Einheitskasse: Das angebliche «undemokratische Monster» wird mehrheitsfähig
Im Frühjahr 2007 schien alles noch so einfach: Eine einheitliche Krankenkasse würde Leistungsabbau und einen Prämienschub mit sich bringen, ja sie wäre ein eigentliches «undemokratisches Monster». So lautete die Argumentation der Gegner.



Die massive Propaganda – unter anderem von den Versicherten unfreiwillig über die Krankenkassenprämien bezahlt – verfehlte denn ihr Ziel auch nicht: Bloss 29% der Stimmberechtigten und zwei Kantone sagten am 17. März 2007 «ja» zur «Volksinitiative für eine soziale Einheitskrankenkasse». Die Initianten hatten im Vorfeld vergeblich argumentiert, dass der Scheinwettbewerb unter den Kassen, die in der obligatorischen Grundversicherung ja doch alle nur dieselben Leistungen anbieten konnten, sinnlos und teuer sei. Die Gegner frohlockten noch am Abstimmungssonntag, selbstredend hatte die Vernunft gesiegt, der Weg sein nun frei für eine «bürgerliche Gesundheitspolitik».
Diese sieht – so der «Sonntag» – zwei Prämienanstiegsrunden später offenbar geradezu sozialistisch aus. So bekennt beispielsweise die freisinnige Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi: «Bei einer Einheitskasse wären die Verwaltungskosten sicher tiefer.» Offenbar bröckelt der Widerstand im bürgerlichen Lager bis hin zur SVP. Warum denn nicht gleich so?
26.12.2006 «Ein undemokratisches Monster» – die Scheindebatte um die Einheitskrankenkasse


















Die Einheitskasse tönt natürlich immer etwas nach Planwirtschaft und Staatskasse. Ebenso nach Monopol und Diktat. Das gefällt mir nicht.
Auf der anderen Seite gibt es für mich heute unter den Kassen kaum einen Wettbewerb. Obwohl das Privatversicherungen sind, sind das für mich in Tat und Wahrheit staatliche Versicherungen, weil diese sich an eine Vielzahl von staatlichen Vorgaben und Verhaltensmustern zu orientieren haben. Der Staat schreibt mir ja vor das ich eine Grundversicherung haben muss. Und hier sind ja bei allen Versicherungen in etwa die Leistungen gleich, die mit der Grundversicherung abgedeckt werden müssen. Von daher könnte man das Ganze halt schon zu einer staatlichen Einheitskasse zusammenlegen. Bei den Zusatzversicherungen gibt es noch eher etwas das mit Wettbewerb und Privatwirtschaft zu tun hat. Darum sollte man die zwei Bereiche aufteilen. So könnten wir unsinnige Kosten und viele Hotlines einsparen!
Man sollte aber auch nicht 300 Spitäler und Kliniken in der Schweiz betreiben. Davon sind nämlich sicher 50% unrentabel und haben eine schlechte Bettenauslastung. Es macht doch keinen Sinn, wenn man im bevölkerungsarmen Valle de Joux, oder auch im Engadin, große Sanatorien betreibt, nie und nimmer ausgelastet sind! Den teuren Gebäude- und Versorgungsunterhalt muss man auch bei chronischer Unterbelegung betätigen! Mit Schliessungen könnte man hier wirklich viel Geld einsparen im Gesundheitswesen.
Dann müsste man vielleicht auch die Kopfprämie einführen. Es kann doch nicht angehen, dass eine Person mit 10’000 Franken Lohn gleich viel bezhalt an KK-Prämien, wie eine mit 4’500 Franken Monatssalär. Und das obwohl beide in der gleichen Versicherung sind, gleich alt und gleich gesund! Derjenige mit nur 4’500 Franken im Monat kann seine Prämien schlechter bezahlen als jener mit 10’000 Lohn!! Tendenz steigend!
Man darf sich aber auch nicht über die Prämiensteigerung ärgern, wenn man mit seinem Ja die Komplementärmedizin kassenpflichtig macht. Weil diese Pseudomedizin das Gesundheitswesen auch weiter verteuert! Man sollte das bereit sein zu zahlen was man konsumiert. Diesen Willen erkenne ich aber nicht in der Schweiz! Darum sollten einige Leute bezüglich der hohen Prämien besser die Klappe halten.
@odin:
Ich lasse mir ja viel vorwerfen, aber nicht, dass ich nicht vor der Komplementärmedizinvorlage gewarnt hätte: 1, 2, 3, 4
Diese war – leider – letztlich eine freisinnig gefärbte Vorlage, vorangetrieben durch den Ständerat Rolf Büttiker – und unter anderem fleissig unterstützt von Didier Burkhalter (und natürlich fast allem, was bei rotgrünemitte Rang und Namen hat).
