27. Januar 2010 2:01

Grünliberale: Politische Beliebigkeit

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63 Fragen zu allerlei politischen Themen wurden den Kandidatinnen und Kandidaten von den Smartvote-Machern gestellt. Aus den Antworten errechnen sie unter anderem für jede und jeden die Positionierung entlang einer liberal-konservativ- und einer links-rechts-Achse.

Zu den einzelnen Kandidierenden sind die resultierenden Werte sind durchaus mit Vorsicht zu geniessen, nicht alle politischen Fragestellungen lassen sich zweifelsfrei entlang dieser Dimensionen einordnen. Im Gruppenvergleich sind die Smartmaps aber durchaus aussagekräftig, denn alle KandidatInnen werden nach exakt demselben Muster bewertet. Vergleicht man die Karten der einzelnen Parteien, fällt nicht nur auf, dass diese – wie es zu erwarten ist – teilweise gegensätzliche Quadranten besetzen: Die AL beispielsweise erscheint als linksliberal, die SVP als rechtskonservativ.

smartmap_al_sp_gruene_cvp_fdp_svp

Von links bis rechts: Smartmaps von AL, SP, Grünen, CVP, FDP und SVP

Unterschiedlich ist auch die innere Kohäsion: Bei AL, SP, Grünen und SVP liegen die meisten Kandidatinnen und Kandidaten nahe beieinander, auch wenn teilweise einzelne «Ausreisser» zu finden sind. Die FDP erweist sich schon als etwas heterogener, noch mehr die CVP, deren Kandidaten trotz vergleichsweise niedriger Anmelderate bei Smartvote entlang beider Dimensionen breit gestreut sind.

Smartmap der Grünliberalen

Smartmap der Grünliberalen

Eine definitive Tendenz zur Beliebigkeit weisen aber vor allem die Grünliberalen auf: Von linksaussen bis mitterechts sind ihre VertreterInnen überall zu finden. Diese Beliebigkeit scheint geradezu Programm: Zu den Berner Grossratswahlen vom 28. März verbünden sie sich je nach Wahlkreis mit FDP, BDP oder der Piratenpartei. Die Fraktionspartner auf Bundesebene, EVP und CVP, schienen – für welche Seite auch immer – keine Option, ebenso wenig SP und Grüne, mit denen sie in Köniz für die Lokalwahlen zusammenspannten.

Wenigstens verzichten die Grünliberalen in Bern auf ein Zusammengehen mit der EDU. In Winterthur bilden sie mit dieser rechtskonservativ-evangelikalen Partei und der EVP eine Fraktionsgemeinschaft und diese drei Parteien sowie die CVP formten bei den Zürcher Nationalratswahlen von 2007 eine Listenverbindung.

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7 Kommentare »

  • Toni W. Püntener meint:

    aus meiner Sicht ist eine rein optische Interpretation von Smartmaps nicht zulässig, da müsste man mit statistischen Masszahlen arbeiten, aus dem reichen Fundus der Beurteilungsgrössen für kleine Mengen.

    Zudem gehe ich davon aus, dass die Skala nicht wirklich linear ist – Verdichtung an den Rändern, Lockerheit in der Mitte.

    Letztlich gilt für alle Parteien der uralte Spruch “Eine Partei hat mehr Flügel als Mitglieder” – oder polemisch auch noch: “wo alle das gleiche denken, denkt niemand besonders gründlich”…

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  • Andreas (author) meint:

    @Toni

    da müsste man mit statistischen Masszahlen arbeiten

    Um die Kohärenz zu quantifizieren, auf jeden Fall. Und man könnt darüber diskutieren, ob man Outlier wegstreicht oder nicht. Doch selbst die optische Dateninterpretation lässt sich einigermassen systematisch anpacken: z.B. kann man schauen, wie viele Quadranten von einer Partei belegt werden und wie viele Quadranten sie haben, in denen sie nur einen Punkt aufweisen. Ich hab vor dem Publizieren ein paar solche simple Rechnereien durchgespielt – reine Polemik lässt der Wissenschafter in mir einfach nicht zu ;-) – und mit Χ²-Auswertungen Paarvergleiche angestellt. Ich hab die Statistik durchaus auf meiner Seite.

    wo alle das gleiche denken, denkt niemand besonders gründlich

    Das stimmt sicher auch, wenn aber jede beliebige Meinung vertreten ist, kommt’s schlussendlich nur darauf an, wer seine am lautesten vorträgt. Und das ist bei der GLP bisher nicht unbedingt ein Erfolgsmodell…

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  • Yannick meint:

    Zieht man die Exilgrünen ab, scheinen die aber, visuell betrachtet, ein klareres Profil zu haben als die CVP.

