Richtig, Guy Morin, Kirchenglocken oder Muezzin – das ist doch dasselbe: eine anachronistische Machtdemonstration
«Kirchenglocken oder der Muezzin – das ist doch dasselbe, einfach in einer jeweils andern Kultur.» – Dies erklärt der Grüne Baselstädtische Regierungspräsident in einem Interview auf onlinereports.ch. Er hat damit durchaus Recht: Sowohl das beständige Kirchengeläut – in der Stadt Zürich beispielsweise schlagen unzählige Glocken Tag und Nacht im Viertelstundentakt – wie auch die islamischen Gebetsrufe sind vornehmlich anachronistische Machtdemonstrationen.
Heutzutage braucht kein Mensch Kirchenglocken als zeitliche Orientierungshilfe, schon gar nicht morgens um 3.15 Uhr. Wer glaubt, durch Gottesanbetungen ein besseres Leben zu führen, soll dies selbstredend tun können. Die Restbevölkerung muss aber nicht Gebet um Gebet darüber informiert werden, dass die Frommen gerade ihrer Pflicht nachgehen. Guy Morin sieht dies freilich anders:
Es ist doch etwas Wunderschönes, wenn ein Mensch zum Gebet aufruft, zur Hinwendung zu einer spirituellen Kraft. Da muss man einfach tolerant sein. Die Ausübung von Glauben und Religion ist doch eines der Grundbedürfnisse des Menschen und die Religionsfreiheit eine der grossen aufklärerischen Errungenschaften.
Nein, Guy Morin, die Ausübung von Religion ist kein Bedürfnis «des Menschen», sondern ausschliesslich eines von gläubigen Personen. Religionsfreiheit bedeutet auch, auf Religiosität verzichten zu können. Deshalb ist es angebracht, dass im öffentlichen Raum religiöse Bekundungen mit Zurückhaltung ausgeübt werden. Sowohl für Kirchengeläut wie auch für Muezzinrufe gilt: Es genügt, wenn diese im Rahmen einiger weniger hoher kirchlicher Feiertage stattfinden. Dann sind sie rituell eingebettet. Blosse Machtbekundigungen religiöser Organisationen hingegen haben im Rahmen der gewöhnlichen gesetzlichen Schranken stattzufinden. Dazu gehören eben auch Lärmschutzmassnahmen.
Der Aufklärung verdanken wir viele Errungenschaften, unter anderem auch das Primat der Politik. Weltliche Amtsträger sollen selbstredend gläubig sein dürfen und mitteilen können, wenn sie sich aus welchem Anlass auch immer in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlen (egal ob sie nun Morin, Sidler oder sonst wie heissen). Ihre Amtshandlungen haben sie aber am weltlichen Recht, nicht an ihren eigenen religiösen Gefühlen auszurichten.












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Schon lustig – ich hatte gerade vor ein paar Tagen vermutet, dass der nächste Freidenker-Schritt die Anti-Kirchturm-Initiative sein wird und schon stellst Du Dich als Wegbereiter zur Verfügung. Und das ist ernst gemeint?
Andreas, Du postuliert die sogenannte negative Religionsfreiheit – diese ist nur zu haben mit der positiven Religionsfreiheit, die eben heisst, auch in der Öffentlichkeit für seine Überzeugung einstehen zu können – dazu gehört eben beispielsweise, ein Minarett oder einen Kirchturm erstellen zu können, welche in der Oeffentlichkeit wahrgenommen werden.
Der Stundenschlag (oder vielleicht eher Viertelstundenschlag) hat nichts mit Religion zu tun, sondern ist eine jahrhundertealte Tradition aus der Zeit, als persönliche Uhren noch nicht verfügbar waren – das war so quasi der historische Ersatz der Armband- und Handy-Uhren. Dieser traditionelle (Viertel-)Stundenschlag ist deutlich zu unterscheiden von (christlichen) Geläuten wie Angelus- oder Betläuten, dem Geläute vor Gottesdiensten und bei nicht nur kirchlichen Feiertagen – dieses Geläute ist beispielsweise in der Stadt Zürich in einer vom Stadtrat beschlossenen Läuteordnung festgehalten. Diese Läuteordnung beginnt mit den Worten: Die Verwendung von Kirchenglocken zum öffentlichen Geläute hat im Rahmen der für städtische Verhältnisse gebotenen Einschränkung und gegenseitiger Rücksichtnahme zu erfolgen. Wohlan, wenn Du an den Traditionen rütteln willst
Du kennst ja die Instrumente dazu bestens…
Religionen sind wie lästige Insekten, die um einen schwirren und dich nicht in Ruhe leben lassen. Türme bauen geht ja noch, da kann ich wegschauen, aber dieses Dauergebimmel oder in anderen Ländern 5-mal rumschreien, nervt einfach nur und zeugt vom infantilen Machtgebahren sinnloser Institutionen.
