Artikel mit dem Tag 'Dachschaden'
Sonderbares »
Giorgio Girardet ist Waldenser mit einer Mission: Er hat sich ganz dem Kampf für den bedingungslosen Erhalt des Schweizer Kirchenstaatsrechts verschrieben.
Deshalb sind seit geraumer Zeit auch nicht mehr die Katholiken oder die Muslime, denen er lautstark als auf den jüngsten Tag wartender Christ die Minarette verbieten wollte, seine Feinde – sondern die Freidenker.
Denn die erklärten Säkularisten sind es, welche seine heilige Welt gefährden, in der nicht der Rechtsstaat sondern Kirche und Militär den Tarif durchgeben. Girardet, in seiner Wohngemeinde Bubikon – EVP und EDU kommen dort zusammen auf 15% Wähleranteil – als Kirchenpfleger für das Ressort «Gottesdienst und Musik zuständig», stört sich an der medialen Präsenz der Freidenker. Deshalb bloggt und kommentiert er gegen sie an, wo er nur kann.
Und auch in den Printmedien möchte er sich ach so gerne mitteilen. Eine Tirade gegen den Lehrer und Präsidenten der Walliser Freidenker, Valentin Abgottspon, wollte er diese Woche in der BaZ unterbringen – doch die wollte nicht.
Politik, Sonderbares »
Der Berner Jung-SVP-ler Erich Hess geht gerne mit gutem Beispiel voran. So auch beim Thema Energie sparen. In einem Aufsehen erregenden Selbstversuch ist es ihm gelungen, den Stromverbrauch seines eigenen Gehirns um 40% zu reduzieren!
Statt der üblichen 20 Watt verbraucht Hessens Schaltzentrale lediglich 12 Watt – ganz ohne Komforteinbruch, wie Hess betont: Er übt weiterhin mit vollem Elan seine Jobs als Lastwagenfahrer und Grossrat aus.
Ärzte warnen allerdings dennoch vor Nachahmung und verweisen auf die in seinem Gastbeitrag auf NZZVotum sichtbaren Nebenwirkungen.
Politik »
Wahljahre liefern vorzügliches Datenmaterial für allerlei profunde Analysen. Nicht nur das Wählerverhalten und die daraus resultierenden Veränderungen der Parteistärken lassen sich untersuchen, nein auch die Profile der kandidierenden Politiker lassen Auswertungen zu. Insbesondere Cluster-Analysen können zu neuen Erkenntnissen führen.
Aus aktuellem Anlass deshalb eine Kategorisierung von SVP-Politikern: drei – nicht zwingend überschneidungsfreie – Grundtypen lassen sich ausmachen:
Ein bedeutsames Cluster bilden die Lobbyisten, die in erster Linie als Interessensvertreter politisieren. Hierzu zählen Personen wie der Schwyzer SVP-Ständerat Alex Kuprecht (Bâloise), Jürg Stahl (Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz, Groupe Mutuel), Caspar Baader (Swissoil), Hansjörg Walter (Schweizerischer Bauernverband) oder Elmar Bigger (Schafzuchtverein) und viele andere.
Gretchenfrage »
Zum zweiten Mal durfte am vergangenen Samstag Roger Liebi, Wanderprediger des Kreationismus mit treuer Gefolgschaft, auf Einladung der Winterthurer Freidenker einem heterogen zusammengesetzten Publikum seine Weltsicht erklären.
Schöpfungsgeschichten standen – anders als an der Veranstaltung vom September 2009 – diesmal jedoch nicht im Zentrum, sondern die Frage, ob Ethik theologisch oder biologisch und gesellschaftlich zu erklären sei. Auch diesmal wurde das Thema in der Form eines Streitgesprächs beleuchtet, moderiert von Kurt Schmid, Präsident der Winterthurer Freidenker. Liebis Kontrahentin war diesmal die Neurologin und Freidenkerin Maja Strasser.
