Artikel mit dem Tag 'Dachschaden'
Politik »
Verschiedene Berner Homosexuellenverbände haben eine gemeinsame Plakat-Kampagne in öffentlichen Verkehrsmitteln lanciert, die auf Albanisch, Arabisch, Englisch, Französisch, Serbisch, Tamil und Türkisch zu Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben aufruft. «My son is gay. Why should I therefore love him any less?» steht beispielsweise in grosser Schrift, darunter – etwas kleiner – die deutschsprachige Übersetzung.
Die Plakate hängen in den Zügen der RBS und der BLS. Nicht mitmachen wollen aber die Entscheidungsträger des Ortsbusses Köniz und von Bernmobil, den Verkehrsbetrieben der Stadt Bern. Die Bernmobil-Pressesprecherin sagte gegenüber 20 Minuten: «Wir hängen in unseren Fahrzeugen keine Plakate auf, die wir selbst nicht verstehen».
Die Kampagne richtet sich jedoch explizit an Migrantengruppen, wie die Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern (hab) auf ihrer Website klarstellen.
In der Schweiz wurde in den letzten 30 Jahren eine rechtliche und gesellschaftliche Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen in weiten Bereichen erreicht. Für Homo-, bi- oder transsexuelle Migranten, Secondas oder Secondos ist die Situation jedoch schwierig geblieben. Sie müssen nicht nur für ihre Integration …
Gretchenfrage, Politik »
10’000 Euro kosten Bischof Williamson also seine öffentlichen Äusserungen, es habe im Nazi-Deutschland keine Gaskammern gegeben und es seien im zweiten Weltkrieg «nur» 200’000 bis 300’000 Juden umgekommen. Bereits 1989 hatte der Pius-Bruder Williams im Rahmen einer Messe im kanadischen Sherbrooke den Holocaust geleugnet. Die gestrige Verurteilung wegen Volksverhetzung durch das Amtsgericht Regensburg erfolgte aber wegen Äusserungen, die er im November 2008 im Rahmen eines Interviews mit schwedischen Fernsehreportern gemacht hatte – am Sitz des Priesterseminars der Piusbruderschaft im oberpfälzischen Zaitzkofen.
Vereinzelt melden sich Kritiker, die finden, dass solche Äusserungen im Rahmen der Meinungsfreiheit uneingeschränkt zulässig sein sollen und es nicht Aufgabe des Staates sei, Bullshit juristisch zu verurteilen.
Williamson vertritt allerlei Unsinn. Zwei Müsterchen aus seinen Predigten:
For indeed women’s trousers, as worn today, short or long, modest or immodest, tight or loose, open or disguised (like the “culottes”), are an assault upon woman’s womanhood and so they represent a deep-lying revolt against the order willed by God. …
Gretchenfrage, Politik »
Am Anfang stand ein Facebook-Eintrag von Michael Köpfli, Berner Stadtparlamentarier der Grünliberalen. Er kritisierte völlig zu Recht die Äusserungen Bischof Franz-Josef Overbecks in der ARD-Sendung «Benedikts Schweigen – sind wir noch Papst?» als «Homosexuellenhetze der übelsten Sorte». Auch zur Diskussionsrunde gehörte eine strenggläubige junge Katholikin, die sich nicht zu blöde war, die in der Sendung kritisierte Strategie eines Bischofs, einem Missbrauchsopfer vorzuwerfen, es kandalisiere, um den Ruf der Kirche zu beschmutzen, als «unglückliche Kommunikation» hinzustellen. Die Anprangerung dieser Äusserung in der Facebook-Gruppe lockte dann einen Facebook-Freund Köpflis auf den Plan, Henri Beuchat, Präsident der Stadtberner CVP amtierender Stadtrat und aktuell Grossratskandidat. Hier seine Worte im Original:
genau zuerst verbietet man das glockengeläut – verbannt die schriften aus dem öffentlichen leben – reisst kirchtürme nieder und vertreibt die christen in alle herren länder, damit sie ihren “reinrassigen” freidenkerstaat errichten können.
Selbstredend war im Thread weder von Glockengeläut noch vom Niederreissen von Kirchtürmen die Rede…
Es gibt eigentlich nur zwei Lesarten …
Gretchenfrage, Politik »
Das Wort zum Sonntag
Eine pakistanische Gruppe von Christen, der Christian Progressive Movement (CPM), organisierte diese Woche eine Demo gegen das Schweizer Minarettverbot, wie die englischsprachige pakistanische Zeitung «The Nation» berichtet.
