26. April 2010 0:38

Zeichnet 1000 Mohammed-Karikaturen! [update]

2.336 mal angeschaut 2 Kommentare Beitrag drucken Beitrag drucken als Mail verschicken als Mail verschicken

gods_and_politics_2010_copenhagenEs wird also nichts aus dem Überraschungsgast: Die Organisatoren des Kopenhagener Kongresses «Gods & Politics» mussten verkünden, dass der Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard dem Mitte Juni stattfindenden Anlass aus Sicherheitsgründen fernbleiben wird. Westergaard wurde für seine 2005 entstandene Illustration, die Mohammed mit Bombe auf dem Kopf darstellt, bekannt. Seit 2008 steht er unter ständigem Polizeischutz, im Januar dieses Jahres entging er nur knapp einem Anschlag in seinem Haus im dänischen Aarhus. Der Attentäter war ein muslimischer Somalier mit Verbindungen zu Al Quaida.

Nicht abgebildet: Mohammed

Letzte Woche wurden zudem die Southpark-Macher Trey Parker und Matt Stone bedroht, da sie zur 200. Sendung Mohammed in einem Bärenkostüm abgebildet und im Sketch darauf hinwiesen hatten, dass Mohammed eben nicht abgebildet werden dürfe. Eine extremistische Gruppe namens revolutionmuslim liess daraufhin auf ihrer Website verlauten:

We have to warn Matt and Trey that what they are doing is stupid and they will probably wind up like Theo Van Gogh for airing this show.

Das Teddy-Kostüm-Sujet als Teil der Jubiläumssendung, die von Rückblicken auf vergangene Episoden geprägt war, war wohl in erster Linie eine Kritik am Entscheid von Comedy Central, im Jahr 2006 eine Southpark-Ausgabe nicht auszustrahlen, weil darin Mohammed als Comic-Figur zu sehen war. Die Jubiläumssendung thematisierte auch erboste Reaktionen von in früheren Sendungen karikierten Hollywood-Stars – und die Empfindlichkeit extremistischer Muslime und deren Hang zu Gewalttätigkeit. Nicht nur die Drohgebärden religiöser Spinner sollten erneut Realität werden, Comedy Central zensurierte nach ebendiesen Reaktionen erneut. Die beiden Southpark-Autoren zeigten sichtlich not amused:

In the 14 years we’ve been doing South Park we have never done a show that we couldn’t stand behind. We delivered our version of the show to Comedy Central and they made a determination to alter the episode. It wasn’t some meta-joke on our part. Comedy Central added the bleeps. In fact, Kyle’s customary final speech was about intimidation and fear. It didn’t mention Muhammad at all but it got bleeped too.

Man soll über Geschmack uneins sein und die Motive der Karikaturisten hinterfragen dürfen. Doch auf zweierlei muss man in modernen Rechtsstaaten bestehen: Dass Satire über Religiosität nicht anders behandelt wird als politische oder sonstwie gesellschaftskritische Satire. Und dass diese niemals durch Gewaltandrohung unterdrückt werden kann. Die wohl beste Art, dies durchzusetzen, ist die Zahl der Mohammed-Karikaturen zu erhöhen. Deshalb: Zeichnet 1000 Mohammed-Karikaturen!

Zum Beispiel rechtzeitig zum 20. Mai, dem «Everybody draw Mohammed Day», den eine ungenannt sein wollende Zeichnerin / ein ungenannt sein wollender Zeichner die Cartoonistin Molly Norris aufgrund der Gewaltdrohung gegen die Soutpark-Macher ausgerufen hat.

DrawMohammedPosterNoName

Quelle: Molly Norris

02.12.1007 Von ungläubigen Teddy-Bären und Eselsweisheiten
11.02.2006 Anti-Karikaturen-Demonstration in Bern: Ein erster Schritt zu einer sinnvollen Politdebatte?

Andere BloggerInnen zum Thema:
Pharyngula: Mohammed’s dead hand still ruins lives from the grave
Skepchick Rebecca Watson: Danish Cartoonist Cancels on Copenhagen Atheist Conference

Update 26.04.10: Die Cartoonistin Molly Norris, die den «Everybody draw Mohammed Day» initiiert hatte, wünschte erst, dass ihr Bild ohne Namensnennung verwendet wird. Da es anderswo auf dem Web schon in einer Version mit Signatur seine Verbreitung fand, hat sie nun der Nachrichtenagentur AP in einem Interview erläutert, wieso sie den Aufruf Ernst meint und wo sie die Grenze von Satire zieht.

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