Die Welt verstehen – heute mit Dieter Aebi, Kreationist mit einer Mission

Alles Paragrafen oder was? Auszug aus dem Umschlag des Buches «Prozessakte Evolution»
Gestern lud die freie evangelische Gemeinde Maur zu einem Filmabend mit anschliessendem Vortrag. Thema: «Hat die Bibel doch recht? –Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise». Das Filmchen kommt zuweilen dramaturgisch geschickt, dazwischen aber reichlich wirr daher und enthält ein Potpourri von Fehlinterpretationen, bewussten Verzerrungen und der obligaten Nazi-Keule. Wissenschaftlich haltbare Gegenargumente gegen die Evolutionstheorie hingegen fehlen. Doch vom Film soll nicht weiter die Rede sein. Wer drei Viertel Stunden Lebenszeit investieren will, kann die elf Jahr alte Produktion in fünf Teilen auf Youtube sehen.
Faszinierender war der Auftritt des Gastreferenten Dieter Aebi. Der Herr ist studierter Jurist und schrieb vor drei Jahren das Buch «Prozessakte Evolution», indem er der wissenschaftlichen Beweisführung den Prozess zu machen versucht. Einige Kostproben lieferte er in seiner Alleinunterhalterrolle. So präsentierte er beispielsweise auf einer Folie eine Sammlung von Schätzungen des Erdzeitalters, die von 4.6 Milliarden Jahren bis zu 4000-6000 Jahren reichten. Die erste Schätzung basiert auf radiometrischen Messungen, letztere Zahlen werden von Bibelexegeten geliefert, die alle Generationen seit Adam und Eva aufaddieren. Dazwischen, aber immer vergleichsweise nahe am unteren Ende der Skala liegen Schätzungen, die beispielsweise auf dem Salzgehalt der Meere basieren – u.a. hier nachzulesen. Der Jurist schaut sich also die Säulengrafik an und kommt zum Schluss, dass der statistische Ausreisser nach oben falsch sein muss, ohne die Plausibilität der einzelnen Schätzverfahren zu hinterfragen.
Im Buch, welches – wie der Autor erzählte – aus einem inneren Drang entstand, mit dem Widerspruch zwischen naturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen und seinem persönlichen «Wissen» von der wortgenauen Wahrhaftigkeit der Bibel umgehen zu können, liefert nebst solch stringenter Logik auch eine Reihe von Zitaten von Naturwissenschaftern, die zuweilen an ihren eigenen Erkenntnissen zweifelten oder das bruchstückhafte Datenmaterial bedauerten. Im Gegensatz zu den zitierten Charles Darwin und Ernst Mayr kommt Dieter Aebi ohne diese Zweifel aus. Aber die Mühsal des sich Hinterfragen müssen ja auch nur Wissenschafter auf sich nehmen…

Aufklärungsbuch von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke
Richtig in Fahrt kam Aebi allerdings in den Zwiegesprächen beim anschliessenden Apéro. Auf die Frage eines älteren Besuchers, wie ein Gott denn ein behindertes Kind rechtfertigen könne, meinte Aebi, der Mensch sei von Gott gefallen, im Grunde verdiene er es überhaupt nicht mehr zu leben. Anhand des behinderten Kindes zeige Gott, wie es eigentlich allen gehen müsste.
Es sei selbstredend jedem freigestellt, an ein derartiges zynisches Scheusal zu glauben. Eines fiel allerdings auch Dieter Aebi auf: Die evangelische Jugend, die recht zahlreich vor Ort war, blickte erst leicht verstohlen, dann immer freudvoller und ungehemmter ins Buch «Susi Neunmalklug erklärt die Evolution», das der Freidenker Andreas Koch mitgebracht hatte.
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hehe sehr schön!
hatte auch gerade eine diskussion mit einem kreationisten und der hat auch das selbe argument gebracht: “Schon alleine der Salzgehalt der Meere spricht gegen die Evolutionstheorie. Weiter hat man Bäume gefunden die durch Erdschichten von Millionenjahre wuchsen.” Habe aber auf dem Netz auf die schnelle keine Widerlegung gefunden. :s
einen tipp?
Bäume, die durch Jahrmillionen von Erdschichten wurzeln? Was ist denn daran spektakulär? Geht man davon aus, dass die Erdschichten stratifiziert sind, also geschichtet, würde ich das für das Normalste der Welt halten. Oder sollte man von Bergmännern dann auch sagen, dass die Jahrmillionen von Erdgeschichte im Schnelldurchlauf abspulen, um an die Kohleflöze ranzukommen?
Das mit dem SAlzgehalt ist so eine Geschichte. Würde nur Sinn ergeben, wenn man von einem statischen Prozess der Salzzufuhr ins Meer ausgeht. Das dürfte aber aufgrund von Meeresströmungen, Erdplattenbewegungen und Verdunstung etc. kaum der FAll sein.
Hier ein Diskussionsthread mit interessanten Gedanken dazu:
http://www.chemieonline.de/forum/archive/index.php/t-95546.html
http://nat-meer.ifm-geomar.de/OzeanOnline/mittmeer/mittmeer.htm
Als Ergänzung und zur Widerlegung des “Versalzungsmodells” der Kreationisten:
http://www.earth4567.com/talks/time/timeex1.pdf
Die Kreationisten berufen sich auf Berechnungen, die nicht mal auf ihrem Mist gewachsen sind, sondern vor über 100 Jahren von einem irischen Geologen aufgestellt wurden. Als ob sich die wissenschaftlichen Methoden und Modelle und das Verständnis des Salzkreislaufs seitdem nicht weiterentwickelt hätten…
Das ist halt nunmal die wissenschaftliche Unredlichkeit vieler Kreationisten.