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Artikel mit dem Tag 'Evolution'

Gretchenfrage, Politik, Wissenschaft »

[4 Jan 2011 | Ein Kommentar | 1.671 mal angeschaut]
Auf ins 2011 mit der Beagle oder der Arche Noah?

Zwei Schiffbauprojekte, beide vor wenigen Jahren lanciert, sollen dieses Jahr entscheidend vorangebracht werden. Da ist zunächst einmal der Plan, die Arche Noah nach «biblischen Masssstäben» zu bauen. Ark Encounter heisst das Projekt, welches im US-Bundesstaat Kentucky verwirklicht werden soll:
Und dann soll die HMS Beagle, mit der einst Charles Darwin seine berühmte Forschungsreise unternommen hatte, nachgebaut werden:
Bei beiden Projekten soll die Realisierung dieses Jahr beginnen, und auf den ersten Blick scheint es sich beide Male um Nostalgieprojekte zu handeln. Doch bei genauerem Hinsehen könnten sie unterschiedlicher nicht sein!
Mit der Arche – sie soll gemäss Eigendarstellung die grösste Holzkonstruktion der USA werden –  wollen die Erbauer den «Beweis» antreten, dass die alttestamentarische Geschichte über Noah, die grosse Flut und den göttlich inszenierten Genozid echt ist:
The Ark is one of the best-known historical accounts in the Bible. Independent research has shown that millions will come to see it, and learn how it and the Flood were real events in history.
Eins …

Gretchenfrage, Politik, Sonderbares »

[8 Mai 2010 | 11 Kommentare | 2.231 mal angeschaut]
Islamischer Kreationismus: Harun Yahya missioniert nun auch in der Schweiz

Die Schweizer Hardcore-Evangelikalen dürfen sich freuen: Sie kriegen Verstärkung – von ihren muslimischen Brüdern. Der türkische Kreationist Adnan Oktar – er tritt für gewöhnlich unter dem Pseudonym Harun Yahya auf – missioniert nun also auch in der Schweiz. Am 28. Mai lädt er seine Groupies ins Zürcher Kongresshaus ein:

Oktar bemüht sich intensiv, seine christlichen Mitstreiter abzuholen: Auf jesuskommtzuruck.com schwurbelt er von der Rückkehr Jesu’ und davon, dass sich Muslime und Christen unter den «wahren moralischen Werten der Religion versammeln» werden.  Der Wertekanon, den er propagiert, dürfte das Herz eines jeden EDU-lers höher schlagen lassen:
Es gibt heutzutage eine große Gefahr, die den Zusammenhalt der Gesellschaften auf der Welt bedroht. So wie ein Virus einen menschlichen Körper tötet, bringt diese Gefahr einen schleichenden sozialen Kollaps. Diese Gefahr besteht in der Herabwürdigung solcher moralischer Werte, die eine gesunde Gesellschaft aufrecht erhalten. Homosexualität, Prostitution, vorehelicher und außerehelicher Geschlechtsverkehr, Sexualverbrechen, Pornographie, sexuelle Belästigung und der Anstieg von Geschlechtskrankheiten sind eine Reihe wichtiger Indikationen für den …

Gretchenfrage, Sonderbares »

[25 Nov 2009 | 7 Kommentare | 2.492 mal angeschaut]
Die Welt verstehen – heute mit Dieter Aebi, Kreationist mit einer Mission

Gestern lud die freie evangelische Gemeinde Maur zu einem Filmabend mit anschliessendem Vortrag. Thema: «Hat die Bibel doch recht? –Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise». Das Filmchen kommt zuweilen dramaturgisch geschickt, dazwischen aber reichlich wirr daher und enthält ein Potpourri von Fehlinterpretationen, bewussten Verzerrungen und der obligaten Nazi-Keule. Wissenschaftlich haltbare Gegenargumente gegen die Evolutionstheorie hingegen fehlen. Doch vom Film soll nicht weiter die Rede sein. Wer drei Viertel Stunden Lebenszeit investieren will, kann die elf Jahr alte Produktion in fünf Teilen auf Youtube sehen.
Faszinierender war der Auftritt des Gastreferenten Dieter Aebi. Der Herr ist studierter Jurist und schrieb vor drei Jahren das Buch «Prozessakte Evolution», indem er der wissenschaftlichen Beweisführung den Prozess zu machen versucht. Einige Kostproben lieferte er in seiner Alleinunterhalterrolle. So präsentierte er beispielsweise auf einer Folie eine Sammlung von Schätzungen des Erdzeitalters, die von 4.6 Milliarden Jahren bis zu 4000-6000 Jahren reichten. Die erste Schätzung basiert auf radiometrischen Messungen, letztere Zahlen werden von Bibelexegeten …

In eigener Sache, Wissenschaft »

[1 Jul 2009 | Noch kein Kommentar | 633 mal angeschaut]

