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Artikel mit dem Tag 'Grossbritannien'

Politik, Wirtschaft »

[11 Aug 2009 | Noch kein Kommentar | 346 mal angeschaut]
Das Ende von Liechtenstein

Geschätzte drei Milliarden Pfund horten Britische Staatsbürger in Liechtenstein, das ergibt immerhin für jeden Untertan des Fürsten eine knappe Million. Der allergrösste Teil dürfte bei der britischen Steuerbehörde nicht deklariert sein. Doch nun ist fertig lustig. Die beiden anachronistischen Monarchien haben ein Abkommen zum «Austausch von Informationen» unterzeichnet. Die geschätzten 5000 betroffenen Briten dürfen auf verringerte Bussen und Straffreiheit hoffen, wenn sie selbst Details über ihre Konten offenlegen. Während einer Übergangszeit bis 2015 gibt es für die britischen Bankkunden in Liechtenstein zudem ein paar Zückerchen, unter anderem die Möglichkeit einer Pauschalbesteuerung. In Liechtensteinischem Newspeak gesprochen:
“Damit schaffen wir für den Finanzplatz stabile und verlässliche Rahmenbedingungen und für den Kunden die Möglichkeit, eine attraktive Option zu nutzen”, sagte Regierungschef Klaus Tschütscher (Presseportal).
In Wirklichkeit ist das Abkommen bereits das dritte, welches Liechtenstein nach dessen Anerkennung des OECD-Steuerkooperationsstandards von aussen aufgezwungen wurde. Den Anfang machten die USA und Deutschland. Weitere EU-Länder werden folgen. Die «stabilen und verlässlichen Rahmenbedingungen» läuten wohl …

Kulturelles, Wissenschaft »

[11 Jul 2009 | Noch kein Kommentar | 298 mal angeschaut]
Ein Abend zu «Quacks & Cures»

«Quacks & Cures» lautete der Titel des gestrigen Abends, zu dem der Wellcome Trust in London Euston eingeladen hatte. Gastredner waren Ben Goldacre, Autor des Buches «Bad Science» und die Medizinhistorikerin Roberta Bivins. Goldacre sprach über den Placebo-Effekt, die eigentliche Geschäftsgrundlage der Quacksalberzunft, Bivins über die besondere Bedeutung Londons als Handelsplatz und Nährboden der Quacksalberei.
Goldacre brachte vorwiegend Beispiele aus seinem Buch, in dem er – immer auf Gruppenstudien verweisend – beispielsweise aufzeigt, dass rote Zuckerpillen belebender wirken als blaue und dass vier Zuckerpillen besser wirken als zwei…

Politik, Statistisches »

[1 Jun 2009 | Noch kein Kommentar | 114 mal angeschaut]

Update vom 1. Juni: Die Resultate der heute publizierten Umfrage von YouGov (PDF) sind in die untenstehende Grafik eingefügt. Sie bestätigen den allgemeinen Trend. Diese jüngste Umfrage basiert auf den Rückmeldungen von 5016 Personen und erlaubt deshalb auch regionale Prognosen. Erwähnenswert: In Schottland werden der SNP 29% der Stimmen vorausgesagt (2004: 20%), in London kommen die Grünen auf 12%, Labour und die Liberaldemokraten auf je 16%.

Vom 4. bis zum 7. Juni wird das Europaparlament neu gewählt. Ein Blick über den Ärmelkanal lohnt sich gleich mehrfach: Das Vereinigte Königreich ist nebst den Niederlanden das einzige EU-Mitglied, das seine Urnen am ersten dieser vier Wahltage öffnet. Die Europawahlen (sowie die in zahlreichen Regionen gleichzeitig stattfinden Lokalwahlen) gelten zudem als Lackmus-Test für die Labour-Regierung, die nicht erst seit den zahlreichen Schlagzeilen über missbräuchliche Spesenabrechnungen von Parlamentsmitgliedern unter Beschuss ist.
Umfragen zu den Wahlabsichten zeigen, dass sich Premier Gordon Brown warm anziehen muss, sehr warm: Zwei aktuelle Prognosen – von Populus für die …

Gretchenfrage »

[26 Feb 2009 | Noch kein Kommentar | 196 mal angeschaut]

