Artikel, einsortiert unter "Wissenschaft"
Informatik, Wissenschaft »
Er ist bereits zwei Jahre alt, der Patent-Antrag von Microsoft mit dem Titel «Clustering phylogenetic variation patterns». Doch erst kürzlich haben Wissenschafter bemerkt, wofür genau Microsoft Erfinderschutz beantragt. Phylogenese bezeichnet die stammesgeschichtliche Entwicklung der Arten. Bereits Darwin nutzte Baumstrukturen, um die Verwandtschaftsgrade verschiedener Artenbildlich darzustellen.
Zu Darwins Zeiten wurden vor allem morphologische und – bei lebenden Arten – physiologische Merkmale verglichen: Ähnlichkeiten im Körperbau oder funktionelle Gemeinsamkeiten von Gewebe und Organen bei verschiedenen Arten gelten als Indiz für eine gemeinsame Vergangenheit. Heute dominieren molekulargenetische Analysen: Je grösser die Übereinstimmung von Gensequenzen, als desto näher verwandt gelten zwei Arten. Analysiert man Daten einer grösserer Menge von Arten, lassen sich Stammbäume erstellen, deren Verästelungen aufzeigen, in welcher Reihenfolge neue Arten aus gemeinsamen Vorfahren entstanden.
Genau hier setzt das Microsoft-Patent an.
Kulturelles, Wissenschaft »
«Quacks & Cures» lautete der Titel des gestrigen Abends, zu dem der Wellcome Trust in London Euston eingeladen hatte. Gastredner waren Ben Goldacre, Autor des Buches «Bad Science» und die Medizinhistorikerin Roberta Bivins. Goldacre sprach über den Placebo-Effekt, die eigentliche Geschäftsgrundlage der Quacksalberzunft, Bivins über die besondere Bedeutung Londons als Handelsplatz und Nährboden der Quacksalberei.
Goldacre brachte vorwiegend Beispiele aus seinem Buch, in dem er – immer auf Gruppenstudien verweisend – beispielsweise aufzeigt, dass rote Zuckerpillen belebender wirken als blaue und dass vier Zuckerpillen besser wirken als zwei…
In eigener Sache, Wissenschaft »
Die Zeit der Suche nach Strandlektüre ist angebrochen. Deshalb hier ein Lesetipp, der bestens zum Darwin-Jahr passt: «Cognitive Archaeology and Human Evolution», soeben bei Cambridge University Press erschienen.
Die Autoren untersuchen die Rahmenbedingungen, welche zur Entwicklung wichtiger kognitiver Fähigkeiten geführt haben. Das Buch schlägt eine Brücke von der Archäologie zur Neuropsychologie und zeigt auf, inwieweit prähistorische Funde Auskunft darüber geben können, welche geistigen Fähigkeiten notwendig waren, um Werkzeuge, Schmuck und anderes zu fabrizieren.
Das Buch ist friedfertiger als die Bibel, wissenschaftlicher als der Koran, unterhaltsamer als Dianetik und leichter als ein Telefonbuch.
Der erste Teil kann online angesehen werden, so auch der Beginn des Kapitels, welches ich beigesteuert habe. Für den Liegestuhl und den ungekürzten Lesegenuss empfiehlt sich aber natürlich die Tote-Bäume-Ausgabe. Also unbedingt kaufen!
Die einzelnen Kapitel:
Sophie A. de Beaune: The emergence of cognitive abilities: The contribution of neuropsychology to archaeology
Sophie A. de Beaune: Technical invention in the Palaeolithic: What if the explanation comes from the cognitive and neuropsychological sciences?
Andreas Kyriacou: Innovation …
Sonderbares, Wissenschaft »
Die Kügeli-Dealer im weissen Kittel freuen sich: Nach dem vorhersehbaren klaren «Ja» der Stimmberechtigten zur Komplementärmedizinvorlage können sie davon ausgehen, dass ihre Milchzuckerpräparate bald wieder von der obligatorischen Krankenkasse finanziert werden. Grund genug, das Glaubensgerüst dieser Disziplin in Erinnerung zu rufen.