Die Zeit der Suche nach Strandlektüre ist angebrochen. Deshalb hier ein Lesetipp, der bestens zum Darwin-Jahr passt: «Cognitive Archaeology and Human Evolution», soeben bei Cambridge University Press erschienen.
Die Autoren untersuchen die Rahmenbedingungen, welche zur Entwicklung wichtiger kognitiver Fähigkeiten geführt haben. Das Buch schlägt eine Brücke von der Archäologie zur Neuropsychologie und zeigt auf, inwieweit prähistorische Funde Auskunft darüber geben können, welche geistigen Fähigkeiten notwendig waren, um Werkzeuge, Schmuck und anderes zu fabrizieren.
Das Buch ist friedfertiger als die Bibel, wissenschaftlicher als der Koran, unterhaltsamer als Dianetik und leichter als ein Telefonbuch.
Der erste Teil kann online angesehen werden, so auch der Beginn des Kapitels, welches ich beigesteuert habe. Für den Liegestuhl und den ungekürzten Lesegenuss empfiehlt sich aber natürlich die Tote-Bäume-Ausgabe. Also unbedingt kaufen!
Die einzelnen Kapitel:

Sophie A. de Beaune: The emergence of cognitive abilities: The contribution of neuropsychology to archaeology
Sophie A. de Beaune: Technical invention in the Palaeolithic: What if the explanation comes from the cognitive and neuropsychological sciences?
Andreas Kyriacou: Innovation …

Gretchenfrage, Politik »

[31 Mai 2009 | Noch kein Kommentar | 842 mal angeschaut]

Wort zum Sonntag
Die Stadtberner Parlamentarier der Grünen Freien Liste und der EVP, die zusammen eine Fraktionsgemeinschaft bilden, haben ein gravierendes gesellschaftliches Problem entdeckt: Viele Schüler wissen nicht, wieso sie an Feiertagen frei haben. Dies ist ihnen ungeheuer und sie lieferten in der Form einer dringenden Motion eine Lösung: Die Lehrer – wer denn sonst? – sollen’s richten. Sie wollen die Lehrkräfte aller Klassen der Volksschule dazu verpflichten, «jedes Jahr vor jedem gesetzlichen Feiertag die Schülerinnen und Schüler kurz über den Sinn und Inhalt des Feiertages zu informieren».
Die Motionäre stören sich an der Verweltlichung der ehemals christlichen Feiertage und meinen, es könne nicht angehen, «dass Schulabgänger Ostern in erster Linie mit Osterhasen und Eiern assoziieren.» Die Schule soll also zwangskorrigieren, was die Aussenwelt vermittelt. Die Motion wurde am vergangenen Donnerstagabend tatsächlich mit 32 zu 29 Stimmen überwiesen – unter anderem dank der fleissigen Unterstützung der Freisinnigen. Liebe GFL- und FDP-Parlamentarier: Nehmt doch den …

Wissenschaft »

[27 Feb 2009 | Noch kein Kommentar | 771 mal angeschaut]

Heute vor 20 Jahren verstarb Konrad Lorenz, einer der Gründerväter der vergleichenden Verhaltensforschung. Zusammen mit Nikolaas Tinbergen entwickelte er in den 1930er Jahren dieInstinkttheorie, die auf der Annahme basierte, das Verhalten von Tieren werde durch klar gegeneinander abgrenzbare Instinkte verursacht und gelenkt. Tinbergen entwickelte mit den Vier Grundfragen der Biologischen Forschung ein methodisches Gerüst, um Verhalten zu deuten: 1. Wie wird ein Verhalten beispielsweise chemisch oder physiologisch realisiert? 2. Wie verändert sich dieses Verhalten im Laufe des Lebens des Individuums? 3. Wie lässt sich das Verhalten mit demjenigen verwandter Arten vergleichen? 4. Wie wirkt sich das Verhalten auf die Überlebens- und Reproduktionschance aus?
Der Ansatz von Lorenz und Tinbergen setzte auf der von Darwin geprägten Evolutionslehre auf, stellte aber das Verhalten, nicht körperliche Merkmale in den Vordergrund. Für kooperatives Verhalten postulierte Lorenz einen inneren Drang zur Arterhaltung. Seine Annahme war, Individuen würden andere Individuen, die enger mit ihnen verwandt sind, häufiger verschonen als solche, die es weitläufiger sind. Hiernach müssten …

Gretchenfrage, Sonderbares »

[15 Feb 2009 | Noch kein Kommentar | 745 mal angeschaut]

Das Wort zum Sonntag
«Ich stamme lieber von Gott ab als von einem Affen» meint ein Kommentator des Tages-Anzeiger-Interviews mit Pius-Bruder Franz dem Schrecklichen. Die Wunschäusserung hat zwar wenig mit dem Interview-Inhalt zu tun, ist aber irgendwie nachvollziehbar. Den Primaten wurde durch die Evolution ein überdimensionierter Frontallappen mit auf den Weg gegeben. Die damit verbundenen kognitiven Fähigkeiten bringen einen allerdings zuweilen arg ins Grübeln. Die Leichtigkeit des Seins erreicht wohl eher, wer frei von derlei Ballast ist.

