Stadtratswahl Zürich: Schaffen nur die Bisherigen das absolute Mehr? [update]
Der Tages-Anzeiger veröffentlichte heute online die Resultate einer Isopublic-Umfrage zu den Stadtzürcher Wahlen. Aufgrund der Rangreihenfolge prophezeit der TA der SP einen Sitzverlust: Claudia Nielsen belegt hinter Mauro Tuena (SVP) nur den 11. Platz. Nimmt man die veröffentlichten Prozentwerte als Grundlage, würden unter den neuen einzig Urs Egger (FDP) und Daniel Leupi (Grüne) das absolute Mehr im ersten Wahlgang ganz knapp schaffen:

Prozentuale Unterstützung der neun KandidatInnen (Quelle: TA/Isopublic)
Doch diese Lesart ist aus zwei Gründen problematisch: Die Fehlerquote beträgt – so die NZZ – 3.2%. Statistisch gesehen liegen zumindest Egger, Leupi und Odermatt alle gleichauf. Und die so erfolgte Berechnung des absoluten Mehrs berücksichtigt die nicht veröffentlichten Stimmanteile der «übrigen» Kandidaten nicht. Holen Walter Angst (AL), Denise Wahlen (glp) und die diversen Fun-Kandidaten zusammen acht Prozent der Stimmen – was nicht unwahrscheinlich scheint – so müssen Egger wie Leupi zum zweiten Wahlgang antreten.
Methodisch problematisch ist, dass die Befragungen schon Ende Januar anfingen, also bevor die meiste Wahlwerbung bei den Leuten war. Das erklärt wohl zumindest teilweise den grossen Vorsprung der Bisherigen.
Kommt es aber tatsächlich zu einem zweiten Wahlgang unter Beteiligung aller Ernst zu nehmender neuer KandidatInnen (Nielsen, Odermatt, Leupi, Egger und Tuena) hat rotgrün beste Chancen, alle drei noch freien Sitze zu holen – man erinnere sich an das Duell Mauch-Martelli. Doch die Botschaft von rotgrün ist natürlich eine andere: Daniel Leupi, Claudia Nielsen und André Odermatt gehören gleich im ersten Wahlgang gewählt.
[Update 23.02.2009 07:46] Der Tages-Anzeiger lag übrigens vor vier Jahren mit seiner Prognose reichlich daneben. Aufgrund der damaligen Tagi-Zahlen prophezeite ich 2006 einen zweiten Wahlgang für den 9. Sitz – und hätte ein Bier verloren, wäre jemand auf mein Wettangebot eingegangen…




















Ein weiteres Mal eine sehr erhellende Analyse auf diesem Blog!
[...] von simplen Umfragen gar nicht prognostizierbar. Einige weitere spannende Hinweise im Beitrag von Andreas Kyriacou. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden diese Umfrageergebnisse nichts mit dem Wahlergebnis vom [...]
Auch bei den RR-Wahlen 2007 lag die entsprechende TA/Isopublic-Umfrage daneben. Diese «prognostizierte» die Wahl von Martin Bäumle und ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Thomas Heiniger und Martin Graf um den neunten Sitz. Am Wahltag landete dann Heiniger auf Platz 3 und Martin Graf vor Martin Bäumle. So viel zur Verlässlichkeit von solchen Umfragen.
Da Urs Egger im Zusammenhang mit Swisscontact mit Agrochemiekonzernen verbandelt ist, die unter anderem sehr fragwürdige Pestizide (z.B. Paraquat) in Umlauf bringen, – könnte es für Urs Egger noch einen kleinen Knicks nach unten geben. Siehe Link.
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