Artikel mit dem Tag 'Junk Science'
Politik »
Sie sind gar nicht so selten, die Skeptiker, die davon ausgehen, dass mit einem «Ja» zur Komplementärmedizin Heilmethoden und -mittelchen abgesegnet werden, deren Wirkung höchst zweifelhaft ist. Nicht wenige neigen aus verschiedenen Gründen dennoch zu einem «Ja». Eine Entgegnung auf die vier wohl am meisten genannten Schein-Gründe dafür:
1. Wenn jemandem die Placebo-Wirkung hilft, ist’s doch im Sinn des Patienten.
Jeder Hausarzt verwendet gelegentlich den Placebo-Effekt, da ein Teil der Patienten nicht von der Idee abzubringen ist, die Behandlung sei nur seriös, wenn sie wenigstens eine Pille mit auf den Weg kriegen.
Wenn aber ein Arzt nicht mehr zwischen seiner eigenen psychologischen Wirkung und derjenigen seiner abgegebenen Präparate unterscheiden kann, wird’s gefährlich. Primum non nocere – in erster Linie keinen Schaden anrichten – ist das oberste Gebot für jeden Arzt und jede Ärztin. Schäden können nicht nur durch Nebenwirkungen von Medikamenten entstehen sondern auch durch den Verzicht auf wirksame Interventionen.
2. Die Schulmedizin ist zu stark von der Pharma-Lobby kontrolliert. …
Politik »
Die Anthroposophie sei eine Fortsetzung der Homöopathie, welche das nötige Erklärungsmodell nachliefere. So pries unlängst der Winterthurer Hausarzt Ricardo Torriani seine Disziplin an. Diese stand und steht in der Kritik, beispielsweise wegen der beträchtlichen Zahl an rassistischen Äusserungen in den Originaltexten von Rudolf Steiner.
Um zu würdigen, inwieweit die Anthroposophie heute als ernsthaftes Erklärungs- oder zumindest als Handlungsmodell für das Gesundheitswesen brauchbar ist, sind weniger die Verlautbarungen Steiners als der Umgang mit ihnen durch die heutigen Vertreter von Belang. Wenn die Anthroposophie als Wissenschaft funktioniert, sollte es ihr leicht fallen, überholte und verquere Ansichten ihres Gründers hinter sich zu lassen und den Erkenntnisfortschritt innerhalb der Anthroposophie nach aussen zu tragen.
Machen wir den Lackmustest bei Ricardo Torriani selbst. Er veröffentlichte im Januar 2006 einen Artikel mit dem Titel «Die menschliche Konstitution als Ergebnis des Zusammenwirkens von oberem und unterem Menschen» im «Merkurstab», der Zeitschrift der anthroposophischen Ärzte. Und das klang so:
«Der Mensch – genau gesagt Ich und Astralleib – …
Sonderbares, Wissenschaft »
Die Kügeli-Dealer im weissen Kittel freuen sich: Nach dem vorhersehbaren klaren «Ja» der Stimmberechtigten zur Komplementärmedizinvorlage können sie davon ausgehen, dass ihre Milchzuckerpräparate bald wieder von der obligatorischen Krankenkasse finanziert werden. Grund genug, das Glaubensgerüst dieser Disziplin in Erinnerung zu rufen.
Homöopathische Präparate werden in vier Phasen entwickelt:
Eine gesunde Person schluckt eine Substanz, von dem sich ein Homöopath eine Heilwirkung erhofft. Die zu beobachtenden Symptome (lies: Vergiftungserscheinungen) werden protokolliert. Bei der Wahl der Mittel zeigen sich die Homöopathen nicht eben zimperlich. So gehört beispielsweise auch Hundekot zu den so erprobten (und empfohlenen!) Ausgangsstoffen.
Die Substanz wird nun als Kur für die beobachteten Symptome klassifiziert.
Die (zumeist zerriebene) Substanz wird verdünnt, typischerweise, indem sie mit 9 oder 99 Teilen Wasser vermischt wird. Dieser Verdünnungsvorgang wird mehrfach, teilweise hundertfach wiederholt.
Die Annahme ist, dass je stärker verdünnt die Mischung ist, desto stärker ihre Wirkung. Die Homöopathen nennen dies Potenzierung.
