18. Juni 2010 15:46

Die Welt verstehen — heute mit Robert Heymann, Voodoo-Chemiker

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Robert Heymann ist bekennender Tora-Fan. Nicht einfach aus religiöser Überzeugung, nein seine Ehrfurcht vor den Büchern Mose gilt vor allem auch den «Passagen mit ihren praktischen Dingen», wie er im Interview mit «d’Region» bekennt. Als Beispiel führt er den «Chukat»-Abschnitt an, in dem eine Kuh — nicht irgendeine, sondern eine tadellose rotfarbene — geopfert wird, um ihre Asche zur Reinigung zu verwenden:

Das ist die Verordnung, die der Herr erlässt: Sag den Israeliten, sie sollen dir eine fehlerlose, einwandfreie rote Kuh bringen, die noch nie ein Joch getragen hat. Übergebt die Kuh dem Priester Eleasar! Dann soll man sie vor das Lager hinausführen und sie vor seinen Augen schlachten. Der Priester Eleasar nimmt mit seinem Finger etwas von ihrem Blut und spritzt damit siebenmal gegen die Vorderseite des Offenbarungszeltes. Darauf verbrennt man die Kuh vor seinen Augen. Ihr Fell, ihr Fleisch und ihr Blut, alles soll man verbrennen, samt ihrem Mageninhalt. Der Priester nimmt Zedernholz, Ysop und Karmesin und wirft alles in das Feuer, in dem die Kuh verbrannt wird. Dann wäscht der Priester seine Kleider, badet seinen Körper in Wasser und kehrt nachher ins Lager zurück; der Priester bleibt aber bis zum Abend unrein. Derjenige, der die Kuh verbrannt hat, wäscht seine Kleider und badet seinen Körper in Wasser; er bleibt aber bis zum Abend unrein. Ein reiner Mann sammelt die Asche der Kuh und legt sie an einen reinen Ort außerhalb des Lagers. Sie wird für die Gemeinde der Israeliten zur Zubereitung des Reinigungswassers aufbewahrt. Es ist ein Sündopfer.

Für Heymann ist dies ein Beweis der Weisheit der alten Schriften, da schliesslich auch heute Asche zur Seifenherstellung verwendet werde. Heymann im O-Ton:

«Also hatten bereits unsere Vorfahren in der Wüste die Kenntnis, dass man durch Verwendung von Seife sich reinigen und damit schlimme Krankheiten und Seuchen vermeiden kann.»

Diese «Beweisführung» forderte den Biochemiker Andreas Lamanda heraus, dessen auf Facebook publizierte Kommentar ich hiere gerne wiedergebe:

Der Autor (viele glauben, dass es Gott selber war, oder direkt durch Gott inspiriert aufgeschrieben wurde) demonstriert nur eines, dass er von Chemie nicht den leisesten Schimmer hatte. Bäume nehmen aus dem Boden das natürlich vorkommende Kalium (K) auf. Die bei der Verbrennung entstehende Holzasche enthält Kaliumkarbonat (K2CO3) welches in Wasser Kalilauge (KOH) bildet, die als waschaktive Substanz funktioniert. Die Kuh die beim opfern mit verbrennt, verschwindet zu 99% als gasförmiges Wasser, CO2, N20, SO2 und div. anderen Gasen. Von den Knochen bleibt das Kalzium plus andere Mineralien, welche die am Schluss erhalten Waschlösung allenfalls verunreinigen. “Gottes“ Anweisung ist also gleich in mehrfacher Hinsicht unlogisch:

1. Überlebenstechnisch: Die Leute, welche ganz offensichtlich unter Lebensmittelknappheit gelitten haben, verbrennen auch noch wertvolle Ressourcen

2. Wirtschaftlich: Der Bauer verbrennt ein wertvolles Tier

3. Ethisch: völlig unnötige Tötung eines Lebewesens

4. Chemisch: Die Thora/Bibel beschreibt die Herstellung von Kalilauge (nicht Seife). Die Anweisung ein Tier zu verbrennen zur Herstellung dieser Lauge ist völliger Blödsinn.

5. Medizinisch: Unsere Bibel/Thora lesenden Vorfahren hatten keinen Schimmer davon wie Krankheiten übertragen werden. Wer einen Toten berührt, wird nicht notwendigerweise krank. Wer aber einen anderen Menschen anhustet, überträgt damit Viren oder Bakterien. Gott hätte also wesentlich pragmatischer vorgehen und die simple Anweisung geben können, man solle einander nicht direkt ins Gesicht husten. Vermutlich hätte er damit Millionen von Menschenleben gerettet.