Addressing the gathering, Chairperson CPM Naila J Dayal said that the decision of Switzerland was condemnable and shameful. She said that it was the fundamental right of the minority to enjoy its religious freedom anywhere in the world.
Was auf den ersten Blick nach religionsübergreifender Solidarität (und allenfalls dem berechtigten Vertreten eigener Minderheiteninteressen vor Ort) klingt, nimmt aber schnell eine ungemütliche Wende:
She alleged that the Jewish lobby was behind this heinous exercise, adding that the aforementioned lobby wants conflict between Muslims and Christians for its vested interests.
Politik, Sonderbares »
Er hätte sich dieselbe Tiefe wie Breite in der Debatte gewünscht, meinte Justizdirektor Markus Notter in seinem Schlussvotum zur EDU-Initiative «Nein zum Sterbetourismus im Kanton Zürich». In der Tat uferte die Debatte reichlich aus. Die Initiative verlangt in der Form einer allgemeinden Anregung folgendes:
Der Kanton Zürich erlässt rechtliche Bestimmungen, welche jegliche Beihilfe zum Selbstmord an Personen ohne mindestens einjährigen Wohnsitz im Kanton Zürich (Sterbetourismus) nicht gestatten und unter Strafe stellen.
Die Initiative verstösst klar gegen Bundesrecht, Artikel 115 des Strafgesetzbuchs regelt das Thema Suizidhilfe abschliessend:
Wer aus selbstsüchtigen Beweggründen jemanden zum Selbstmorde verleitet oder ihm dazu Hilfe leistet, wird, wenn der Selbstmord ausgeführt oder versucht wurde, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.
Vertreter von AL, SP, Grünen, Grünliberalen, CVP und FDP stellten unmissverständlich klar, dass die Kantone nicht die Kompetenz haben, eigene Strafrechtsnormen einzuführen und Tätigkeiten zu untersagen, für die das Bundesrecht keine gesetzlichen Schranken vorsieht. Ebenso erinnerten sie daran, dass die Zürcher Kantonsverfassung die …
Politik »
Pünktlich zum Schuljahresbeginn am vergangenen 17. August hatten sie begonnen, die Kurse für Sans-Papiers in der Autonomen Schule Zürich. Die «Familie Moos» – ein Pseudonym der Initianten und Träger – hatte dazu die Räumlichkeiten des zuvor Jahre lang stehenden Schulpavillons Allenmoos II in Zürich-Oerlikon in Beschlag genommen. Im Zentrum standen Deutschkurse, welche von den Migranten besonders gesucht waren. Doch auch andere Sprachen wurden angeboten, ebenso Computerkurse und beispielsweise ein Solarenergie-Workshop (siehe auch WOZ-Artikel vom 15.10.09). Am Eröffnungstag sagte der Vorsteher der kantonalen Sicherheitsdirektion, Hans Hollenstein, gegenüber dem Schweizer Fernsehen, dass man nicht gedenke zu intervenieren und bekräftigte, dass die Initianten sinnvolle Integrationsarbeit leisteten.
Doch seit heute Morgen ist Schluss: Die Stadtzürcher Polizei räumte den Pavillon und machte die Räumlichkeiten unbrauchbar. Der offizielle Grund gamäss Polizeisprecher Mario Cortesi: Die Stromversorgung sei nicht gewährleistet, man habe sich mit den Betreibern diesbezüglich nicht einigen können. Diese hatten, da die Versorgung längst unterbrochen war, die Zuleitung zu einer Strassenlaterne angezapft. Beide …
Sonderbares »
Es ist unvermeidliches Jahresendritual: Scharlatane aller Couleur melden sich zu Wort und machen Scheinprognosen zum neuen Jahr. Ganz vorne in die Reihe stellen sich wie immer die Astrologen. 20 Minuten kann es nicht lassen, für drei dieser Zunft auch noch als Sprachrohr zu dienen.