Kulturelles, Wissenschaft »

[14 Feb 2009 | Ein Kommentar | 1.016 mal angeschaut]

Pünktlich zu Darwins Geburtstag am 12. Februar wurde sie eröffnet, die Ausstellung «Es war einmal ein Fink». Was mit einem witzigen Plakat als Sonderausstellung angekündigt wird, entpuppt sich vor Ort im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern als kleine Schaukastensammlung im zweiten Stock.
In einer ersten Vitrine wird das Prinzip der Mutation anhand einer Genmanipulation an der Fruchtfliege, dem erstmaligen Auftreten von blauen Augen beim Menschen vor rund 6000 Jahren und ungewöhnlichen Fellfarben aufgrund von hohen oder tiefen Melaninanteilen erläutert. Der nächste Kasten ist dem Thema Variation gewidmet und zeigt, wie beim Mäusebussard und der Hummel-Ragwurz-Orchidee innerhalb derselben Art gewisse Merkmale sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Daneben wird auf das Prinzip der Selektion eingegangen und am Beispiel des Hornkäfers gezeigt, wie sexuelle Selektion der Anpassungsfähigkeit an die Umwelt entgegenwirken kann und wie der Mensch beim Hund durch Zucht auf dessen Evolution Einfluss nahm. Die drei Kästen sind zwar logisch angeordnet und sollen aufzeigen, wie Mutationen zu Variationen in einer Bevölkerung …

Wissenschaft »

[2 Jan 2009 | Noch kein Kommentar | 638 mal angeschaut]

Sie stehen stellvertretend für die beiden ersten fundamentalen Kränkungen des Menschen: Galileo Galilei und Charles Darwin. Ersterer bestätigte vor 400 Jahren mit seinen Beobachtungen des Sternenhimmels durch ein Teleskop Kopernikus’ These, dass die Erde um die Sonne kreise. Zweiterer präsentierte vor 150 Jahren mit seinem Werk On the Origin of Species eine schlüssige Erklärung für die Entwicklung der Arten.
Aus religiöser Sicht waren (und sind) die erfahrenen Kränkungen in der Tat fundamental: Unser Planet bildet mitnichten das Zentrum des Universums und der Mensch ist kein nach irgend einem göttlichen Ebenbild geschaffenes Wesen. Logisch, dass beide Wissenschafter von der jeweiligen Staatskirche bekämpft wurden. Galileo wurde durch die Inquisitoren gezwungen, seine Schlussfolgerungen zu widerrufen. Und Darwin wurde von Vertretern der anglikanischen Kirche geächtet.
Die beiden Forscher und ihre monumentalen Beiträge zu unserem naturwissenschaftlichen Verständnis werden dieses Jahr gebührlich gefeiert, 2009 ist zugleich das Internationale Jahr der Astronomie und das Darwin-Jahr.
Und so langsam scheinen sich auch die Kirchen daran zu gewöhnen, dass ihre eigenen Weltbilder reformbedürftig …

Gretchenfrage »

[21 Dez 2008 | 2 Kommentare | 1.054 mal angeschaut]

Roger Liebi ist ein Scharlatan*. Die Rede ist allerdings nicht vom SVP-Stadtratskandidaten sondern von seinem Namensvetter, über den der Tages-Anzeiger neulich gestolpert ist.
Dieser andere, parteilose, Roger Liebi ist Theologe mit “akademischen” Titeln vom privaten US-Amerikanischen Whitefield Theological Seminary, welches gemäss Selbstdarstellung (PDF) folgende Lehrsätze verficht:
(1) Biblical Inerrancy; (2) Biblical Creationism; (3) Justification by Faith alone; (4) Bodily resurrection and (5) Presbyterian form of government.
Roger Liebi hält regelmässig Referate bei evangelikalen Gruppen. Eines handelte von der Entstehung der Sprachen (Teil 1, Teil 2, total 110 Minuten). Liebi argumentiert, die menschliche Sprache hätte sich nicht etwa graduell entwickelt, sondern sei ganz gemäss Genesis-Darstellung dem Menschen gleich zu Anbeginn in vollendeter Form von Gott eingehaucht worden. Danach kam nur noch ein schleichender Zerfall, ausgelöst durch den sündigen Menschen.
Aus Sicht der Evolutionstheorie haben sich die Hirnareale, die uns zum Sprechen und Verstehen von Sprache befähigen, graduell entwickelt. Urformen der menschlichen Sprache bestanden wohl aus kurzen Äusserungen, deren Bedeutungen sich erst allmählich festigten. Nach und …