Artikel mit dem Tag 'Verkehr'
Politik »
In der Nacht auf morgen Samstag fahren sie nun bereits die zweite Woche im Halbstundentakt, die Wochenend-Nachtbusse der Verkehrsbetriebe Zürich VBZ. 1990, als der regionale Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ins Leben gerufen wurde, schien ein derartiges Angebot noch völlig undenkbar: In ebendiesem Jahr hatte die Stadtzürcher Bevölkerung eine Initiative der Humanistischen Partei für einen «VBZ-Nachtbetrieb» mit 77.5% der Stimmen abgelehnt. Erstaunlicherweise erhielt die Initiative, für die 9000 Unterschriften gesammelt worden waren – eine sonst kaum je erreichte Zahl – an der Urne schlussendlich keine 14′000 Stimmen.
Nachtbusangebote entstanden in den 1990er-Jahren im Raum Zürich dann doch – anfänglich aber ausschliesslich auf private Initiativen hin. Erste Betreiber erschlossen das linke Zürichseeufer, das Säuliamt und das Limmattal, es folgten Linien nach Winterthur, Schaffhausen und ins Glatttal. Der Glatttaler Bus hatte bereits eine politisch bewegte Geschichte hinter, als er schliesslich am 5. Juni 1994 zur Jungfernfahrt aufbrach. Drei Jahre lang hatten die privaten Initianten (zu denen ich auch gehört hatte) …
Politik, Wirtschaft »
TCS-Zentralpräsident Niklaus Lundsgaard-Hansen machte vor allem als Lobbyist von sich reden. Der frühere Adlatus von Adolf Ogi sitzt im Stiftungsrat (PDF) der «Stiftung Klimarappen», die bezweckt, die Einführung einer CO2-Abgabe zu verhindern und im Verwaltungsrat der «Mobilitätsakademie», einem weiteren Seitenast der Strassenlobby.
Doch nun macht er als Sanierer Schlagzeilen. Damit sich der Vorjahresverlust von 12 Millionen Franken nicht wiederholt, schliesst der TCS 24 Geschäftsstellen und stellt den Grossteil der rund 200 betroffenen Mitarbeiter dorthin, wo gemäss TCS das Leben ohnehin stattfindet: auf die Strasse.
Aufgegeben wird auch das Reisegeschäft. Hier springt der Branchenriese Kuoni – der im August selbst einen Verlust von 51 Millionen Franken ausgewiesen hatte, ein: Er übernimmt zehn Reisebüros inklusive Personal sowie die Marke «Reisen TCS». Gemäss TCS-Medienmitteilung war ein Grund für die Schliessung der Geschäftsstellen «das veränderte Konsumverhalten» – Internet und Call-Center machen Verkaufsfilialen weitgehend überflüssig. Man darf also gespannt sein, wie lange die Kuoni-Übergangslösung für die zehn Reisebüros wirklich dauert.
Wirtschaft »
Am 19. November 2008 sorgte die deutsche Solarworld AG mit einem irritierenden Angebot für Schlagzeilen: Sie wollte den deutschen Automobilhersteller Opel für eine Milliarde Euro übernehmen – unter der Bedingung, dass Solarworld eine Kompensationszahlung in derselben Höhe erhielte. Der ausschliesslich in der Solartechnologie aktive Konzern wollte nach eigenen Angaben «Opel zum ersten ‘grünen’ europäischen Autokonzern weiterentwickeln».
Die Offerte wurde schnell als publicity stunt abgetan, ausserdem wurde sowohl vom umworbenen Fahrzeughersteller wie auch von Kommentatoren betont, dass ein herauslösen von Opel aus dem GM-Konzern überhaupt nicht in Frage käme. Solarworld hatte allerdings bereits 2006 einen beträchtlichen Wachstumsschub auf vergleichbare Art erreicht: Der Konzern übernahm die Solarsparte von Shell, liess sich dafür eine Kompensationszahlung von 100 Millionen Euro zahlen und führte die neue Tochter ein Jahr später in die schwarzen Zahlen. So wurden Produktionsstandorte und zukunftsfähige Arbeitsplätze gesichert.
GM erhielt im Dezember 2008 13.4 Milliarden Dollar Staatshilfe und kündigte vor vier Tagen an, mindestens weitere 9.1 Milliarden zu benötigen. Seit drei Tagen gilt die …
Sonderbares, Wirtschaft »
Die deutsche Automobilindustrie steckt in der Krise. Der übermotorisierte Heimmarkt wächst nicht mehr, für die Hersteller bleibt also nur noch die Verkürzung der Absatzzyklen. Ein Ansatz, dies zu erreichen, ist die staatliche Verschrottungsprämie, die an den Kauf eines Ersatzfahrzeugs gebunden ist.
Im besonders konjunkturanfälligen Hochpreissegment sind die Hersteller deshalb dazu übergegangen, Aktivverschrottungstechnologie™ in ihre Fahrzeuge einzubauen. Sie ermuntert den Fahrer (bzw. dessen Erben), von der Verschrottungsprämie lange vor den ersten Rostschäden Gebrauch zu machen.
