27. Juni 2012 7:28

Lippenstift und hohe Absätze – wie die EU jungen Frauen Wissenschaft schmackhaft machen will

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Eines hat die EU-Kampagne «Science – it’s a girl thing», die junge Frauen zu einem Einstieg in die Wissenschaft animieren will, in Windeseile erreicht: Aufmerksamkeit. Allerdings wohl nicht so, wie es sich deren Macher vorgestellt hatten. Kaum war das Teaser-Video online, setzte ein veritabler Shitstorm ein – im Nu war die vierte von sechs Stufen auf der von Daniel Graf und Barbara Schwede entwickelten Shitstorm-Skala erreicht:

Stufe 4 der Shitstorm-Skala von Daniel Graf und Barbara Schwede (feinheit.ch/blog/2012/04/24/shitstorm-skala)

Stufe 4 der Shitstorm-Skala von Daniel Graf und Barbara Schwede (feinheit.ch/blog/2012/04/24/shitstorm-skala)

Wie science-girl-thing.eu das hingekriegt hat? Mit einem knapp einminütigen Trailer, der im Wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von Gender-Klischees besteht: drei junge Frauen, herausgeputzt und High Heels tragend, verdrehen einem Mann in weissem Kittel, der hinter einem Mikroskop hervorschaut, mit lasziven Bewegungen den Kopf. Ein paar Lippenstift- und Chemielaborbilder später dann die Konklusion:

Die Macher argumentierten, das Video müsse die Sprache von jungen Frauen sprechen, um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten. Doch das Video bringt nicht nur platte Klischees, wie junge Frauen angeblich sind, es stellt auch keine wirkliche Verbindung zur Wissenschaft her oder dazu, was denn Wissenschaftlerinnen (und Wissenschafter) motiviert.

Dabei gelingt es der Kampagne sehr wohl , dies zu veranschaulichen: in zwölf kurzen Videoportraits, in denen meist junge (und nicht wie für den Laufsteg aufgetakelte) Forscherinnen auf verständliche Art erläutern, woran sie und ihre Institute arbeiten und was sie an ihrem Job fasziniert. Diese zwölf Filmchen liefern mehr als genug Material um den Claim «Science – it’s a girl thing» zu untermauern. Gerade die Kurzportraits beweisen: die dümmliche Botschaft der Trailers braucht es nicht.

Der Shitstorm hat inzwischen gewirkt: Der Trailer wurde zurückgezogen. Doch das Netz vergisst bekanntlich nicht. Wer will, kann ihn auf Youtube weiterhin «bewundern» (und die Kommentare lesen).

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