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  • Michael Köpfli meint:

    Es scheint ein Zürcher Phänomen zu sein, dass die Grünen ständig mit Kritik auf die Grünliberalen zielen. (Da haben wohl einige die Abspaltung noch nicht wirklich verdaut.)

    Andernorts ist dieses Verhältnis viel entspannter. Wir arbeiten im Berner Stadtrat mit den Grünen bei “grünen Themen” bspw. sehr konstruktiv zusammen. (Hier sind es eher gewisse SP-Exponenten welche grundsätzliche Probleme mit uns haben.)

    A propos Beliebigkeit. In der Stadt Bern tritt die Grüne Partei einfach mit 3! Listen an. Da wäre die Grüne Partei Bern (GPB), welche gemäss eigener Aussage “grün,alternativ,libertär” politisiert, das Grüne Bündnis (GB), das sehr gewerkschaftsnahe politisiert und die Grüne Freie Liste (GFL), welche gemäss eigener Aussage “grün,sozial,liberal” politisiert.

    Diese Listen mögen in sich einigermassen geschlossen sein, wenn man die drei Listen aber zusammen betrachtet, ist die Streuung ebenfalls enorm (in Bern sicher grösser als die bei der glp).

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  • Schreiberling meint:

    Meine Lieblingsprofil eines GLP-Kandidierenden:

    - Ich bin ein “vernünftiger” Grüner. Der menschliche Einfluss auf die Klimaerwärmung und deren Schaden, kann man durchaus in Frage stellen.

    - Ohne die direkte Demokratie wäre es nie zu einem Minarettsverbot gekommen. Natürlich ist die Verfassungsänderung der falsche Weg, um der Obrigkeit den Weg zu zeigen, aber besser als den Weg gar nicht zu zeigen.

    - In jeder Verwaltung gibt es ein Sparpotential von bis zu 30%, das auszuschöpfen ist.

    - Die Deutschen in der Schweiz haben eine Pflicht; die Abschaffung der Südanflüge.

    - Deshalb bin ich in für die Kennzeichnung der Personen in Pflegeberufen die geimpft sind. (zur Schweinegrippe)

    - So besitze ich zusammen mit vielen anderen die Migros, Coop, Kantonalbanken, Swisscom, Post, Elektrizitätswerke, SBB und über die Pensionskasse, Aktien und Fonds alle grossen börsenkotierten Unternehmen.

    - die EU übernimmt massgeblich die Schweizer Demokratie mit Förderalismus, Ständemehr und direkter Demokratie

    Pierre Rappazzo, GLP Wädenswil

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  • Toni W. Püntener meint:

    Ich bleib dabei: die smartmap hat einen schwachen Mittelteil – am linken und rechten Rand, aber auch an den liberalen und konservativen Enden ist die smartmap viel dichter als in der Mitte, weil schlicht rinks und lechts nicht exakt messbar sind, Mitte aber noch viel weniger. Aber Du willst ja auch bei den Grünliberalen mehr Streuung spüren als bei den Grünen ;-)

    Aufgrund “meiner” Lage auf der Map – dort wo ich bin, gibts gar keine KandidatInnen – bin ich zum Schluss gekommen, dass ich eigentlich nicht wählen gehen sollte ;-(

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  • blackrabbit meint:

    Also ich finde eigentlich auch, dass auf den netten Grafiken die CVP rein optisch “am beliebigsten” rüberkommt.

    Aber ich weiss, Bruderkriege sind halt immer etwas besonderes!

    ;)

    PS:
    Da die SP, die Melonengrünen und die AL bei den netten Grafiken ohnehin alle auf dem gleichen Fleck liegen, könnten sie doch auch gleich fusionieren. Das würde uns Stimmenzählersklaven die Arbeit viel einfacher machen, da wir dann nicht die auf der linken Seite so zahlreichen und sehr häufig handgeänderten Listen aufwendig erfassen müssten. Wenn’s doch am Ende eh’ auf das gleiche rauskommt…

    :)

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