Homöopathische Präparate werden in vier Phasen entwickelt:
Eine gesunde Person schluckt eine Substanz, von dem sich ein Homöopath eine Heilwirkung erhofft. Die zu beobachtenden Symptome (lies: Vergiftungserscheinungen) werden protokolliert. Bei der Wahl der Mittel zeigen sich die Homöopathen nicht eben zimperlich. So gehört beispielsweise auch Hundekot zu den so erprobten (und empfohlenen!) Ausgangsstoffen.
Die Substanz wird nun als Kur für die beobachteten Symptome klassifiziert.
Die (zumeist zerriebene) Substanz wird verdünnt, typischerweise, indem sie mit 9 oder 99 Teilen Wasser vermischt wird. Dieser Verdünnungsvorgang wird mehrfach, teilweise hundertfach wiederholt.
Die Annahme ist, dass je stärker verdünnt die Mischung ist, desto stärker ihre Wirkung. Die Homöopathen nennen dies Potenzierung.
Präparate, die in mehrfachen Zehnerpotenzen verdünnt wurden, tragen eine Bezeichnung wie D20, welche besagt, dass …
Wissenschaft »
Heute vor 20 Jahren verstarb Konrad Lorenz, einer der Gründerväter der vergleichenden Verhaltensforschung. Zusammen mit Nikolaas Tinbergen entwickelte er in den 1930er Jahren dieInstinkttheorie, die auf der Annahme basierte, das Verhalten von Tieren werde durch klar gegeneinander abgrenzbare Instinkte verursacht und gelenkt. Tinbergen entwickelte mit den Vier Grundfragen der Biologischen Forschung ein methodisches Gerüst, um Verhalten zu deuten: 1. Wie wird ein Verhalten beispielsweise chemisch oder physiologisch realisiert? 2. Wie verändert sich dieses Verhalten im Laufe des Lebens des Individuums? 3. Wie lässt sich das Verhalten mit demjenigen verwandter Arten vergleichen? 4. Wie wirkt sich das Verhalten auf die Überlebens- und Reproduktionschance aus?
Der Ansatz von Lorenz und Tinbergen setzte auf der von Darwin geprägten Evolutionslehre auf, stellte aber das Verhalten, nicht körperliche Merkmale in den Vordergrund. Für kooperatives Verhalten postulierte Lorenz einen inneren Drang zur Arterhaltung. Seine Annahme war, Individuen würden andere Individuen, die enger mit ihnen verwandt sind, häufiger verschonen als solche, die es weitläufiger sind. Hiernach müssten …
Politik, Wissenschaft »
Die Anliegen der Initianten der Komplementärmedizin-Vorlage klingen nachvollziehbar: Sanfte Heilmethoden sollen durch die Aufnahme in den kassenpflichtigen Leistungskatalog aufgewertet werden, die Wahlfreiheit bezüglich Behandlungsmethoden soll für Patienten erhöht werden und die Erforschung der Komplementärmedizin soll intensiviert werden.
Gemäss Umfragen befürwortet eine Mehrheit der Bevölkerung die Wiederaufnahme der Komplementärmedizin in die obligatorische Krankengrundversicherung. Und das dürfte mit ein Grund sein, wieso kaum einer genauer hinschaut, man will es sich von links bis rechts nicht mit dem Volk verderben.
Es gibt aber gute Gründe, eben doch genauer hinzusehen. In einer kleinen Serie werden auf diesem Blog deshalb die Initiative, das Umfeld der Initianten, die einzelnen Angebote, mögliche Kostenfolgen und dergleichen ausgeleuchtet.
Beginnen wir mit einem Blick auf die Anbieter: Die Initianten betonen, dass sie daran interessiert sind, dass nur seriöse Leistungserbringer in den Genuss von Krankenkassenvergütungen kommen. Doch unabhängig davon, wie man die fünf Leistungsarten bewertet, die von 1999 bis 2006 in die Grundversicherung Aufnahme gefunden hatten: Das Umfeld der …
Kulturelles, Wissenschaft »
Pünktlich zu Darwins Geburtstag am 12. Februar wurde sie eröffnet, die Ausstellung «Es war einmal ein Fink». Was mit einem witzigen Plakat als Sonderausstellung angekündigt wird, entpuppt sich vor Ort im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern als kleine Schaukastensammlung im zweiten Stock.