Mit der Komplementärmedizin habe ich gewisse Stimmbürger gemeint und nicht den Andreas Kyriacou. Das war eigentlich auch ersichtlich in meinem Statement.
@odin: Das habe ich schon so verstanden. Aber es war eine gute Gelegenheit, die Statements noch einmal in Erinnerung zu rufen
Da haben sie natürlich Recht. Aber das ist nun leider kalter Kaffee. Die Abschaffung der Komplementärmedizin aus dem Leistungskatalog der Versicherungen wird leider nicht so bald erfolgen. Ebenso nicht eine Einführung der Grundversicherung als Einheitskasse. Über beide Dinge haben wir unlängst abgestimmt. Die Stimm- und Stummbürger sollen diesen Sadismus haben wenn sie darauf stehen. Aber auch bitte bezahlen zu wollen…
da das Thema Kostensteigerungen das Krankheitswesen seit Jahrzehnten prägt, die Vorgaben zur Komplementärmedizin noch nicht wirklich in Kraft sind, ist der Vorwurf der Kostentreiberei durch die Komplementärmedizin Verbalpopulismus. Ehre, wem Ehre gebührt
Nun, wenn das Volk das will, dann muss der Volksentscheid zur Komplementärmedizin auch umgesetzt werden. Herr Burkhalter wird schon noch das umsetzen was sein Vorgänger nicht machte:(
Immerhin verteuert die Komplementärmedizin wieder das ganze Gesundheitswesen um mehrere hundert Millionen Franken im Jahr. Auch wenn das Gesundheitswesen um Milliardenbeträge verschuldet ist, sind selbst 300-500 Millionen Franken zusätzlicher Mehrausgaben von Bedeutung. Hier und da ein paar hundert Millionen eingesparte Franken ( z.b bei Spital Schließungen) ergibt auch Milliardenbeträge unter dem Strich. Es ginge mal darum einen Anfang zu machen bei den Einsparungen!!
“Kyriacou stänkert”, heisst’s im Tagi von heute. Das trifft’s eigentlich nicht ganz. Ich bin froh diese Kritik hier zu lesen. Ich dachte schon, ich müsse an den Grünen zweifeln und womöglich künftig anders wählen. Ich mag Ihren Jungspunt Girod ja, aber hin und wieder müsste er seine Ideen erst mal im kleinen Kreis besprechen…
Gorid hat aber nichts mit diesem Thema zu tun. Die Grünen waren schon immer widersprüchlich und unglaubwürdig.
@odin
Hast recht, sorry. Ich hab wohl die falsche Türe erwischt. Aber wenn ich schon mal hier bin: welche Partei ist schon ohne Widersprüche`
Ich finde es eigentlich immer lustig, wie die Grünen immer auf andere verweisen, wenn diese Positionskämpfe austragen. Dabei ist das bei den Grünen nicht anders. Die Grünen sind eben zur stinknormalen Partei geworden. Auch wenn man von ” den Grünen ” spricht, muss man unterdessen betonen, welche Grüne man eigentlich meint. Fundis oder Realos?
Schon vor der ( ersten) Parteispaltung der Grünen war deren Heterogenität nur zu offensichtlich. Und nun gibt es wieder Grüne die aus der Reihe tanzen. Herr Glättli musste in der Arena noch extra betonen, dass er von seinen Grünen spricht und nicht über die Girod Grünen
[...] andere Blogger machen sich Gedanken über Krankenkassenversicherung, z.B.: BlogIK und Andreas Kyriacou November 2nd, 2009 | Tags: Gesundheit, Konsumentenschutz | Category: Politik, Privat | [...]
Als Protegeure der Versicherungswirtschaft, darunter den Krankenkassen, waren Couchepin und ist heute Burkhalter gegen eine Einheitskasse. Dies bekräftige gestern Burkhalter in den Medien. Gleichzeitig kündigte Burkhalter gestern weitere Prämienerhöhungen in den kommenden Jahren an. Das Modell SUVA belegt aber, dass sowohl Couchepin, als auch Burkhalter falsch liegen. Die FDP und ihre Bundesräte wollen dieses ruinöse Spiel auf Kosten der Prämienzahler noch lange aufrecht erhalten. Zur gleichen Zeit wird der Leistungskatalog der Grundversicherung zusammengestrichen, damit Zusatzversicherungen abgeschlossen werden können. Berechnungen zeigen, dass diese viel billigeren Zusatzversicherungen nicht kostendeckend sein können. Demzufolge ist davon auszugehen, dass mit Prämieneinnahmen aus der Grundversicherung Leistungen aus den Zusatzversicherungen quersubventioniert werden.