Artikel mit dem Tag 'Junk Science'
Kulturelles, Wissenschaft »
Patrik Etschmayer schrieb im vergangenen September in seiner nachrichten.ch-Kolumne von der Bullshit-Kultur:
«Astrologie, Homöopathie, Wünschelruten, Handauflegen, Akupunktur, Hellseher, Geistheiler, Ufo-Entführungen, Löffelverbiegen und allerlei Religionen. Doch auch in der Klimadiskussion, der Gentechnikdebatte und vielen anderen politischen Themen wird fleissig BS serviert und von der Öffentlichkeit vielfach als Fakt geschluckt, ohne zu bemerken, dass die Argumente die Qualität von Stierexkrementen haben.
Ein Problem bei all diesen Themen ist vielfach, dass es bei einigen Leuten geradezu als Schick gilt, von Naturwissenschaften und deren Methoden keinen blassen Schimmer zu haben und deshalb weiss man auch nicht, wie man es vermeiden kann, sich selbst zu täuschen und die eigenen Sehnsüchte über die Realität zu stellen.»
Man soll es nicht beschönigen: Wissenschafter scheitern leider allzu oft beim Demaskieren des Bullshits. Kunstschaffende scheinen da erfolgreicher zu sein – gerade auch, weil man ihnen zubilligt, die Dinge beim Namen zu nennen. Zum Beispiel Tim Minchin…
Gretchenfrage »
«Schöpfungslehre kontra Wissenschaft» – so lautete der Titel einer kontradiktorischen Debatte, zu der gestern die Winterthurer Freidenker eingeladen hatten. Den wissenschaftlichen Standpunkt nahm der Biologe und Chemiker Toni Bürgin ein, der seit 1996 das Naturmuseums St Gallen leitet. Den Kreationismus vertrat der evangelikale Missionar Roger Liebi.
Diskussionsleiter Kurt Schmid eröffnete die Debatte mit der Präsentation eines versteinerten Trilobiten, der aus wissenschaftlicher Sicht rund 450 Millionen Jahre alt ist. Roger Liebi sah dies freilich etwas anders: Die Bibel geht von einem Erdzeitalter von nur rund 6000 Jahren aus, ergo muss der versteinerte Gliederfüsser noch jüngeren Datums sein. Das versteinerte Sediment, aus dem der Trilobit herausgelöst wurde, entstand gemäss Liebi durch die Sintflut. Er sprach den wissenschaftlich anerkannten Datierungsmethoden jede Verlässlichkeit ab und brachte als «Gegenthesen» Messmethoden ins Spiel, welche aufgrund von Salz- und Metallkonzentrationen im Meer das Erdalter zu bestimmen versuchen, und präsentierte ein Sammelsurium an Schätzungen zwischen 11′ooo bis 21 Millionen Jahren. Dass diese offensichtlich unzuverlässigen Ansätze ebenfalls allesamt …
Informatik, Wissenschaft »
Er ist bereits zwei Jahre alt, der Patent-Antrag von Microsoft mit dem Titel «Clustering phylogenetic variation patterns». Doch erst kürzlich haben Wissenschafter bemerkt, wofür genau Microsoft Erfinderschutz beantragt. Phylogenese bezeichnet die stammesgeschichtliche Entwicklung der Arten. Bereits Darwin nutzte Baumstrukturen, um die Verwandtschaftsgrade verschiedener Artenbildlich darzustellen.
Zu Darwins Zeiten wurden vor allem morphologische und – bei lebenden Arten – physiologische Merkmale verglichen: Ähnlichkeiten im Körperbau oder funktionelle Gemeinsamkeiten von Gewebe und Organen bei verschiedenen Arten gelten als Indiz für eine gemeinsame Vergangenheit. Heute dominieren molekulargenetische Analysen: Je grösser die Übereinstimmung von Gensequenzen, als desto näher verwandt gelten zwei Arten. Analysiert man Daten einer grösserer Menge von Arten, lassen sich Stammbäume erstellen, deren Verästelungen aufzeigen, in welcher Reihenfolge neue Arten aus gemeinsamen Vorfahren entstanden.
Genau hier setzt das Microsoft-Patent an.
Kulturelles, Wissenschaft »
«Quacks & Cures» lautete der Titel des gestrigen Abends, zu dem der Wellcome Trust in London Euston eingeladen hatte. Gastredner waren Ben Goldacre, Autor des Buches «Bad Science» und die Medizinhistorikerin Roberta Bivins. Goldacre sprach über den Placebo-Effekt, die eigentliche Geschäftsgrundlage der Quacksalberzunft, Bivins über die besondere Bedeutung Londons als Handelsplatz und Nährboden der Quacksalberei.
