18. Oktober 2012 15:54

Spanischer Kolonialismus versus katalanischer Sprachenfetischismus

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José Ignacio Wert und Xavier Trías

José Ignacio Wert und Xavier Trías

Die Katalanen haben einen neuen Lieblingsfeind, den spanischen Bildungsminister José Ignacio Wert. Er verkündete, es sei Regierungsinteresse, die katalanischen Kinder zu «spanisieren» (españolizar).

Bei den Katalanen weckt dies äusserst ungute Erinnerungen, waren doch Katalanisch, Baskisch und Galizisch unter dem Regime des Faschisten Franco verboten. Die harschen Reaktionen aus Barcelona sind deshalb verständlich, selbst die katalanischen Sozialisten, die sich eben erst gegen eine Loslösung Kataloniens von Spanien ausgesprochen haben, verlangen den Rücktritt Werts.

Die beständige Kränkung durch die Zentralregierung verleitet katalanische Politiker allerdings nicht selten zu einem ähnlich ungeniessbaren Sprachenfetischismus. So hielt der katalanische Bürgermeister Xavier Trías an der 6. internationalen Rethinking Cities-Konferenz, die letzte Woche über die Bühne ging, sein Grusswort mit Ausnahme von ein paar einleitenden englischen Sätzen auf katalanisch. Er zelebrierte Barcelona als Stadt von globaler Bedeutung, die grossen Wert auf Inklusion aller Bevölkerungsgruppen lege.

Die Katalanen waren an der Konferenz mit über 300 Teilnehmenden aus der ganzen Welt nicht wirklich übervertreten. Für die meisten Anwesenden war die Konferenzsprache Englisch (es gab Simultanübersetzungen nach Spanisch und Katalanisch) eine Fremdsprache. Der Werbespot – das Bestehen auf katalanisch war rein als politisches Signal gedacht, sein Englisch war so gut wie das vieler anderer Teilnehmer – hatte genau die gegenteilige Wirkung: Der Auftritt des Alcalde wirkte durch und durch provinziell. Das dürfte ihn wenig kümmern, denn das Signal galt nicht der Konferenz sondern seinen Wählern und allenfalls der Madrider Zentralregierung.

Immerhin: Trías’ Stellvertreter Antoni Vives, der im Gegensatz zu Trías an Panels und Workshops auch inhaltlich mitwirkte, punktete mit prägnanten Voten, in aller Selbstverständlichkeit auf Englisch vorgetragen. Leute wie Vives dürften für die Katalanen letztlich mehr herausholen.

 

P.S. Für die Wochenzeitung P.S. habe ich einen Bericht zur Rethinking Cities-Konferenz erstellt. Er ist hier als PDF verfügbar.

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