@Michael / Toni
Kein Sorge, die Kirchtürme jucken mich kein Bisschen, einige finde ich sogar ausgesprochen adrett. Weniger adrett finde ich allerdings deren Läuten rund um die Uhr. Dass dieses Tradition hat, bestreite ich nicht, den Sinn der Aufrechterhaltung aber sehr wohl.
Und wie gesagt, das kultische Läuten für aus kirchlicher Sicht wichtige Anlässe (nicht jede öde Sonntagspredigt sondern im Rahmen der hohen kirchlichen Feiertage) möchte ich nicht abwürgen. Und von mir aus darf man gerne auch das neue Jahr und den 1. August damit einläuten. auch wenn ich wohl beide Daten auch anderweitig mitkriegen würde.
Bei den Minaretten seh ich’s ähnlich: Es ist mir schnurzegal, ob sie eine Moschee zieren oder nicht. Darüber sollen die Muslime und die Baubewilligungsbehörden entscheiden. Das Baurecht ist der wohl langweiligste Ort, um die Grenze zwischen Staat und Kirchen neu zu ordnen. Von mir aus kann auch das Ende des Ramadan von einem Muezzin verkündet werden. Von täglichen Belästigungen möchte ich aber gerne verschont bleiben.
Lieber Kyriacou, bestimmt wirst du auch noch dem Provokationskiffer und Bottelon-Theoretiker Cedric Wermuth beipflichten und Kirche und Staat genzlich trennen wollen. Bevor ihr Jungtürken die ganze Gesellschaftsordnung in die Luft fliegen lässt rate ich eine Schrift jenes Mannes zu studieren, der nicht ganz zufällig auf der 1000er Note abgebildet ist: Jacob Burckhardts “weltgeschichtliche Betrachtungen” heute neu unter dem Titel “Ueber das Studium der Geschichte”. Eine Vorlesung gehalten in den 1860er Jahren. Erschienen 1905 aus dem Nachlass, von Nietzsche hoch geschätzt und von manchem Deutschen unter Tränen gelesen als Trostbuch im Schützengraben 1914 – 18 und in den Bombennächten der 1940er Jahren.
Bloggen ist gratis, aber wer “Freidenker” sich nennt sollt doch auch wenigstens denken. Oder verstehst du “Freidenken” als “Befreiung vom Denken”, na dann: viel Spass mit dem “Primat der Politik” das hat noch immer in die “Politik der Primaten” geführt: Stalin, Hitler, Mao und Robespierre lassen grüssen.
@Giorgio Girardet:
Klar bin ich für die Trennung von Staat und Kirche – das funktioniert in Genf und Neuenburg wunderbar. Ausserdem: Gratuliere übrigens zum Godwin-Award. Die Nazi-Keule hat auf diesem Blog meiner Erinnerung nach bis Anhin noch keiner geschwungen…
Es ist einfach idiotisch, wie man das Kirchengeläut mit Minaretten vergleichen kann. Das Kirchengeläut ist dann schon ziemlich die maximale Machtentfaltung unserer Kirche. Anders bei den Minaretten der Muslime. Nach dem Minarett kommt dann eben schon gleich der Muezzin. Danach die Frau in Burka, islamische ” Anschlussbauten “, islamisches Lebensgefühl und am Schluss noch die Scharia. Das hat dann auch nicht mehr viel mit Religion zu tun, sondern vielmehr auch mit Ideologie, religiöser Gerichtsbarkeit, islamischer Sitte und Unterdrückung der Frauen. Solche Dinge haben aber nichts zu suchen in der Schweiz!!
