Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr: So geht es nicht!
Gestern war wieder einmal Multimobiltag, Zürichs Antwort auf den 22. September, dem Tag, an dem Dutzende von Städten – unter ihnen Dublin, Kiew, Palermo, Sofia, Taipeh und Tallinn – ihre Zentren oder zumindest einige Strassen als autofreie Zone gestalten. Zürich wollte in dieser Form noch nie mittun, veranstaltet aber seit über einem Jahrzehnt am einen Sonntag um dieses Datum herum den Multimobiltag.
Ein paar Strässchen in der Innenstadt werden dazu gesperrt und dienen als Kulisse für Spielangebote, Essens- und Informationsstände. Mit von der Partie sind Organisationen wie der VCS und umverkehR, Unternehmen wie myClimate und Mobility und auch die Stadt selbst.
Da war zum einen der viel versprechend klingende Stand «Stadtverkehr 2025». Unterlagen zur städtischen Verkehrsstrategie gab’s vor Ort dann doch keine, immerhin aber einen Flyer mit Hinweisen auf die Webadressen www.stadt-zuerich.ch/stadtverkehr2025 und www.facebook.com/stadtverkehr2025, der gross mit der Aufforderung «Machen Sie beim Stadtverkehr der Zukunft mit» betitelt ist. Immerhin.

DAV-Überlebenstipp an Strassenüberquerende:
Schaltet die Ampel auf Rot: Gehen Sie zügig weiter.
Einen eigenen Stand hatte, wie bereits in den Vorjahren, auch die Dienstabteilung Verkehr (DAV). Sie prägt die Gestaltung und Aufteilung der Verkehrsflächen stark mit. Es ist deshalb erfreulich, dass sie den Austausch mit der Bevölkerung sucht.
Der Auftritt misslang allerdings deutlich. Die DAV versuchte sich als Verkehrserzieherin und teilte auf grossen Tafeln mit, was die Farben auf Fussgängerampeln bedeuten.
Zielpublikum waren gemäss René Dubs, der Vor Ort Auskunft gab, in erster Linie Betagte – eine Bevölkerungsgruppe, die am Multimobiltag deutlich untervertreten ist. Gerade diese Gruppe dürfte sich der präsentierten Tatsache bewusst sein, dass eine Fussgängerampel typischerweise auf rot schaltet, bevor man auf der anderen Strassenseite angelangt ist, der Querverkehr sich aber noch ein paar Sekunden gedulden muss – und die Überlebenschancen deshalb durchaus intakt sind.
Auch wenn die Botschaft wohl gut gemeint war, als Stadt der erwachsenen Bevölkerung entgegenzutreten, um sie in den «Grundregeln beim Überqueren des Fussgängerstreifens» (so die fette Überschrift des verteilten Flyers) instruieren zu wollen, ist ungemein herablassend.
Rückemeldungen zu Verkehrsplanung einholen anstelle herablassender Kampagnen
Der DAV lege ich ans Herz, am nächstjährigen Multimobiltag die Bevölkerung dazu einzuladen, Rückmeldungen zu aktuellen Verkehrsbrennpunkten für Fussgänger und Velofahrer zu geben. Die Dialogbereitschaft scheint durchaus vorhanden: René Dubs nahm den Hinweis auf die selbst für Quartierbewohner verwirrende Verkehrsführung für Radfahrer rund um die umgestaltete Schmiede Wiedikon entgegen und versprach, ihn intern weiter zu leiten. Wenn dies zu einer Verbesserung führt, und sei es nur in Form einer Minimalvariante mit klarerer Beschilderung, hat sich die DAV-Präsenz am Multimobiltag bereits gelohnt. Und wenn man beispielsweise an die ebenfalls ganz neu ausgeheckte Verkehrsführung für Radfahrer am Escher-Wyss-Platz denkt, kann die Dienstabteilung von weiteren Rückmeldungen aus der Bevölkerung für künftige Projekte nur profitieren.
















Hier gibt es übrigens ein schönes Bild des DAV-Standes:
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=470301116325066&set=a.470300062991838.105431.213791828642664
Es illustriert bestens, welch unüberwindbares Hindernis die DAV für Velofahrer ist…