Präparate, die in mehrfachen Zehnerpotenzen verdünnt wurden, tragen eine Bezeichnung wie D20, welche besagt, dass …
Politik, Wissenschaft »
Die Anliegen der Initianten der Komplementärmedizin-Vorlage klingen nachvollziehbar: Sanfte Heilmethoden sollen durch die Aufnahme in den kassenpflichtigen Leistungskatalog aufgewertet werden, die Wahlfreiheit bezüglich Behandlungsmethoden soll für Patienten erhöht werden und die Erforschung der Komplementärmedizin soll intensiviert werden.
Gemäss Umfragen befürwortet eine Mehrheit der Bevölkerung die Wiederaufnahme der Komplementärmedizin in die obligatorische Krankengrundversicherung. Und das dürfte mit ein Grund sein, wieso kaum einer genauer hinschaut, man will es sich von links bis rechts nicht mit dem Volk verderben.
Es gibt aber gute Gründe, eben doch genauer hinzusehen. In einer kleinen Serie werden auf diesem Blog deshalb die Initiative, das Umfeld der Initianten, die einzelnen Angebote, mögliche Kostenfolgen und dergleichen ausgeleuchtet.
Beginnen wir mit einem Blick auf die Anbieter: Die Initianten betonen, dass sie daran interessiert sind, dass nur seriöse Leistungserbringer in den Genuss von Krankenkassenvergütungen kommen. Doch unabhängig davon, wie man die fünf Leistungsarten bewertet, die von 1999 bis 2006 in die Grundversicherung Aufnahme gefunden hatten: Das Umfeld der …
Sonderbares »
Juheirassa, Atlantis wurde also endlich gefunden! Der Tages-Anzeiger berichtet von seltsamen Linien auf dem Meeresgrund in der Nähe der Kanarischen Inseln, die auf Google Ocean zu sehen sind:
Zwei Kommentatoren weisen darauf hin, dass es eine aussergewöhnlich grosse Stadt hätte gewesen sein müssen angesichts der Dimensionen von rund 110 x 160 km. Ein weiterer Leser warnt, dass die abgebildeten Satellitenbilder nicht unbedingt der Wirklichkeit entsprechen und verweist auf die Stelle 0° 0’21.07″N 94°50’2.05″E, die in Google Earth wie folgt aussieht:
Was ein überzeugter Ufologe sein will, lässt sich aber natürlich von derlei Nörgeleien nicht bremsen. Das klingt dann so:
Nun gilt es zu akzeptieren dass es Technisch Hoichinteligente Wesen gab und immer noch gibt, die keiner Menschenrasse angehören.”OPEN YOUR MIND”.
Speziell für den Schreiber dieses Leserbeitrags die Gesundheitswarnung von Tim Minchin, welchen man beim Tagesanzeiger als Kommentar nicht aufschalten mag:
Tim Minchin: If you open your mind too much, your brain will fall out
Update 17:20 Uhr: Die britische Zeitung Daily Mail …
Politik, Statistisches »
Ein Zürcher Gemeinderat zieht Bezahlmandate seiner Rolle als Volksvertreter vor und tritt ab. 20 Minuten fragt nun, ob dies symptomatisch sei und kommt zum Schluss, die Wirtschaft sei im Gemeinderat deutlich untervertreten.
Die Frage, ob Stellen in der Privatwirtschaft überdurchschnittlich schlecht mit einem Milizamt zu vereinbaren sind, verdient es durchaus, gestellt zu werden. Die Analyse, die 20 Minuten zusammengebastelt hat, gibt darauf allerdings trotz dramatischem Titel keinerlei Auskunft. Der 2. Abschnitt verrät, dass munter Äpfel und Birnen verglichen werden:
Laut dem kantonalen statistischen Amt haben 80 bis 90 Prozent der berufstätigen Zürcher eine Stelle in der Privatwirtschaft. Ein Blick auf die Berufe der städtischen Volksvertreter zeigt jedoch ein ganz anderes Bild: Klar weniger als die Hälfte der 125 Parlamentarier sind in der Privatwirtschaft beschäftigt. Lehrer und andere Beamte sowie Verbandsfunktionäre sind dagegen deutlich übervertreten.