6. Geschichtlich 1: Unsere Vorfahren welche die Thora oder Bibel gelesen haben wussten ganz offensichtlich nicht was eine Seife ist. (Sie kannten nur Pottasche). Die Sumerer hingegen kannten die chemisch korrekte Seifenherstellung vor mehr als 5500 Jahren und haben diese beschreiben. Die Sumerer wussten, dass man die aus Asche gewonnene KOH mit Oel oder Fett verseifen kann und damit ein wesentlich besseres Wasch- und Desinfektionsmittel erhält, nämlich Schmierseife. Man fragt sich unwillkürlich weshalb an anderen Orten schon Seife hergestellt wird aber der allmächtige und allwissende Gott eine Prozedur in ein heiliges Buch schreiben lässt, die schon zu biblischer Zeit veraltet war. Gott war chemisch nicht gerade bewandert, wie es den Anschein hat.

7. Geschichtlich 2: Anstatt ob so bizarrer Anweisung ehrfürchtig zu Staunen, würde man diese heute besser richtig stellen. Das einzig für mich erstaunliche ist, dass solche Sachen immer noch in der Thora/Bibel stehen und von der breiten Masse immer noch nicht verstanden werden. Dabei kommt die Seifenherstellung doch im Kapitel Chemie für Anfänger vor (Niveau Primarschule). Gott war ganz offensichtlich nie in der Primarschule, denn es hätte durchaus gereicht die Asche eines Holzfeuers in Wasser zu lösen. Die Kuh hätte noch viele Jahre Milch geben können und als feiner Braten im Teller eine sinnvollere Bestimmung gehabt, denn als Brandopfer für einen Gott.

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5 Kommentare »

  • Werner meint:

    Zum besseren Verständnis der altjüdischen Geschichte empfehle ich die Bücher von Flavius Josephus, 37 oder 38 als Joseph ben Mathitjahu ha Kohen in Jerusalem geboren, und vermutlich nach 100 in Rom)gestorben. Er selber war gelehrter Jude aus besserem Haus.

    Als erstes schrieb er in den Jahren 75–79 das Werk “Geschichte des jüdischen Krieges”, ca. 700 Seiten, den er selber miterlebte.

    In den folgenden Jahren bis 94 schrieb er Antiquitates Judaicae in 20 Büchern, die nun zusammengefasst in einem Buche – erster und zweiter Band – von total rund 1350 Seiten zusammengefasst sind. (Jüdische Altertümer). Darin schilderte Josephus die Geschichte des jüdischen Volkes von der Schöpfung bis zum Ausbruch des Aufstandes im Jahre 66, eigentlich der Vorspann zum erstgenannten Buch.

    Um das Jahr 96 erschienen noch zwei kleinere Werke, nämlich Über die Ursprünglichkeit des Judentums (Gegen Apion, Makkabäer) und eine Schrift, die als Vita (Leben, seine Autobiographie) bekanntgeworden ist. In diesen Werken verteidigte er vor allem das Judentum gegen antijudaistische Vorwürfe und sich selbst gegen persönliche Kritik.
    Dieses Buch ist unter dem Titel

    Alle drei Bücher wurden von Heinrich Clemenz ins Deutsche übersetzt.

    Diese drei Bücher geben einen sehr guten Einblick in die Vorstellungs- und Glaubenswelt der damaligen jüdischen Gläubigen.

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  • Werner meint:

    Zum ersten Beitrag noch dies: Die altjüdische Geschichte ist – wie den Judäern “von Gott geboten und befohlen” – grausam, blutrünstig und kriegerisch. Daran hat sich bis heute scheinbar nicht viel geändert. Was Jahwe diesem sogenannt “auserwählten Volke” alles abverlangte – und abverlangt, das kann nicht göttlich sein. All diese Unmengen Opfergaben (Brandopfer, Festopfer,Feiertagsopfer usw,ganze Tierherden manchmal) Kriege und Morde – da mussten sicher hunderttausende Tiere und Menschen abgeschlachtet worden sein, können unmöglich von einen gütigen und barmherzigen Jahwe gefordert worden sein. Im Gegensatz dazu die Einhaltung der religiösen Vorschriften, der Rituale und der vielen Festtage, die verbreitete Angst vor göttlichen Strafen – all das verhinderte eine fortschrittliche und kulturelle Entwicklung.

    Der immer noch andauernde Palästinenserkrieg darf mit Recht als Fortsetzung des altjüdischen Krieges gegen die Philister (Philistin oder Filistin = Palästina) angesehen werden.

    Wohlverstanden, vorab die katholische Kirche, bemerkte sehr bald, welche Macht ein Priestertum mit Behelf solcher Methoden und göttlichen Gesetzen man ausüben kann., – heute noch, wie gestern.

    Interessant ist auch, dass alle diese monotheistischen Religionen jeden Fortschritt hassten (am Wenigsten noch im Islam), dem Teufel zuordneten und mit allen Konsequenzen für die “Häretiker” – blockierten, was in den polytheistischen Religionen nicht passierte. Das zeigt, dass wenn die “Stellvertreter Gottes” die Macht haben, diese aufs Ärgste missbraucht wird um ihre Machtansprüche zu behalten und zu steigern – alles zu Lasten der absichtlich dumm gehaltenen Gläubigen.

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  • Andreas Kyriacou über Manches » Die Welt verstehen, heute mit Dora Andres und Jakob Büchler, Lügenbarone meint:

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