Maja Strasser führte in die Stufentheorie des moralischen Verhaltens ein und argumentierte, dass moralisches Verhalten zu einem guten Teil erlernt werden müsse, dass aber viele Werte von Gläubigen und Ungläubigen geteilt würden. Roger Liebi versuchte dies damit zu begründen, dass eben auch von Maja Strasser und andere Nichtgläubige von «christlichen» Werten beeinflusst seien. Strasser attestierte er grosszügigerweise, sie sei «keine Gefahr für den Rechtsstaat»…
Liebi aber sieht in der Gottlosigkeit ein Risiko: Gläubige könnten in ihrem …
Gretchenfrage, Politik »
Wölfe haben im Wallis eine geringe Überlebensschance. Und auch Umweltschützer wurden schon mehrfach bedroht. Nun versucht man sich eines Vertreters einer weiteren Spezies zu entledigen, die so gar nicht ins katholische Biotop passen will. Die Gemeinde Stalden – ein Vorort von Visp mir gut 1100 Einwohnern – entliess den Oberstufenlehrer Valentin Abgottspon fristlos. Der Grund: Abgottspon hatte sich geweigert, das Kreuz, das er vor geraumer Zeit aus seinem Schulzimmer entfernt hatte, wieder aufzuhängen. Abgottspon weiss sich im Recht, immerhin hatte das Bundesgericht im Jahr 1990 festgehalten, dass Kruzifixe auf Wunsch der Eltern zu entfernen sind. Und im Jahr 2009 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass ein Kruzifixzwang nicht mit der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) zu vereinbaren ist. Abgottspon hatte als Präsident der Walliser Freidenker die kantonale Dienststelle für Unterrichtswesen in einem Schreiben aufgefordert, die Schulleiter an das Bundesgerichtsurteil zu erinnern und bemängelte zudem, dass das Vorbereiten kirchlicher Feste wie Erstkommunion oder Firmung im Werken, Singen und Deutsch die Religionsfreiheit …
Gretchenfrage, Wissenschaft »
“Un spectacle comique gratuite, une blage” nannte gemäss Le Temps eine Besucherin die Werbeveranstaltung des türkischen Kreationisten Adnan Oktar vorgestern in Lausanne. Schabernack ist es in der Tat, was Oktar, der lieber unter seinem “Künstlernamen” Harun Yahya auftritt, zu bieten hat.
So vergleicht er in seinem “Atlas of Creation” das Fossil einer aalartigen Kreatur mit dem angeblichen Foto eines zeitgenössischen Aals, um darzulegen, dass sich die Ordnung der aalartigen Fische (Anguilliformes) über Millionen von Jahren nicht verändert habe. Dummerweise ist das abgebildete Tier allerdings eine Schlange… An anderer Stelle bringt er Schlangen- und Seesterne durcheinander. Beide gehören zu den Stachelhäutern und sind nebeneinander wunderbares Anschauungsmaterial für real existierende Evolution – die Existenz des Seesterns stellt hingegen definitiv keinen Beweis für das unveränderte Auftreten von Schlangensternen über einen Zeitraum von 200 Millionen Jahren dar, wie uns Märchenonkel Oktar glauben machen will.
Das wohl skurrilste Argument aus der Urfassung des Buchs stellt aber wohl seine Schwurbelei zu Köcherfliegen dar. Auch zu dieser Ordnung …
Gretchenfrage, Sonderbares »
Religionsführer zeigen sich besorgt: Kindsmissbrauch, Terroraufrufe und Betrügereien prägen die Schlagzeilen über ihre Gemeinschaften. Um davon abzulenken haben sie hinter verschlossenen Türen eine neue Trendsportart entwickelt: Das Narrenpriesterduell: Es soll die Vertreter der Religionsgemeinschaften in einem humorvollen Licht zeigen. Zugelassen sind alle Würdenträger grosser und kleiner Religionsgruppen. Die Aufgabe: mit einer möglichst grotesken Auslegung ihrer heiligen Schriften Schlagzeilen produzieren.
Bei der weltweiten Erstdurchführung treten der österreichische Diözesanbischof Klaus Küng (links) und der saudische Scheich und Regierungsberater Abdul Mohsin al-Abaican (leider kein Bild vorhanden) gegeneinander an.
Klaus Küng tritt an mit dem schalkhaften Vorschlag, wiederverheiratete Geschiedene könnten die Kommunion empfangen, sollten sie ihre sexuelle Gemeinschaft nicht fortführen und «wie Bruder und Schwester» leben.