Es ist ungemein tiefgründig, was die selbsternannten PrognostikerInnen anzukünden haben. Monika Kissling, Scharlatante der Nation, besipielsweise meint: «Es kann im nächsten Jahr zu einer weiteren grösseren Krise kommen. Ein Ende der aktuellen Erholung ist zu erwarten». Caterina Congi, quasi ein Kissling-Spin-Off kann’s noch unverbindlicher: «Zu Beginn des neuen Jahres ist mit erhöhter Gewaltbereitschaft zu rechnen. Sehr kritisch sind auch die Monate Juni bis August». Und sie hält Streiks, Proteste und Demos für denkbar. Sie erhebt also nicht einmal den Anspruch, dass irgendetwas eintritt, nein, es genügt, dass Ereignisse denkbar sind. Claude Weiss, mit Kissling über den Vorstand des Schweizer Astrolügenbundes ebenfalls verbandelt, bleibt nicht weniger seicht. Zur internationalen Diplomatie meint er: «Die …
Politik »
Es besteht kein Zweifel: Die Mehrheit derjenigen, die am vergangenen Sonntag abstimmten, hat uns nicht nur einen unsinnigen Verfassungszusatz eingebrockt sondern auch einen, der zusammen mit der Gottesanrufung in der Präambel reichlich ungemütlich klingt:
«Im Namen Gottes des Allmächtigen [...] Der Bau von Minaretten ist verboten.»
Es besteht für mich kein Zweifel: Diese einzige Referenz auf das Baurecht, diese interreligiöse Wettbewerbsverzerrung, dieser Stellvertretersatz gehört nicht in die Verfassung und er soll daraus wieder entfernt werden. Der einzige Weg dazu führt über eine Volksabstimmung. Die Forderung nach einem «revote» darf deshalb durchaus gestellt werden. Und da darf sich gerne auch Dani Cohn-Bendit einreihen.
Nur: Der Cohn’sche Plan, den er der Zeitung Le Temps verrät und welcher das Umdenken bei den Ja-SagerInnen herbei führen soll, zeugt von einer unglaublichen Arroganz und von einer gefährlich demokratiefeindlichen Haltung:
La plus formidable des ripostes – mais je rêve – serait que les plus riches des pays musulmans retirent leur argent des banques suisses. Vider …
Gretchenfrage, Sonderbares »
Gestern lud die freie evangelische Gemeinde Maur zu einem Filmabend mit anschliessendem Vortrag. Thema: «Hat die Bibel doch recht? –Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise». Das Filmchen kommt zuweilen dramaturgisch geschickt, dazwischen aber reichlich wirr daher und enthält ein Potpourri von Fehlinterpretationen, bewussten Verzerrungen und der obligaten Nazi-Keule. Wissenschaftlich haltbare Gegenargumente gegen die Evolutionstheorie hingegen fehlen. Doch vom Film soll nicht weiter die Rede sein. Wer drei Viertel Stunden Lebenszeit investieren will, kann die elf Jahr alte Produktion in fünf Teilen auf Youtube sehen.
Faszinierender war der Auftritt des Gastreferenten Dieter Aebi. Der Herr ist studierter Jurist und schrieb vor drei Jahren das Buch «Prozessakte Evolution», indem er der wissenschaftlichen Beweisführung den Prozess zu machen versucht. Einige Kostproben lieferte er in seiner Alleinunterhalterrolle. So präsentierte er beispielsweise auf einer Folie eine Sammlung von Schätzungen des Erdzeitalters, die von 4.6 Milliarden Jahren bis zu 4000-6000 Jahren reichten. Die erste Schätzung basiert auf radiometrischen Messungen, letztere Zahlen werden von Bibelexegeten …
Politik, Wirtschaft »
Am gestrigen Ustertag schwadronierte Doris Leuthardals Gastrednerin von Gerechtigkeit.
Der Ustertag ist eine Feier der liberalen Wende im Kanton Zürich – eine direkte Folge der Massendemonstration vom 22. November 1830 in Uster, an der die Vertreter der unterdrückten Landbevölkerung gegen die herrschenden Aristokraten aufbegehrt hatten.
Leuthard stellte – so die Nachrichtenagentur AP – ihr Referat unter das Motto, das am Internationalen Gericht im niederländischen Den Haag prangt: «Wenn du Frieden willst, dann sorge für Gerechtigkeit.» Es sollte allerdings eine reichlich idiosynkratische Form von Gerechtigkeit werden, welche die Christdemokratin dann konkret bewarb.
«Auch Staaten und Regierungen könnten ein Ungerechtigkeitsgefühl auslösen» meinte Leuthard, nur um sofort klar zu stellen, was sie unter «Liberalismus» verstand: «etwa durch Schutzzölle gegenüber unliebsamer Konkurrenz.»
Waffenlieferungen ans Unrechtsregime von Saudiarabien hingegen lösen bei Leuthard bekanntermassen keinerlei Ungerechtigkeitsgefühle hervor – und ihrer Einschätzung nach wohl auch nicht bei der saudischen Bevölkerung. Die versteht sicher, dass sich deren Militärpolizei im Namen eines gerechten Welthandels in der Schweiz mit Waffen eindeckt, um …






