8. Februar 2012 20:03

Die beleidigte Leberwurst der Woche (3)

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Bereits gehen Bewerbungen für die vierte Leberwurst der Woche ein. Höchste Zeit, die Gewinner der dritten Ausgabe bekannt zu geben:

Die bronzene Leberwurst geht an Bill Nigut von der US-Amerikanischen Anti-Defamation League (ADL), die angibt, Antisemitismus, Bigotterie und Extremismus zu bekämpfen. Nigut hat einen neuen Übeltäter ausgemacht: Rabbi Ralph Messer, der als messianischer Jude auftritt, also propagiert, dass Jesus Gottes Sohn sei und an die Wahrhaftigkeit von altem und neuem Testament zu glauben vorgibt, sich aber dennoch als Jude bezeichnet. Doch es ist nicht etwa diese etwas exotische Selbstpositionierung, welches die ADL-Sittenwächter auf den Plan gerufen hat, und auch nicht die Tatsache, dass Messer als Missionar Millionen mit Merchandising-Produkten scheffelt. Auch dass Messer sich von Bischof Eddie Long der evangeilkalen New Birth Missionary Baptist Church zum Abhalten einer Messe einladen liess, war unproblematisch, ebenso, dass ebendieser Long im September 2010 von vier Kirchenmitgliedern wegen sexuellen Übergriffen verklagt worden war und einer Strafverfolgung durch aussergerichtliche Vergleiche zuvorgekommen war.

Nein, anstössig war aus ADL-Sicht nur, dass Messer als Show-Einlage Long in eine mehrere Meter lange und angeblich 312 Jahre alte Torah eingewickelt hatte. Die bronzene Leberwurst ist redlich verdient, aber vielleicht sollte die ADL mal die Bedeutung des Wortes Bigotterie im Wörterbuch nachschlagen.

Auch die silberne Leberwurst geht diese Woche in die USA, und zwar an die Vertreter der katholischen Kirche, die sich empören, dass sich ihre Subunternehmen – Spitäler, Internate und dergleichen – an die weltlichen Gesetze halten müssen. Die Gesundheitsreform der USA bringt einen Ausbau der betrieblichen Krankenkassen mit sich und sie haben alle den gesetzlichen Leistungskatalog abzudecken, inklusive der Erstattung für Empfängnisverhütungskosten. Pillen und Kondome sind aber aus Sicht der lautstarken katholischen Kirchenoberen selbstredend noch immer des Teufels – auch wenn das die eigenen Schäfchen kaum interessiert: Gemäss Daten der staatlichen Centers for Disease Control and Prevention haben rund 98% aller US-Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren mindestens eine Form von Empfängnisverhütung angewandt, weniger als fünf Prozent der Katholikinnen sollen auf Methoden setzen, die der rigiden offiziellen katholischen Doktrin entspricht.

Doch um die beleidigte Leberwurst rauszuhängen, brauchen Katholibans keinen Rückhalt der eigenen Basis. Sie schmollen und drohen Obama mit politischem Liebesentzug, wenn er ihren Unternehmungen keine Sonderbehandlung zubilligt. Die silberne Leberwurst ist also ordentlich verdient – auch wenn die Sorge um weltliche Fremdbestimmung übertrieben sein mag. Denn zumindest bei den unternehmenseigenen Schulen könnte sich das Problem bald erledigen, gehen katholische «Bildungsstätten» in den USA doch reihenweise zu.

Der erste Preis in der Form der beleidigten goldenen Schweinsleberwurst geht diese Woche an den iranischen obersten Gerichtshof. Dieser hielt ein Todesurteil gegen den iranischstämmigen Software-Entwickler Saeed Malekpour aufrecht. Er wurde der Beleidigung der «Heiligkeit des Islam» und der «Korruption auf der Erde» beschuldigt. Das konkrete Vergehen des in Kanada lebenden 35-Jährigen: Er hatte ein Tool zum Austausch von Fotos entwickelt, welches ohne sein Wissen von einem Pornoanbieter verwendet wurde. Er wurde verhaftet, als er in den Iran eingereist war, um seinen kranken Vater zu besuchen. Malekpour hatte zunächst unter Folter ein Geständnis abgelegt, dieses jedoch später widerrufen. Der Gerichtshof hatte deshalb ursprünglich ein Urteil eines Teheraner Gerichts aufgehoben. Aber nun entschieden die Richter, dass die Teilnahme am Wettbewerb um die beleidigte Leberwurst wichtiger sei als das Einstehen für das ohnehin unislamische Prinzip der Rechtsstaatlichkeit. Dafür gibt’s klar Gold…

Die Kampagne People Without Nation setzt sich für die Freilassung Malekpours ein. Sie betreibt auch eine Facebook-Seite, die aktuelle Berichte zu seinem Fall verlinkt.

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