Scheich Abdul «Comical» Mohsin al-Abaican hingegen schlägt vor, dass das islamische Verbot für Frauen und Männer, die nicht derselben Familie angehören, sich in einem gemeinsamen Raum aufzuhalten, umgangen werden könnte, indem die Frauen den Männern ein Glas Brustmilch zum Trinken gäben (selbstredend ab Glas!). Dieses «Säugen» würde die Männer wie eigene …
In eigener Sache, Politik, Sonderbares »
Der Berner CVP-Politiker Henri-Charles Beuchat – er war vor knapp einem Monat hier zu Gast – scheut sich nicht, Themen anzugehen, für die anderen der Mut oder die Weitsicht fehlen. So kämpft er unerschrocken gegen rote Ampeln, für die Vergünstigung von SBB-Gemeindetageskarten um mehrere Franken, für ein durch die öffentliche Hand koordiniertes Bäume-Sponsoring und dafür, dass das Bad im Stadtberner Bärenpark einen Namen erhält.
Nun hat Beuchat ein neues Thema entdeckt, den Persönlichkeitsschutz – und zwar für sich selbst. Per eingeschriebenem Brief lässt er mich wissen, dass es seine Persönlichkeit verletzte, als ich den Blog-Beitrag zu seiner Person mit einem Portrait schmückte, welches ich seinem Wahlflyer entnommen und so öffentlich zugänglich gemacht machte.
Eine Debatte über «fair use», Zitatrecht und die schwammigen Grenzen des Persönlichkeitsschutzes für «Personen des öffentlichen Lebens» zu führen, dürfte wenig ergiebig sein. Ich komme Herrn Beuchats Wunsch nach weniger Öffentlichkeit für sein Konterfei selbstredend gerne ohne Rechtsstreit entgegen. Deshalb ab sofort und exklusiv auf …
Gretchenfrage, Politik, Sonderbares »
Die Schweizer Hardcore-Evangelikalen dürfen sich freuen: Sie kriegen Verstärkung – von ihren muslimischen Brüdern. Der türkische Kreationist Adnan Oktar – er tritt für gewöhnlich unter dem Pseudonym Harun Yahya auf – missioniert nun also auch in der Schweiz. Am 28. Mai lädt er seine Groupies ins Zürcher Kongresshaus ein:
Oktar bemüht sich intensiv, seine christlichen Mitstreiter abzuholen: Auf jesuskommtzuruck.com schwurbelt er von der Rückkehr Jesu’ und davon, dass sich Muslime und Christen unter den «wahren moralischen Werten der Religion versammeln» werden. Der Wertekanon, den er propagiert, dürfte das Herz eines jeden EDU-lers höher schlagen lassen:
Es gibt heutzutage eine große Gefahr, die den Zusammenhalt der Gesellschaften auf der Welt bedroht. So wie ein Virus einen menschlichen Körper tötet, bringt diese Gefahr einen schleichenden sozialen Kollaps. Diese Gefahr besteht in der Herabwürdigung solcher moralischer Werte, die eine gesunde Gesellschaft aufrecht erhalten. Homosexualität, Prostitution, vorehelicher und außerehelicher Geschlechtsverkehr, Sexualverbrechen, Pornographie, sexuelle Belästigung und der Anstieg von Geschlechtskrankheiten sind eine Reihe wichtiger Indikationen für den …
Gretchenfrage, Politik, Wirtschaft »
Das präventive Kuschen vor religiösen Fundamentalisten nimmt immer skurrilere Formen an: Das Bundesverwaltungsgericht stützt (PDF) einen Entscheid des Institutes für Geistiges Eigentum (IGE), den Begriff «Madonna» nicht als Marke zuzulassen, da eine Eintragung der Marke «die religiösen Gefühle von Personen christlich-katholischen Glaubens» verletzen könnte (NZZ), sie wäre deshalb «sittenwidrig».
Keine Rolle spiele, dass Italien den Begriff als Marke zugelassen habe, «Madonna!» im Italienischen auch nicht-religiös verwendet werde und dass «unter dem Namen ‹Madonna› auch die bekannte US-Sängerin zu Berühmtheit gelangt sei», «da es ausreicht, wenn eine von mehreren Bedeutungen geeignet ist, das religiöse Empfinden zu verletzen.»
Als «Beweisführung», wie es um das katholische Gruppenempfinden stehen muss, wird angeführt, dass im Tessin gemäss Volkszählung 2000 75% Katholiken wohnen und dass auch in der Deutschschweiz Orte existierten, an denen Maria in Gestalt einer Madonna verehrt wird. Dies genügt dem Gericht als Beweisführung, da «die Zurückweisung wegen Sittenwidrigkeit gerade ohne Stellungnahme von betroffenen Personen verfügt werden darf». Die Richter stützen sich ausserdem auf den Grundsatz «wonach entscheidend ist, dass weite …