Goldacre brachte vorwiegend Beispiele aus seinem Buch, in dem er – immer auf Gruppenstudien verweisend – beispielsweise aufzeigt, dass rote Zuckerpillen belebender wirken als blaue und dass vier Zuckerpillen besser wirken als zwei…
Politik »
Sie sind gar nicht so selten, die Skeptiker, die davon ausgehen, dass mit einem «Ja» zur Komplementärmedizin Heilmethoden und -mittelchen abgesegnet werden, deren Wirkung höchst zweifelhaft ist. Nicht wenige neigen aus verschiedenen Gründen dennoch zu einem «Ja». Eine Entgegnung auf die vier wohl am meisten genannten Schein-Gründe dafür:
1. Wenn jemandem die Placebo-Wirkung hilft, ist’s doch im Sinn des Patienten.
Jeder Hausarzt verwendet gelegentlich den Placebo-Effekt, da ein Teil der Patienten nicht von der Idee abzubringen ist, die Behandlung sei nur seriös, wenn sie wenigstens eine Pille mit auf den Weg kriegen.
Wenn aber ein Arzt nicht mehr zwischen seiner eigenen psychologischen Wirkung und derjenigen seiner abgegebenen Präparate unterscheiden kann, wird’s gefährlich. Primum non nocere – in erster Linie keinen Schaden anrichten – ist das oberste Gebot für jeden Arzt und jede Ärztin. Schäden können nicht nur durch Nebenwirkungen von Medikamenten entstehen sondern auch durch den Verzicht auf wirksame Interventionen.
2. Die Schulmedizin ist zu stark von der Pharma-Lobby kontrolliert. …
Politik »
Die Anthroposophie sei eine Fortsetzung der Homöopathie, welche das nötige Erklärungsmodell nachliefere. So pries unlängst der Winterthurer Hausarzt seine Disziplin an. Diese stand und steht in der Kritik, beispielsweise wegen der beträchtlichen Zahl an rassistischen Äusserungen in den Originaltexten von Rudolf Steiner.
Um zu würdigen, inwieweit die Anthroposophie heute als ernsthaftes Erklärungs- oder zumindest als Handlungsmodell für das Gesundheitswesen brauchbar ist, sind weniger die Verlautbarungen Steiners als der Umgang mit ihnen durch die heutigen Vertreter von Belang. Wenn die Anthroposophie als Wissenschaft funktioniert, sollte es ihr leicht fallen, überholte und verquere Ansichten ihres Gründers hinter sich zu lassen und den Erkenntnisfortschritt innerhalb der Anthroposophie nach aussen zu tragen.
Machen wir den Lackmustest bei Ricardo Torriani selbst. Er veröffentlichte im Januar 2006 einen Artikel mit dem Titel «Die menschliche Konstitution als Ergebnis des Zusammenwirkens von oberem und unterem Menschen» im «Merkurstab», der Zeitschrift der anthroposophischen Ärzte. Und das klang so:
«Der Mensch – genau gesagt Ich und Astralleib – tritt …
Sonderbares, Wissenschaft »
Die Kügeli-Dealer im weissen Kittel freuen sich: Nach dem vorhersehbaren klaren «Ja» der Stimmberechtigten zur Komplementärmedizinvorlage können sie davon ausgehen, dass ihre Milchzuckerpräparate bald wieder von der obligatorischen Krankenkasse finanziert werden. Grund genug, das Glaubensgerüst dieser Disziplin in Erinnerung zu rufen.
Homöopathische Präparate werden in vier Phasen entwickelt:
Eine gesunde Person schluckt eine Substanz, von dem sich ein Homöopath eine Heilwirkung erhofft. Die zu beobachtenden Symptome (lies: Vergiftungserscheinungen) werden protokolliert. Bei der Wahl der Mittel zeigen sich die Homöopathen nicht eben zimperlich. So gehört beispielsweise auch Hundekot zu den so erprobten (und empfohlenen!) Ausgangsstoffen.
Die Substanz wird nun als Kur für die beobachteten Symptome klassifiziert.
Die (zumeist zerriebene) Substanz wird verdünnt, typischerweise, indem sie mit 9 oder 99 Teilen Wasser vermischt wird. Dieser Verdünnungsvorgang wird mehrfach, teilweise hundertfach wiederholt.
Die Annahme ist, dass je stärker verdünnt die Mischung ist, desto stärker ihre Wirkung. Die Homöopathen nennen dies Potenzierung.
Präparate, die in mehrfachen Zehnerpotenzen verdünnt wurden, tragen eine Bezeichnung wie D20, welche besagt, dass …








