsweise wie die in beiden Filmen dargestellten Verhaltensmuster gemäss den vier Tinbergen-Fragestellungen zu deuten sind…

Alles Instinkt oder was?
Artübergreifender Altruismus?



















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