11. Juni 2010 11:44

Echo aus der Zürcher Bevölkerung: Das Kongresshaus nach Oerlikon!

1.277 mal angeschaut 2 Kommentare Beitrag drucken Beitrag drucken als Mail verschicken als Mail verschicken

Die Blutauffrischung im Zürcher Stadtrat macht sich bemerkbar: Stadtpräsidentin Corine Mauch und der neue Hochbauvorstand André Odermatt liessen gestern die Bevölkerung an der Planung des neuen Kongresshausstandortes teilhaben. Diese bedankte sich mit dem Vorschlag, die Standortwahl noch einmal auszuweiten.

«Echoraum» wurde der Anlass genannt – und das Einholen des Echos bildete denn auch nach den Einführungsvoten den Hauptteil des Abends. In je drei Gesprächsrunden setzten sich die insgesamt rund 120 Teilnehmenden zu viert bis sechst an Tische und tauschten sich über die von der Stadt evaluierten Standorte aus: das Areal an der Geroldstrasse, den Carparkplatz vis-à-vis dem Hauptbahnhof, das Seeufer in der Enge und das Kasernenareal. Anschliessend wurden die so gesammelten Erkenntnisse, Befindlichkeiten und Empfehlungen an den Stadtrat wurden in einer gemeinsamen Schlussrunde vorgetragen. Von den vier Standorten schwang das Gebiet Geroldstrasse am Abend klar obenaus, wenn auch Quartiervertreter eine Beschleunigung der Veredelung des Quartiers als bedeutendes Risiko ansehen. Erstaunlich wenig wurde zum Kasernenareal verlaubart, offenbar gilt längst die Erkenntnis, dass das sicherste vorzeitige Aus für jedes Bauprojekt ist, dafür den Standort Kasernenwiese vorzuschlagen. Beim Standort Enge hielten sich Befürworter und Skeptiker etwa die Waage, doch auch dieser Standort wurde bestenfalls zweitrangig diskutiert. Am meisten Argwohn löste der von Patrick Gmür (Amt für Städetebau) als «Eingangstor zum Kreis 5» bezeichnete Standort Carparkplatz aus. Bei den Mitdiskutierenden überwogen klar die Befürchtungen, dass sich ein derartiger Neubau nicht ins Quartiergefüge einbetten liesse.

Ein Mantel um die Rennbahn? (Bild: wikipedia/velosoph)

Ein Mantel um die Rennbahn? (Bild: wikipedia/velosoph)

Wohl nicht eigentlich vorgesehen war, dass an vielen Tischen intensiv über die Frage diskutiert wurde, wie weit denn eigentlich Zürichs Zentrum reiche und ob die Vorstellung, dass ein Standort unbedingt in Gehdistanz zu Hauptbahnhof und Innenstadt liegen müsse, nicht überholt sei. Mehrfach wurde der Raum Zürich Nord ins Spiel gebracht, der bereits die Messe, das Hallenstadion, das Theater 11 und weitere Kultur- und Sportstätten beherbergt und auch schon bestens mit Hotelangeboten versorgt ist. Vor wenigen Tagen hatte der Quartierverein Oerlikon ein Kongresszentrum verbunden mit einer Ummantelung der offenen Rennbahn vorgeschlagen. Ich kann dazu nur sagen: meine Rede! In einem Blog-Beitrag vom Januar 2009 mit dem Titel «Zürich endlich grossräumiger denken» schrieb ich folgendes:

Wer der Meinung ist, Zürich müsse in zig Disziplinen mit London, Barcelona oder Berlin mithalten können, soll bitte nicht Städteplanung wie in Lugano, Baden oder Biel betreiben.

Sowohl Corine Mauch wie auch André Odermatt schienen sichtlich Gehör zu haben für die Rückmeldungen aus der Bevölkerung, beide versprachen in ihrem Schlusswort, sowohl die Befürchtungen zu den von der Stadt präsentierten Vorschlägen wie auch den Wunsch nach einer erneuten Ausweitung der Standortevaluation ernst zu nehmen. Und auch eine weitere Botschaft kam bei ihnen an: dass die Stadt beim Kongresshaus 2.0 die Führungsrolle übernehmen und nicht erneut ein intransparentes «public private partnership»-Projekt vorlegen solle. Der am Abend abwesende Finanzvorstand wird hierzu wohl noch umlernen müssen…

12. 01.2009 Zürich endlich grosszräumiger denken
11.09.2008 Zürich endlich grossräumiger denken (Beitrag im P.S. – PDF)

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...


2 Kommentare »

  • andreas meint:

    wobei ich die idee mit dem haus zur palm auch interessant finde.

    ich bin mir inzwischen eh nicht mehr so sicher, ob ein kongresshaus fuer alle arten von veranstaltungen wirklich das beste ist, oder, ob es nicht sinn machen wuerde, fuer unterschiedliche veranstaltungen, die auch unterschiedliche beduerfnisse zu lage, erschliessung und infrastruktur haben, auch unterschiedliche angebote zu machen.
    sprich etwas in zueri-nord plus das palme, aber mit unterschiedlichen zielpublika und entsprechend unterschiedlicher infrastruktur.

    VA:F [1.9.8_1114]
    Rating: 0 (from 0 votes)
  • Andreas (author) meint:

    Wenn’s wirklich in erster Linie ein Kongresshaus sein soll, dann muss es zuallererst durch seine Infrastruktur überzeugen: ein gutes Raumkonzept und exzellente Haustechnik. Dann findet so ein Haus genügend Veranstalter. Organisatoren von wissenschaftlichen Kongressen beispielsweise werden Lokalitaten nicht in erster Linie wegen der Seesicht oder der Nähe zu Sehenswürdigkeiten auswählen. Und noch viel weniger ist dies für die Teilnehmenden von Belang. An einen Kongress geht man, weil man etwas vorzutragen hat, weil man sich vernetzen will oder weil der Anlass inhaltlich von Bedeutung ist.

    Gute öV-Anbindung und Hotellerie in der Nähe sind selbstredend durchaus wichtig, aber das ist in Zürich definitiv nicht nur in einem Umkreis von 500m um den HB gegeben.

    Heute hat Zürich definitiv zu wenig Raumangebote für Events mit 1000 und mehr Personen, ob die Nachfrage aber gleich für mehr als einen Neubau reicht, bezweifle ich, immerhin bleibt das heutige Kongresshaus ja voraussichtlich bestehen.

    VN:F [1.9.8_1114]
    Rating: 0 (from 0 votes)

Misch dich mit einem Kommentar in die Diskussion ein!

Schreibe einen Kommentar oder schicke einen Trackback von deiner Seite. Du kannst auch die Kommentare per RSS verfolgen.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

Du kannst diese Codeschnipsel
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong> - und dann noch die üblichen Wordpress-Schnipsel zur Formatierung deines Kommentars verwenden.

Wenn du dich bei Gravatar registriert hast, wird neben deinem Kommentar ein kleines Bild von dir erscheinen.