Steinigungen aus der ersten Reihe? ARD und ZDF planen Kooperation mit iranischem Staatsfernsehen
Vor einem Jahr protestierten ARD und ZDF gegen die iranische Zensur und gegen die Repressalien, denen ihre Mitarbeiter ausgesetzt waren. Und noch in diesem Februar störte das Mullah-Regime den Satellitenempfang der beiden deutschen Staatskanäle.
Doch nun soll Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung herrschen. ARD und ZDF luden den CEO des iranischen Staatsfernsehens (IRIB), Ezzatollah Zarghami, ein, um über Kooperationen zu diskutieren. Von Zarghami, der letzten Sommer die Erschiessung der friedlichen Demonstrantin Neda Agha-Soltan als Lügengeschichte von BBC und CNN bezeichnet hatte, hiess es im vergangenen September, er sei seines Amtes enthoben worden, doch gemäss dem englischsprachigen IRIB-Portal übt er das Amt aktuell wieder aus.

Ezzatollah Zarghami freut sich über die Unterstützung aus dem Westen
Der frühere Revolutionswächter Zarghami musste sich offenbar nicht mit zweitrangigen Vertretern von ARD und ZDF zufriedengeben, nein es waren gleich die Intendanten, welche die Kooperation ankündigten. In einem Video vom Treffen ist zudem der ARD-Auslandchef Theo Koll zu sehen. Es geht also wohl kaum nur um den Austausch von seichten Spielfilmen.
Wer nicht möchte, dass man bei ARD und ZDF dereinst bei Steinigungen in der ersten Reihe sitzen kann, soll doch den Aufruf des Menschenrechtsaktivisten Lutz Bucklitsch befolgen (Facebook-Link) und die Intendanten anschreiben. (Alternativ kann man auch die Online-Kontaktseiten von ARD und ZDF verwenden.)
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Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Interesse der Iraner liegt, wenn ihre Hinrichtungspraxis im Westen verbreitet wird. Die allgemeine Entrüstung, die sowas im Westen bei Zuschauern auslösen könnte, könnte sich negativ auf den Iran und den Islam insgesamt auswirken.
So gesehen ist es natürlich schon klar, dass Freidenker gegen die Berichterstattung von Hinrichtungen im Iran sind, schliesslich würde die Entrüstung darüber, die Diskussion über die sanften Klänge von Kirchturmuhren in den Schatten der Bedeutungslosigkeit stellen.
@A. Müller: fail, very big fail.
[...] This post was mentioned on Twitter by Ulrike Beudgen and Nic. Nic said: RT @UliBeudgen: Steinigungen aus der 1. Reihe? ARD + ZDF planen Kooperation mit IRIB http://bit.ly/atepHv #iranelection [...]
Alexander Müller meint:
“Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Interesse der Iraner liegt, wenn ihre Hinrichtungspraxis im Westen verbreitet wird.”
Man sollte eher darüber sprechen, warum es für das Wort “Praxis” keine Pluralform gibt. Im Iran ist nämlich nicht nur das Auspeitschen oft bis zum Tode oder die Steinigung Hinrichtungspraxis, sondern auch das “henken” wird dort in ganz besonderer Art und Weise durchgeführt, was im Westen nicht sehr bekannt ist. Todesurteile durch erhängen werden nämlich im Iran durch Verwendungung eines “kurzen Seiles” durchgeführt, damit der Todeskandidat nicht durch Bruch des Zungenbeines, sondern durch ersticken (abwürgen der Blutzufuhr zum Gehirn) getötet werden. Es sind mehrere (viele) Fälle aufgetreten bei denen der Todeskampf bis zu 3/4 Stunden dauerten (besonders bei muskulösem Hals).
Dass ARD und ZDF mit dem iranischen Staatsfernsehen kooperieren ist übrigens gar nicht notwendig. Mit IRIB ist der iranische Staatsapparat medial hier mit täglichen Botschaften von Amadineschad bis zum letzten Mullah inklusive Verbreitung des Korans längst übergenügend vertreten. Und dies auch noch alles in deutscher Sprache!