Es geht also nicht primär um das Minarett alleine, sondern um den islamischen Dominoeffekt der damit einhergeht. Es ist eben schon so, dass du gleich an der ganzen Hand gepackt wirst, obwohl du nur den Finger streckst. Das sieht man ja leider beim Minarett im badischen Rheinfelden und dessen Muezzinrufe. Währet also den Anfängen!!
Ein in der Tat unsinniger Vergleich: Stalin, Hitler und Mao haben alle ihre eigenen extrimistischen Ideologien begründet. Deren Gedankengut liegt faktisch sehr viel näher an dem von religiösen Fundamentalisten.
Warum werden meine Beiträge nicht aufgeschaltet Herr Kyriacou ??
Danke Herr Kyriacou, ich dachte schon Herr Morin wäre ihr Vorgesetzter
@odin. Nein, das war der Spamfilter von WordPress. Der hat gearbeitet, währenddem ich weitgehend offline war.
Im Kanton Zürich führt die Machtentfaltung der christlichen Kirche und ihrer weltlichen Adlaten im Moment gerade dazu, dass ein Schulfach eingerichtet werden soll, welches die Verfassung verletzt.
Sorry, das ist eine ziemlich wirre Argumentation. Fundamentalismus bekämpft man nicht mit dem Baurecht. Das Verbot von Minaretten verhindert nicht, dass Frauen unterdrückt werden. Die Initiative ist überflüssig wie ein Kropf.
Wie bitte?? Leiden Sie an Wahrnehmungsstörungen?? In Badisch Rheinfelden haben die Einwohner auch schon die Rufe des Muezzin, obwohl die Moscheenbetreiber etwas anderes versprochen haben, bzw. Verordnungen verletzt werden.
Natürlich bekämpft man den Fundamentalismus nicht alleine mit einem Minarettverbot. Aber es wäre ein erster wichtiger Schritt von vielen in die richtige Richtung.
Schauen Sie doch was in Berlin Kreuzberg so abging in den letzten 30 Jahren. Achten Sie auf den islamischen Dominoeffekt und auf das was an die ersten Moscheen und Minarette dann nachfolgte….Das ist dann etwa genau die Reihenfolge die ich oben schilderte. Mit Integration hat das schon längst nichts mehr zu tun. Eher mit Expansion und islamischer Machtentfaltung.
Was für ein Schulfach wird in Zürich den eingeführt? Im Kanton Zürich haben wir dann immer noch keine christliche Kirche die in die Rolle der Judikative geht. Ebenso wäre es nicht diese Kirche und dessen Schulfach die auf fremden Boden zur Besitznahme schweifen. Kopftuchzwang und Genitalverstümelungen würde es mit diesem Fach auch nicht geben.
Vielleicht wird ja ein Ethik- oder Staatskundeunterricht eingeführt. Ganz ohne christliche Religion wird es nicht gehen, da ein guter Teil unserer Kultur und Werte auf einer christlichen Umgebung begründen. Zudem ist das Christentum als Landeskirche anerkannt, was man vom Islam (noch) nicht sagen an. In einem entsprechenden Schulfach wird ja auch nicht die christliche Religion ausgeübt, sondern deren Hintergründe beleuchtet und vor allem deren christliche Ethik auf dessen Werte wir beruhen. Und diese Werte und Tugenden haben uns und anderen nicht geschadet.
Hier wird über christliche Ethik geschrieben, aber gerade die die immer wieder das Christliche, Ethik und Tugend reklamieren vergessen diese Werte. Was hat das Christliche für Unheil angerichtet.
Darum finde ich das man Kirche und Staat strikte trennen soll.
Lieber Hotz, im Moment ist es aber nicht so das die Christenheit die Welt bedroht. Es waren auch keine Christen die in News York Hochhäuser zerstörten, oder auf Bali eine vollbesetzte Disco in die Luft jagten.
Im Gegensatz zum monolithischen Islam hat sich das Christentum in den letzten 200-300 Jahren viel mehr reformiert und erneuert. Der Islam hat sich aber seit dem Mittelalter kaum verändert. Die Trennung zwischen Staat und Religion funktioniert bei den Christen auch viel besser als in den islamischen Ländern.
Das mit NY müsste man noch genauer ablkären.
Dachte ich mir… Jetzt kommt sicher wieder der Müll mit dieser jüdisch-amerikanischen Verschwörungstheorie. Aber Beweise für diesen geistigen Dünnschiss wird es auch diesmal nicht geben.