26. Februar 2010 8:08

Mitbestimmen!

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Mit 34.8% war die Beteiligung an den Stadtzürcher Gemeinderatswahlen miserabel tief. Am Geringsten war das Interesse bei den Wahlberechtigten unter 30-Jährigen: Nur 18% bemühten sich an die Urnen:

Wahlbeteiligung GR 2006

Wahlbeteiligung Gemeinderatswahlen 2006 (Quelle: Stadtkanzlei Zürich)

Eine Facebook-Kampagne soll dies ändern: Facebook-NutzerInnen werden eingeladen, zu bestätigen, dass sie sich das Wählen nicht entgehen lassen wollen. Oder sie können sich über die Kampagne ans Ausfüllen und Abschicken der Wahlzettel erinnern lassen. Oder sich gar in Zürich, Winterthur, Uster, Dübendorf und Illnau-Effretikon für einen Weckservice mit Kaffee und Gipfeli am Samstag, dem 6. oder am Sonntag, dem 7. März eintragen lassen:

www.facebook.com/mitbestimmen (auch für Nicht-Facebook-Anwender einsehbar)

www.facebook.com/mitbestimmen (auch für Nicht-Facebook-Anwender einsehbar)

Auf der Pinnwand von www.facebook.com/mitbestimmen werden zudem überparteiliche Wahlempfehlungen – von den Gewerkschaften bis zu den Gewerbeverbänden – verlinkt.

Die Kampagne läuft seit rund zwei Wochen, seit heute ist es offiziell: Es ist eine Initiative der Grünen. Angeregt hatte sie Moritz Zumbühl, Grüner Unternehmer und geistiger Vater des Kreativstudios Feinheit. Ein kleines Grüppchen (zu dem auch ich gehöre) machte sich an die Umsetzung. Selbstredend ist die Kampagne nicht völlig uneigennützig. Die Stadtzürcher Grünen konnten von Februar 2006 (Gemeinderatswahlen) bis Oktober 2007 (Nationalratswahlen) die Zahl ihrer WählerInnen mehr als verdoppeln (siehe linksseitige Grafik). Besonders hoch ist die grüne Anhängerschaft bei den Jungen: Bei einer schweizweiten Befragung zu Wahlabsichten gaben im Dezember 2008 20.9% der 18-34-Jährigen an, grün wählen zu wollen (Grafik rechts):

links: Anzahl Grüne WählerInnen in der Stadt Zürich, rechts: Wahlabsichten der 18-34-Jährigen (Dez. 2008)

links: Anzahl Grüne WählerInnen in der Stadt Zürich, rechts: Wahlabsichten der 18-34-Jährigen (Dez. 2008)

Die Kampagne wird selbstredend nicht selektiv grün Wählende zum Abstimmen bewegen. Doch wenn sie nur schon lagerübergreifend dazu beitragen kann, dass junge Stimmberechtigte realisieren, dass sie mitbestimmen können und dies dann auch tun, war sie es bereits wert.

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Ein Kommentar »

  • Der Schweizer Narr meint:

    Hallo Andreas, seit dem Aufstieg von Barack Obama in den USA, welcher auch mit Hilfe von Web 2.0 Präsident wurde, ist die Wichtigkeit solcher Internet Community erwiesen. Zumindest in den USA.

    Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied zwischen den USA und der Schweiz in der politischen Kultur. Zu beobachten ist in den USA, dass immer dann wenn es der Wirtschaft dreckig geht, die Demokraten hohe Chancen bekommen,und wenn es gut läuft gewinnen meistens die Republikaner. In der Schweiz ist dies eher umgekehrt.

    Ein weiterer Unterschied: Das Team von Barack Obama steckte Millionen in die Werbung um zu erreichen, dass Menschen seine Webseiten aufriefen. Der Effekt ist leider auch uns Bloggern bekannt, ohne Werbung kommt man in der Schweiz als politischer Blogger höchstens auf einige hundert Aufrufe pro Tag.

    Die Menschen im Internet sind für einen externen Beobachter (die Statistik) wie Zombies, sie rufen immer die gleichen Webseiten auf, und zwar jene die sie beim Namen aus der Werbung und der Presse kennen.

    Internet Benutzer scheinen für die Statistik zu 90% kein Eigenleben zu besitzen, sie werden fast vollkommen von Werbung gesteuert. Die Internet Nutzer sind eine Art Kuhherde, welche sich langsam und gemächlich von einem Weidegrund zum Anderen bewegen. Facebook ist derzeit ein solcher Weidegrund und wird daher einige der Zielpersonen erreichen.

    Die tiefe Wahlbeteiligung reflektiert im Prinzip das Desinteresse der Menschen, für ihre Zukunft auf politischer Ebene Vorsorge zu betreiben, oder dann glauben sie nicht (mehr) daran. Das wundert mich nicht, denn die Kuherden glauben inzwischen nur noch an Eines: An die Macht des Kapitals. Die Menschen halten inzwischen die Politik für Irrelevant ihre Zukunft beeinflussen zu können, daher ist die Wahlbeteiligung immer tiefer. Das erklärt übrigens auch, warum die Parteien in der Mitte immer weniger Stimmen erhalten. Die Menschen glauben, wenn schon, dann können nur extreme Veränderungen etwas für sie bewirken. Vor allem die Jugendlichen sind für Extreme zu begeistern, daher würde ein Anstieg der Jungwähler derzeit bedeuten, dass die rechten und linken Flügel der Politik zulegen würden.

    In der Schweiz könnte allerdings durchaus auch die SVP davon profitieren, wenn man viel ‘farbige Werbung’ in die Internet-Community setzt, welche die Jugend mobilisiert.

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