Aktivverschrottung: Porsche Erlkönig (links) schlägt VW Phaeton(Bilder: 20 Min / Tagi)
Als Technologie-Leader galt bisher VW. Testfahrer Jörg H. aus K. schaffte es im vergangenen Oktober, die Lebensdauer eines Phaeton auf drei Monate zu begrenzen. Doch die Konkurrenz holt auf. Porsche hat mit dem Modell «Erlkönig» ein Cabrio entwickelt, welches es ermöglicht, schon bei Neufahrzeugen die Prämie zu beanspruchen. Ungelöst bleibt vorerst einzig das Problem der damit verbundenen hohen Fluktuation bei den engagierten Testfahrern.
Sonderbares »
Findet Ihr Euch nicht etwas einseitig? Steigt doch auf den öffentlichen Verkehr um. Dort empfiehlt sich schwarzfahren zwar ebenfalls nicht, aber wenn Ihr’s doch nicht lassen könnt: Es kommt zumindest deutlich günstiger und ist für Euch und andere einiges gesünder.
Bilder: polizeinews.ch, ab 25. November 2008
s.a. 20.10.2008: 20.10.2008: Haider-Nachahmungstäter immer stümperhafter
Politik, Wirtschaft »
Geadelt werden sie nicht mehr, die Piraten von heute. Da hatte es Francis Drake (Bild), Plünderer on Her Majesty’s not so Secret Service, noch besser. Selbst mit der hollywoodesken Romantisierung dieser Berufsgruppe ist’s vorbei. Nun werden sie bekämpft – allerdings äusserst selektiv: Die Piratenfischer aus Europa und Asien, welche seit Jahren Somalias Meeresschätze illegal plündern, können ihren Geschäften weitgehend unbehelligt nachgehen. Zumindest war dies der Fall, bis sich somalische Fischer mit Waffengewallt gegen die ausländischen Trawler zu wehren begannen. Gemäss diesem äusserst lesenswerten Zeit-Artikel schätzt die Welternährungsorganisation, dass jedes Jahr rund 700 Schiffe ohne Lizenz vor Somalia vor allem Thunfischbestände ausbeuten.
Aus der Notwehr wurde schnell ein florierendes und brutales Geschäft, das weitere Akteure anzog und nun den internationalen Warenhandel erschwert. Seit wenigen Tagen interessiert sich auch die offizielle Schweiz für das Problem. Und das hat einen ganz bestimmten Grund: Sie ist um «ihre» Schiffe besorgt, genauer, um die rund drei Dutzend Schiffe, die unter Schweizer …
Sonderbares »
Das neue Fahrplanjahr ist gemäss SBB gut angelaufen – mit einer Ausnahme. Der Cisalpino sorgte auch zum Fahrplanwechsel für Ärger (Tagi). Zwei Züge der gemeinsamen Tochter von SBB und Trenitalia fielen aus und müssen wohl zur Reparatur in die Werkstätte. Aber die Betreiber scheinen für solche Fälle bestens gewappnet. Steht doch auf der Cisalpino-Website «Trenitalia operiert täglich 9200 Züge».
Gretchenfrage »
«Der Mensch ist frei geboren - konfessionsfrei» – diese ungeheuerlich aufmüpfige Parole wollte die Freidenker-Vereinigung der Schweiz in diversen öffentlichen Verkehrsmitteln in Form von Werbeplakaten unterbringen.
Die Stadtberner, Thuner und St. Galler Verkehrsbetriebe winkten ab. Mit dem Plakat würden religiöse Gefühle verletzt, hiess es (20 Min). Die bedürfen offenbar besonders pfleglicher Behandlung, wird doch von all diesen Betrieben Werbung für Bibelgruppen, Kirchensorgentelefone, religiöse Veranstaltungen und dergleichen zugelassen. Über die Gefühle der Religionslosen wird offenbar wenig sinniert. Oder denken die Werbeverantwortlichen der diversen Verkehrsbetriebe, dass Atheisten etwas weniger mimosenhaft reagieren als ihre besonders gläubigen Zeitgenossen? Mit dieser These könnten sie Recht haben. Frei geboren zu sein befreit. Lebenslänglich.
Sonderbares »
Es war zu erwarten: Der effektvoll inszenierte Abgang von Jörg Haider zieht Nachahmungstäter an. Bloss: Sie können ihrem Idol das Wasser nicht reichen.
Original (links): déformation professionelle, Fälschungen I & II: plumpe Blechschäden
In einem hielten sich die Nachahmungstäter streng an die Vorgaben ihres Vorbildes: Sie donnerten mit massiv übersetzter Geschwindigkeit in sorgfältig ausgesuchte Hindernisse.
Doch die Möchtegern-Doubles scheiterten nicht nur daran, ihre Fahrzeuge ähnlich kunstvoll wie Haider zu deformieren. Sie missachteten auch dessen Benimmregel: Sich selbst ohne Verletzung anderer aus dem Weg räumen. Nachahmungstäter I gelang wenigstens noch die Selbstauslöschung, doch er fuhr in Begleitung eines Beifahrers, der prompt verletzt wurde. Noch krasser gegen die Vorgaben verstiess Nachahmungstäter II: Statt sich selber aus dem Verkehr zu ziehen, verletzte er zwei unbeteiligte Fussgänger schwer.
Nachahmungsraser: So kommt Ihr unmöglich zu Ruhm und Ehre. Dies gibt vielmehr höchstens ein verschämtes Begräbnis im engsten Familienkreis beziehungsweise ein paar Jahre Führerausweisentzug und vielleicht noch eine Haftstrafe. Also lasst es einfach bleiben oder …








