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Wissenschaftliches

Wieso scheinen einige Personen von Natur aus skeptische Denker zu sein während andere sich sehr zugänglich für paranormale Erklärungen zeigen? Hat diese Offenheit für aussergewöhnliche Erklärungen ihre Vorteile, sind «magisch denkende» Menschen beispielsweise kreativer?

Was macht kreatives Denken überhaupt aus? Wie lässt es sich messen? Wie hat sich kreatives Denken evolutionär entwickelt? Was lässt sich allenfalls aus archäologischen Funden schliessen?

De Beaune et al: Cognitive Archaeology (2009)

De Beaune et al: Cognitive Archaeology and Human Evolution (2009)

Dies sind Fragen, die mich forschungsmässig beschäftigen. Einige aktuelle Gedanken dazu sind im Beitrag «Innovation and creativity: A neuropsychological perspective» im Buch «Cognitive Archaeology and Human Evolution» nachzulesen, herausgegeben von der französischen Prähistorikerin Sophie de Beaune, dem italienischen Archäologen Carmine Collins und dem US-Amerikanischen klinischen Neuropsychologen Frederick L. Coolidge.

Weiterhin verfolge ich das Gebiet der Neurolinguistik mit Interesse, der Disziplin, die sich mit der Verarbeitung von Sprache im Gehirn befasst. Ein Beitrag von mir und Peter Brugger mit dem Titel «How thinking determines language: the relativity of language relativity» erschien 2004 im Buch Language, Thought and Reality (herausgegeben als LACUS Forum XXX von der Linguistic Association of Canada and the United States.)

Auch in der Neurolinguistik interessieren mich evolutionäre Aspekte, aber auch der Bereich der Patholinguistik, also der Erforschung von Sprachstörungen, welche die Folge von Krankheiten oder Unfällen sind. Ein erfreulicher Aspekt dieser Forschung ist der unmittelbare praktische Nutzen: Je besser wir verstehen, wie unser Gehirn Sprache verarbeitet, desto bessere Therapiestrategien lassen sich entwickeln.

Einmal im Jahr unterrichte ich an der britischen Open University das Fach Cognitive Psychology. An der Residential School sammeln die StudentInnen dieser Fernuni Erfahrungen in experimenteller Psychologie. Zwei Wochen lang coache ich jeweils rund zehn von den Teilnehmenden im Voraus eingereichte Projekte. Im Vordergrund stehen gutes experimentelles Design und eine statistisch saubere Analyse der gesammelten Daten.

2 Kommentare »

  • Thys Flueler meint:

    Ich habe den Eindruck, dass die meisten Denksysteme des Menschen eine gewisse Immanenz haben. Im Mittelalter waren die Menschen zweifellos von der Existenz von Gott, Hexen und der Erde als Scheibe überzeugt -es war ihnen gar nicht möglich in anderen Kategorien zu denken. So gesehen dachten aus damaliger Sicht eher diejenigen “magisch” die nicht an diese Dinge glaubten. So gesehen hat “magisch” wohl eher etwas mit “unkonventionell” als mit “kreativ” zu tun.

    “Kreativität” ist für mich (aus heutiger Sicht) eher die Fähigkeit Zusammenhänge zwischen auf den ersten Blick nicht zusammengehörigen Dingen stiften oder bilden zu können. Das muss mit “Magie” nichts zu tun haben.

    “Magisches” Denken ist zweifellos genetisch determiniert. ich kann mir vorstellen, dass es im Denken eine (möglicherweise lebenswichtige) Interpolationsfunktion hat. Das zeigt sich zum Beispiel in der Erinnerungsleistung, oder in der Art wie wir ein Bild erkennen (Gestaltpsychologie).

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  • Walter Hehl meint:

    Eine Beobachtung zur Bedenkenlosigkeit, mit der Behauptungen als möglich oder wahr genommen werden: Es ist der Einfluss der Erziehung. Ich habe schon häufig hartrational denkende, intelligente junge Manager gesehen, die trotzdem bedenkenlos an Pseudoeffekte glauben (und die zwar wirtschaftliche Ausbildung und wirtschaftliches Denken haben, aber keinerlei naturwissenschaftliches Verständnis). Durch Übung kann man die Unterschiede zwischen kein Zusammenhang – Korrelation – Kausalität besser verstehen. Zum Beispiel wird dann direkt (oder wenigstens vague) klar, dass die behauptete Aussage – etwa Astrologie oder Homöopathie mit wahnsinnigen Verdünnungen – eine radikale Erweiterung oder gar Verletzung vieler Naturgesetze bedeuten würde! In den Zeiten des Internets erscheint mir diese Fähigkeit – den Wahrheitsgehalt einer Information einschätzen zu können – sogar eines der wichtigsten Ziele der Erziehung zu sein. Wenn jemand dann dennoch an Wunder glaubt, weiss er oder sie wenigstens, dass dies eine nichttriviale Behauptng ist!

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