Ein Parlament vertritt die Gesamtbevölkerung, nicht nur die werktätige, der Vergleich mit Berufstätigen alleine ist deshalb unsinnig. Es ist nur richtig, dass in einem Parlament mit …
Gretchenfrage »
Das Wort zum Tag
Gute Gaukler sind wunderbare Kleinkünstler. Sie trumpfen als Akrobaten, Jongleure, Zauberer oder Gedächtniskünstler scheinbar mit übernatürlichen Fähigkeiten auf – aber eben nur scheinbar. Der Reiz fürs Publikum liegt genau darin, dass klar bleibt, dass die Künstler in Wirklichkeit solide Handwerker sind, die bestens eingeübte, aber kaum zu durchschauende Tricks vorführen.
Es gibt allerdings auch solche, die sich nicht als gewöhnliche Strassen- oder Bühnenkünstler präsentieren mögen, ihr Vorgaukeln geht einen Schritt weiter. Sie behaupten, tatsächlich Fähigkeiten zu besitzen, die sie nicht haben und verpacken ihre Darstellungen in abenteuerliche Geschichten. Im dafür gebräuchlichen Etikett «Scharlatan» versteckt sich das italienische ciarlare, schwatzen. Knaurs Universallexikon definiert den Begriff entsprechend als «jemand, der sich durch Redegewandtheit zu Unrecht den Ruf eines Fachmannes verschafft (bes. in der Med.)». Scheinheiler dürften wohl tatsächlich die Mehrheit unter den Scharlatanen ausmachen. Doch es gibt sie auch in anderen Disziplinen – und das ist beileibe kein neues Phänomen. Johann Burckhardt Mencke, der in zweiter Generation die …
Gretchenfrage »
Roger Liebi ist ein Scharlatan*. Die Rede ist allerdings nicht vom SVP-Stadtratskandidaten sondern von seinem Namensvetter, über den der Tages-Anzeiger neulich gestolpert ist.
Dieser andere, parteilose, Roger Liebi ist Theologe mit “akademischen” Titeln vom privaten US-Amerikanischen Whitefield Theological Seminary, welches gemäss Selbstdarstellung (PDF) folgende Lehrsätze verficht:
(1) Biblical Inerrancy; (2) Biblical Creationism; (3) Justification by Faith alone; (4) Bodily resurrection and (5) Presbyterian form of government.
Roger Liebi hält regelmässig Referate bei evangelikalen Gruppen. Eines handelte von der Entstehung der Sprachen (Teil 1, Teil 2, total 110 Minuten). Liebi argumentiert, die menschliche Sprache hätte sich nicht etwa graduell entwickelt, sondern sei ganz gemäss Genesis-Darstellung dem Menschen gleich zu Anbeginn in vollendeter Form von Gott eingehaucht worden. Danach kam nur noch ein schleichender Zerfall, ausgelöst durch den sündigen Menschen.
Aus Sicht der Evolutionstheorie haben sich die Hirnareale, die uns zum Sprechen und Verstehen von Sprache befähigen, graduell entwickelt. Urformen der menschlichen Sprache bestanden wohl aus kurzen Äusserungen, deren Bedeutungen sich erst allmählich festigten. Nach und …
Wissenschaft »
Am vergangenen Montag luden der Hochschulableger Life Science Zurich, die Stiftung Science et Cité und das PR-Büro advocacy in die Buchhandlung und Bar sphères zur diesmonatigen Science Bar ein. Hier eine leicht verspätete Rückschau auf den Abend zum Thema «Spukt es in der Welt oder im Hirn?», an dem der Neuopsychologe Peter Brugger und der Physiker und Psychologe Walter von Lucadou auftraten.
Peter Brugger geht davon aus, dass sich scheinbar übersinnliche Erlebnisse am besten dadurch erklären lassen, dass unser Hirn uns gelegentlich einen Streich spielt. Er interessiert sich deshalb vornehmlich für neuronale Strukturen und deren Funktionieren und erforscht Unterschiede zwischen Menschen, welche als skeptische Denker gelten und denjenigen, die sich schnell für übersinnliche Deutungen erwärmen. Die zweite Gruppe neigt unter anderem eher dazu, Ereignisse, die kurz hintereinander auftreten, in einen bedeutungsvollen Zusammenhang zu stellen, beispielsweise wenn jemand anruft, an den man eben gedacht hat. Das Bilden solcher Assoziationen wird durch Prozesse in der rechten Hirnhälfte begünstigt. Und die scheint bei Menschen mit einem Hang …