Muslime haben in der englischen Stadt Leicester verlangt, dass der Koran in Bibliotheken nicht inmitten profaner Literatur untergebracht wird, nur das oberste Regal werde der Bedeutung des Buches gerecht. Der städtische Bibliotheksrat gab deshalb eine Weisung heraus, die sämtliche religiöse Schriften auf die top shelves verbannt – eine kluge Entscheidung, denn Briten wissen von den Auslagen der Zeitschriftenhändler, dass dort Werke zu finden sind, welche für Kinder und Jugendliche ungeeignet sind.
Christen befürchten nun allerdings, dass Kinder sich künftig für Harry Potter oder die Dark Materials-Trilogie entscheiden könnten, wenn sie nicht mehr an die Bibel rankommen. Ungeklärt bleibt zudem, ob in den Leicestermer Bibliotheken auch die Bücher, in denen zum Jihad gegen Nichtmuslime aufgerufen wird, künftig in den obersten Regale untergebracht werden oder ob diese als Lebenshilfefibeln besser zugänglich bleiben müssen.

Gretchenfrage, Politik »

[14 Dez 2008 | Noch kein Kommentar | 204 mal angeschaut]

Das Wort zum Sonntag
Ob’s an der Jahreszeit liegt? Religiöse Wirrköpfe bemühen sich aktuell mit besonders absurden Verlautbarungen um Schlagzeilen. In England verspricht der von Sozialhilfe lebende Imam und Rechtsanwalt Anjem Choudary seinen muslimischen Glaubensbrüdern die Verdammung in der Hölle, sollten sie an Weihnachtsfeiern teilnehmen. Und in der Schweiz betet Ex-Junkie und SVP-Aktivist Daniel Regli mit seiner putzigen Familienlobby für Regen während der nächstjährigen «Euro Pride», da er Homosexualität als Sünde betrachtet.
Selbstredend begründen sowohl Choudary wie auch Regli ihre Positionen mit Verweisen auf ihre jeweiligen religiösen Lieblingstexte. Entsprechend lau blieb die gesellschaftliche Unterstützung für die Sektierer.
Vielleicht sollten sie’s mal mit der Strategie des Leipziger Theologieprofessors Peter Zimmerling versuchen. Er empfiehlt seinen Schäfchen, beim Missionieren eine nicht-religiöse Alltagsprache zu verwenden und an populäre Kultur, etwa an Kinofilme, anzuknüpfen.
Hervorragend dazu geeignet wäre beispielsweise der Film «Religulous», in dem der US-Amerikanische Satiriker und Bill Maher eine ganze Palette an religiösen Wirrköpfen präsentiert. Damit sollte ihnen sogar das gelingen, wonach sich Zimmerling …

Informatik, Politik »

[17 Okt 2008 | Noch kein Kommentar | 153 mal angeschaut]

Die Welt scheint momentan ungewöhnlich verworren und nur noch schwer zu verstehen. Dass erst die Teilverstaatlichung der Bankenwelt den Kapitalismus so richtig zum Erblühen bringt, steht jedenfalls noch nicht in den Lehrbüchern.
Umso trostvoller, dass anderweitig Komplexität reduziert wird. Die staatlichen Allüberwacher brauchen fortan nur noch ein einziges Feindbild zu bemühen: Pädophile Terroristen. Die «Times» berichtet, dass islamische Terroristen ihre Angriffspläne am liebsten auf Pädophilen-Websites verstecken. Mittels Steganografie – dem Anreichern von Bilddaten mit fürs Auge unsichtbaren aber mittels Software auslesbaren Botschaften – werden geheime Informationen auf Kinderporno-Sites untergebracht. So jedenfalls die Annahme der Kriminologen, nachdem bei mehreren Personen, gegen die Razzien wegen Teilnahme an terroristischen Gruppierungen liefen, Tausende oder gar Zehntausende solcher Bilder gefunden wurden.
Der Bericht zeigt durch tiefgründige Analyse, dass sich die Täterprofile von Terroristen und Pädophilen frappant ähneln:
Another area investigators will want to explore is the similarity between the personalities of paedophiles and terrorists. “If they are going out, a lot of time is spent …

Politik »

[8 Okt 2008 | Noch kein Kommentar | 151 mal angeschaut]

