13. Mai 2009 13:22

Vier Irrtümer der Skeptiker, die dennoch «Ja» zur Komplementärmedizin sagen wollen

753 mal angeschaut Bisher kein Kommentar Beitrag drucken Beitrag drucken als Mail verschicken als Mail verschicken

Sie sind gar nicht so selten, die Skeptiker, die davon ausgehen, dass mit einem «Ja» zur Komplementärmedizin Heilmethoden und -mittelchen abgesegnet werden, deren Wirkung höchst zweifelhaft ist. Nicht wenige neigen aus verschiedenen Gründen dennoch zu einem «Ja». Eine Entgegnung auf die vier wohl am meisten genannten Schein-Gründe dafür:

1. Wenn jemandem die Placebo-Wirkung hilft, ist’s doch im Sinn des Patienten.

Jeder Hausarzt verwendet gelegentlich den Placebo-Effekt, da ein Teil der Patienten nicht von der Idee abzubringen ist, die Behandlung sei nur seriös, wenn sie wenigstens eine Pille mit auf den Weg kriegen.

Wenn aber ein Arzt nicht mehr zwischen seiner eigenen psychologischen Wirkung und derjenigen seiner abgegebenen Präparate unterscheiden kann, wird’s gefährlich. Primum non nocere – in erster Linie keinen Schaden anrichten – ist das oberste Gebot für jeden Arzt und jede Ärztin. Schäden können nicht nur durch Nebenwirkungen von Medikamenten entstehen sondern auch durch den Verzicht auf wirksame Interventionen.

2. Die Schulmedizin ist zu stark von der Pharma-Lobby kontrolliert. Da braucht’s ein Gegengewicht.

Bei der Abstimmung geht’s in keiner Form um die Schulmedizin oder um die Macht der Pharmakonzerne. Diese halten sich bewusst im Hintergrund bei der Abstimmung. Sie wissen, dass ihnen real kaum Umsätze entgehen, da Globuli und dergleichen eben vorwiegend komplementär eingesetzt werden. Und sie wollen vor allem eines nicht: Eine Debatte über den Leistungskatalog, den die Grundversicherung zu übernehmen hat. Denn auch im schulmedizinischen Bereich ist so manches eher dem Bereich «Wellness/Wellbeing» zuzuordnen als der Gewährleistung medizinischer Grundversorgung. Mit einem weiteren Ausbau wird aber ein Streichen fragwürdiger pharmazeutischer Mittel aus der Grundversicherung noch viel schwieriger.

3. Wenn jemand keine Schulmedizin will, ist’s doch ungerecht, dass er sie mit zahlen muss.

Bei der medizinischen Grundversorgung ist’s wie mit der Schulpflicht. Selbst wenn man für den einzelnen die freie Wahl zulässt, der Staat kann sich nicht aus seiner Verantwortung stehlen. Er muss sowohl Schülern, die von Privatschulen abgelehnt werden, wie auch kranken Personen, die sich vergeblich haben alternativ behandeln lassen, ein qualitativ gutes Angebot gewährleisten. Es geht für den Staat nicht an, zu sagen «Du hattest die Wahl, jetzt schau selbst, wie Du zu Deiner Bildung bzw. Gesundheit kommst.» Deshalb ist es richtig, dass die Finanzierung der medizinischen Grundversorgung von allen mitgetragen wird.

4. Aus dem Initiativtext lassen sich ohnehin keine konkreten Forderungen ableiten.

Eine Initiative muss (auch wenn sie als Gegenvorschlag getarnt daherkommt) immer in Zusammenhang mit den Forderungen der Initianten angesehen werden. Es ist sogar ein Gebot für die Rechtssprechung, den Verfassungsartikel unter Berücksichtigung der Stellungnahme des Initiativkomitees zu deuten.

Deshalb ist es sehr wohl von Belang, dass an oberster Stelle der «Kernforderungen» steht, dass die fünf Disziplinen, die Dreifuss im Rahmen eines Versuchsbetriebes temporär in die Grundversicherung aufgenommen hatte, alle wieder dort hinein müssen.

Es geht also beispielsweise ganz konkret auch um eine Absolution für die Homöopathie und die Anthroposophie, die beide als «Guru-Disziplinen» von den Weissagungen ihrer Gründer leben und deshalb aus Sicht ihrer Anhänger nicht mittels wissenschaftlicher Methodik überprüft und modernisiert werden dürfen.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 Bewertungen, durchschnittlich: 5,00 von 5)
Loading ... Loading ...


Misch dich mit einem Kommentar in die Diskussion ein!

Schreibe einen Kommentar oder schicke einen Trackback von deiner Seite. Du kannst auch die Kommentare per RSS verfolgen.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

Du kannst diese Codeschnipsel
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong> - und dann noch die üblichen Wordpress-Schnipsel zur Formatierung deines Kommentars verwenden.

Wenn du dich bei Gravatar registriert hast, wird neben deinem Kommentar ein kleines Bild von dir erscheinen.