In einer ersten Vitrine wird das Prinzip der Mutation anhand einer Genmanipulation an der Fruchtfliege, dem erstmaligen Auftreten von blauen Augen beim Menschen vor rund 6000 Jahren und ungewöhnlichen Fellfarben aufgrund von hohen oder tiefen Melaninanteilen erläutert. Der nächste Kasten ist dem Thema Variation gewidmet und zeigt, wie beim Mäusebussard und der Hummel-Ragwurz-Orchidee innerhalb derselben Art gewisse Merkmale sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Daneben wird auf das Prinzip der Selektion eingegangen und am Beispiel des Hornkäfers gezeigt, wie sexuelle Selektion der Anpassungsfähigkeit an die Umwelt entgegenwirken kann und wie der Mensch beim Hund durch Zucht auf dessen Evolution Einfluss nahm. Die drei Kästen sind zwar logisch angeordnet und sollen aufzeigen, wie Mutationen zu Variationen in einer Bevölkerung …
Wissenschaft »
Sie stehen stellvertretend für die beiden ersten fundamentalen Kränkungen des Menschen: Galileo Galilei und Charles Darwin. Ersterer bestätigte vor 400 Jahren mit seinen Beobachtungen des Sternenhimmels durch ein Teleskop Kopernikus’ These, dass die Erde um die Sonne kreise. Zweiterer präsentierte vor 150 Jahren mit seinem Werk On the Origin of Species eine schlüssige Erklärung für die Entwicklung der Arten.
Aus religiöser Sicht waren (und sind) die erfahrenen Kränkungen in der Tat fundamental: Unser Planet bildet mitnichten das Zentrum des Universums und der Mensch ist kein nach irgend einem göttlichen Ebenbild geschaffenes Wesen. Logisch, dass beide Wissenschafter von der jeweiligen Staatskirche bekämpft wurden. Galileo wurde durch die Inquisitoren gezwungen, seine Schlussfolgerungen zu widerrufen. Und Darwin wurde von Vertretern der anglikanischen Kirche geächtet.
Die beiden Forscher und ihre monumentalen Beiträge zu unserem naturwissenschaftlichen Verständnis werden dieses Jahr gebührlich gefeiert, 2009 ist zugleich das Internationale Jahr der Astronomie und das Darwin-Jahr.
Und so langsam scheinen sich auch die Kirchen daran zu gewöhnen, dass ihre eigenen Weltbilder reformbedürftig …
Wissenschaft »
Am vergangenen Montag luden der Hochschulableger Life Science Zurich, die Stiftung Science et Cité und das PR-Büro advocacy in die Buchhandlung und Bar sphères zur diesmonatigen Science Bar ein. Hier eine leicht verspätete Rückschau auf den Abend zum Thema «Spukt es in der Welt oder im Hirn?», an dem der Neuopsychologe Peter Brugger und der Physiker und Psychologe Walter von Lucadou auftraten.
Peter Brugger geht davon aus, dass sich scheinbar übersinnliche Erlebnisse am besten dadurch erklären lassen, dass unser Hirn uns gelegentlich einen Streich spielt. Er interessiert sich deshalb vornehmlich für neuronale Strukturen und deren Funktionieren und erforscht Unterschiede zwischen Menschen, welche als skeptische Denker gelten und denjenigen, die sich schnell für übersinnliche Deutungen erwärmen. Die zweite Gruppe neigt unter anderem eher dazu, Ereignisse, die kurz hintereinander auftreten, in einen bedeutungsvollen Zusammenhang zu stellen, beispielsweise wenn jemand anruft, an den man eben gedacht hat. Das Bilden solcher Assoziationen wird durch Prozesse in der rechten Hirnhälfte begünstigt. Und die scheint bei Menschen mit einem Hang …