Im Februar wurde die Intervention noch als notwendige Ausnahme von der Regel angekündigt: Die Britische Bank «Northern Rock» wurde verstaatlicht, der Verwaltungsrat rausgeschmissen und der CEO von der Regierung bestimmt. Am 29. September folgte dann der zweite Verstoss gegen die reine marktwirtschaftliche Lehre: Auch «Bradford & Bingley» wurde mit Staatsgeldern vor dem Kollaps gerettet.
Heute verabschiedet sich Grossbritannien endgültig von der Illusion der selbstheilenden Kräfte der Finanzmärkte. Staatsmittel gibt’s nun für alles was im British Banking Rang und Namen hat: Abbey, Barclays, HBOS, HSBC, Lloyds TSB, Nationwide Building Society, Royal Bank of Scotland und Standard Chartered (sieheBBC-Bericht).
Die wahre Ausnahme von der Regel: Die Nummer sieben unter den (bis heute nichtstaatlichen) Banken, die Co-operative Bank scheint ohne Subventionen der Steuerzahler über die Runden zu kommen. Mit ihren ethischen Prinzipien übt sie sich in freiwilliger Selbstbeschränkung – eine offenbar auch ökonomisch äusserst gesunde Praxis. Die britischen Steuerzahler und Stimmbürger müssten es ihr eigentlich zu danken wissen.

Politik, Sonderbares »

[14 Mai 2008 | Noch kein Kommentar | 143 mal angeschaut]

England und Wales modernisieren das Justizwesen! Kleine Unvollkommenheiten wie die fehlende Trennung von Legislative und Judikative bleiben zwar bestehen. Aber die Richter wollen sich volkstümlicher geben und haben sich deshalb von der Londoner Designerin Betty Jackson eine neue Arbeitsuniform schneidern lassen. Schlichter als das Vorgängermodell, das 300 Jahre den Standard setzte, kommt es daher. Und – unglaublich – die Richter verzichten künftig gar auf ihre Perücke. (Disclaimer: Die Neuerungen gelten nur für Zivilrichter. Strafrichter brauchen die Perücke weiterhin zum Persönlichkeitsschutz.)
Bei diesem Reformtempo werden aus Britannien (oder seinen Nachfolgerstaaten) womöglich innert weniger Jahrhunderte moderne Republiken.

Politik »

[8 Mai 2008 | Noch kein Kommentar | 141 mal angeschaut]

Die britische Labour-Regierung hat ein Problem. Sie dürfte bei den nächsten nationalen Wahlen aus dem Amt gefegt werden. Jedenfalls klatscht das Elektorat fleissig, wenn die Tories im Herrschaftsgebiet von Lizzy II für Ruhe und Ordnung sorgen wollen. Also versucht Labour die Konkurrenz beständig rechts zu überholen – was gar nicht so einfach ist bei Vorschlägen wie Benimm- und Marschierunterricht an (üblicherweise schulfreien) Samstagen für nichtkonforme Kinder (ein erstes Versprechen des neuen Londoner Bürgermeisters Boris Johnson).
Doch Labour gibt sich noch nicht geschlagen. Jacqui Smith, Ministerin für innere Sicherheit, will nun staatliche Stalking- und Mobbing-Truppen auf die Beine stellen, die dem sich unroyal benehmenden Gesindel auflauern sollen:
Police should be harassing badly behaved youths by openly filming them and hounding them at home to make their lives as uncomfortable as possible, the home secretary will say today.
Die Generalprobe hat in Essex bereits stattgefunden – mit vollem Erfolg, wie ein involvierter Polizist berichtet:
A four-day blitz in Basildon, which was followed …

Politik »

[6 Mai 2008 | Noch kein Kommentar | 115 mal angeschaut]

Das britische Visual Images, Identifications and Detections Office zieht Bilanz (s.Guardian):
Massive investment in CCTV cameras to prevent crime in the UK has failed to have a significant impact, despite billions of pounds spent on the new technology, a senior police officer piloting a new database has warned. Only 3 percent of street robberies in London were solved using CCTV images, despite the fact that Britain has more security cameras than any other country in Europe.
Das beinahe lückenlose Ueberziehen der Heimat Orwells mit Ueberwachungskameras hat also ausser Milliardenspesen nichts gebracht. Welche Lehren zieht man nun daraus? Es braucht eine nationale Datenbank, bessere Software und viel mehr Auswertungen, damit die Verbrecherbekämpfungsrate gesenkt werden kann. Das kann natürlich nur gut sein:
The charity Victim’s Voice, which supports relatives of those who have been murdered, said it supported more effective use of CCTV systems. «Our view is that anything that helps get criminals off the street and prevents crime is …